Krimi trifft Kunst: Der ungewöhnliche Sechsteiler über eine Mordserie unter berühmten surrealistischen Künstlern wie Magritte und Dalí entpuppt sich selbst als surrealistisches Kunstwerk mit Charme, Witz und Anspruch.
„This Is Not a Murder Mystery“So gut ist die Krimiserie im Künstler-Milieu

Ganz nebenbei und halb verdeckt zeigt der junge Magritte (Pierre Gervais) sein berühmtes Gemälde „La trahison des images“. (Bild: ZDF/Panenka)
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René Magritte (Pierre Gervais) ist sich sicher, dass ihn jemand in der Mordnacht betäubt hat, um ihm den Mord an Sheila Legge in die Schuhe zu schieben. Er setzt alles daran, seine Unschuld zu beweisen. (Bild: ZDF/Panenka)
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Hercule Poirot bekommt Konkurrenz als bekanntester belgischer Detektiv - und zwar von René Magritte. In der belgisch-deutschen Krimiserie „This Is Not a Murder Mystery“ (Drehbuch: Christophe Dirickx, Paul Baeten Gronda, Regie: Hans Herbots) gerät der Künstler unter Mordverdacht und versucht, seine Unschuld zu beweisen. Der Sechsteiler ist ab Freitag, 31. Juli, im ZDF-Streamingportal und ab Mittwoch, 5. August, in wöchentlichen Doppelfolgen bei ZDFneo zu sehen.

Die Amerikanerin Lee Miller (Florence Hall) war ein erfolgreiches Model und später eine berühmte Kriegsfotografin, die zeitweise mit dem Fotokünstler Man Ray liiert war. Beide gehören zu den Künstlern, die in der Serie auf einem englischen Landsitz zusammenkommen. (Bild: ZDF/Panenka)
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Die Ausgangslage des klassischen „Whodunnit“ ist ebenso genial wie skurril, denn die Hauptfiguren sind die aus heutiger Sicht wohl berühmtesten Vertreter des Surrealismus. 1936 sind sie allerdings noch aufstrebende Künstler, die Lord James (Aoibhinn McGinnity) - in der Serie, anders als in der Realität, eine Frau - auf ihren englischen Landsitz einlädt, um ihnen mit einer Ausstellung zu internationalem Renommee zu verhelfen. Zu Gast ist neben Magritte (Pierre Gervais), Salvador Dalí (Iñaki Mur), Max Ernst (Mike Hoffmann), Man Ray (Frank Bourke) und der Kriegsfotografin Lee Miller (Florence Hall) auch die Performance-Künstlerin Sheila Legge (Lauren Versnick).

Salvador Dalí (Iñaki Mur) und seine Frau Gala (Regina Bikkinina) scheinen mehr über die Vergangenheit der ermordeten Sheila zu wissen, als sie gegenüber Neu-Detektiv Magritte zugeben wollen. (Bild: ZDF/Panenka)
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Ein Disclaimer zu Beginn jeder der sechs Episoden bringt nicht nur den Plot, sondern auch das surrealistische Prinzip auf den Punkt: „Die nachfolgenden Ereignisse sind von wahren Gegebenheiten und echten Personen inspiriert. Doch glauben Sie besser nicht alles, was Sie sehen.“
Jeder Mord ein Kunstzitat

Einen Lord James, der die in der Serie versammelten Künstler 1936 auf seinen Landsitz einlud, gab es wirklich. Allerdings war er ein Mann, in der Serie wird er von Aoibhinn McGinnity als Frau dargestellt - eine weitere surreale Idee. (Bild: ZDF/Panenka)
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DCI Thistlethwaite (Stephen Tompkinson, Dritter von links) und DC Quant (Donna Banya) müssen bei ihren Ermittlungen mit dem exzentrischen Verhalten - und dem Drogenkonsum - der anwesenden Künstler umgehen. (Bild: ZDF/Panenka)
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Nach einer wilden Partynacht wird Sheila tot in ihrem Bett gefunden, neben ihr Magritte. Sie wurden wie das Paar auf Magrittes Gemälde „Die Liebenden“ drapiert - der Titel der ersten Episode. Der Maler wird zum Hauptverdächtigen, kann sich jedoch an nichts erinnern und ist überzeugt, dass ihm jemand den Mord anhängen will. Dalí, möchte man sich schnell festlegen. Nicht nur, weil der Exzentriker Magritte beschuldigt, sondern auch weil er Krokodilstränen wegen Sheila vergießt, nachdem er sich zuvor noch über ihre Anwesenheit echauffiert hatte.

Salvador Dalí (Iñaki Mur), ein Hummer und ein Telefon: Was könnte daraus wohl einmal werden? Aller Voraussicht nach das berühmte „Hummertelefon“ des Surrealisten. (Bild: ZDF/Panenka)
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Dank seines Künstler-Blicks für kleinste Details wird Magritte alsbald in die Ermittlungen der Scotland-Yard-Detectives Thistlethwaite (Stephen Tompkinson) und Quant (Donna Banya) mit einbezogen. Doch es wird nicht bei diesem einen Mord bleiben - und jeder Tatort zitiert ein berühmtes Kunstwerk der Anwesenden.

Max Ernst (Mike Hoffmann) ist der Deutsche unter den surrealistischen Künstlern, die in der Krimiserie eine Mordserie in den eigenen Reihen erleben. (Bild: ZDF/Panenka)
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„This Is Not a Murder Mystery“ ist ein Cosy-Krimi im Künstlermilieu, skurril, temporeich, opulent ausgestattet und reich an Witz und Zitaten der Werke der Künstler, etwa in der Episode „Das Hummer-Telefon“, benannt nach Dalís Meisterstück. Einmal sieht man Magritte sein Gemälde „La trahison des images“ (“Der Verrat der Bilder“) unter dem Arm tragen. Es zeigt eine Pfeife, darunter den Schriftzug „Ceci n'est pas une pipe“ (“Das ist keine Pfeife“) - die Vorlage für den Serientitel. Der rätselhafte Bowler-Hut aus Magrittes Werk erhält ebenfalls eine augenzwinkernde Erklärung.
Doch auch ohne Kunstvorkenntnisse ist der Sechsteiler ein Genuss, dafür sorgen die skurrilen Figuren, pointierten Dialoge und der ganz spezielle Humor. Etwa wenn Dalís divenhafte Ehefrau Gala (Regina Bikkinina) Magritte bei ihrer Ankunft auf dem Landsitz für einen Diener hält und dem irritierten Künstler erst einmal den direkten Blickkontakt verbietet. Es ist eben nichts, wie es scheint in dieser Serie ... (tsch)