Über 90.000 Euro Schulden und kaum Geld zum Leben: Schirin Breiter kämpft um ihren Geschenkeladen und ihre finanzielle Zukunft. Trotz Existenzängsten gibt die 31-Jährige nicht auf. Eine ZDF-Reportage begleitet sie durch ihren Alltag.
Traum vom eigenen Laden trieb Schirin in über 90.000 Euro Schulden„Kann uns allen passieren“

Schirin (31) hat mehr als 90.000 Euro Schulden und kämpft mit ihrem Laden ums Überleben im Einzelhandel. (Bild: ZDF/ Sarah Storch)
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Schirin Breiter ist 31 Jahre alt, selbstständig und hat mehr als 90.000 Euro Schulden. Nach einem großen Rückschlag kämpft sie mit ihrem Geschenkeladen ums Überleben im Einzelhandel - und gibt in der ZDF-Reportage „37°Leben: Knapp bei Kasse: Selbstständig am Limit“ einen ehrlichen Einblick in ihren Alltag mit Geldsorgen.
Die Selbstständigkeit begleitet Schirin dabei schon ihr halbes Leben. Seit ihrem 16. Lebensjahr steht sie auf eigenen Beinen. Doch ausgerechnet ihr eigener Laden entwickelt sich zu einem Albtraum für die Geschäftsfrau.
Denn 2024 stand Schirins Selbstständigkeit vor dem Aus. Breiter erinnert sich: „Das, was sich erst sehr vielversprechend angehört hat und tatsächlich auch erst mal gut gestartet ist, ist dann aber in einem ziemlichen Albtraum geendet.“ Mit ihrem alten Laden in Radebeul habe sie sich ein „bisschen übernommen“. Die Fläche war zu groß, und als dann noch eine Vollbaustelle direkt vor die Haustür gelegt wurde, geriet ihr Betrieb in Schieflage. „Wir hatten wahnsinnig viele Umsatzeinbußen dadurch und ich konnte dann diese hohe Miete nicht mehr erbringen“, erinnert sich die 31-Jährige zurück.
Selbstständige GEschäftsfrau lebt von 1.200 Euro monatlich
In nur wenigen Tagen musste Schirin ihren Laden räumen - und damit auch ihre Wohnung, die sich direkt darüber befand. „Da ging es mir gesundheitlich schon so schlecht, dass ich den Laden gar nicht mehr mit ausräumen konnte.“ Aufgeben wollte sie aber nicht. Mit der Hilfe ihrer Familie und Stammkunden schaffte sie den Neustart und eröffnete einen neuen Laden in Weinböhla. Der finanzielle Druck blieb jedoch groß.
„Ich lebe aktuell im Monat etwa von 1.200 Euro“, verrät die Ladenbesitzerin. „Das reicht so für das Nötigste.“ Nach dem Aus ihres alten Ladens habe sie nun eine „Schuldenlast von etwas über 90.000 Euro“. Angehäuft hätten sich diese durch eine Mehrwertsteuer-Rechnung, einen unverschuldeten Autounfall, Corona-Rückzahlungen in Höhe von 12.000 Euro, Mietrückstände, Nachzahlungen an Strom- und Gasanbieter sowie Zahlungen an das Finanzamt. Zudem habe sie von einem Investor eine Summe von 20.000 Euro erhalten - welche dieser nun zurückfordert.
Zeitgleich gesteht die Geschäftsfrau auch eigene Fehler ein. Ihr Vater habe ihr stets erklärt, sie müsse auf ihre Buchhaltung achten und ihre „Zahlen auf den Tag genau kennen“. Rückblickend weiß Schirin Breiter: „Das habe ich tatsächlich manchmal schleifen lassen.“
Früher habe sie sich keine Sorgen um Geld machen müssen. „Es gab auch schon andere Zeiten, da bin ich für 500 Euro shoppen gegangen jeden Monat“, erzählt Schirin. „Das ist lange, lange nicht mehr so.“ Und das, obwohl sie mit ihrem eigenen Geschenkladen weiterhin einen Full-Time-Job hat. Morgens starte sie früh gegen sieben Uhr morgens, Feierabend habe sie meist erst um 22 Uhr. Rechne man dies gegen, ergebe sich ein Stundenlohn von ein paar Euro. „Das ist schon nicht ohne. Das ist eigentlich für das, was man am Ende raus hat, ein Witz“, betont Breiter.
„Du bist nicht weniger wert, nur weil du Schulden hast“
Ihr Vater und ein Anwalt unterstützen sie derzeit beim Schuldenabbau. Die psychische und körperliche Belastung sei dennoch hoch: „Es gibt auch wirklich Phasen, da kann ich nicht schlafen, das ist immer wie eine dunkle Wolke, die jeden Tag und bei allem, was du machst, mitschwebt“, weiß Schirin.
Man lerne, damit umzugehen, „aber es ist nicht immer leicht“. Sie müsse mehr Abstriche machen, ein Leben wie früher sei nicht möglich. Trotzdem kämpft die Geschäftsfrau weiter für ihren Traum. Sie veranstaltet in ihrem Geschenkladen Events, Workshops und Vorträge, macht Werbung über Social-Media und betreibt einen Online-Shop und einen Paketshop.
Schirin weiß, dass das Thema Geld in Deutschland und „generell unter Menschen“ immer noch ein Tabu-Thema ist. „Wenn du so ein Tabu-Thema ansprichst, dann triggert das natürlich manche Menschen“. Sie stellt dennoch klar: „Du bist deswegen nicht weniger wert, nur weil du Schulden hast oder in Schwierigkeiten geraten bist. Und am Ende kann uns das allen passieren.“
Das ZDF zeigt „37°Leben: Knapp bei Kasse: Selbstständig am Limit“ am Sonntag, 11. Oktober 2026, 09.03 Uhr im TV. Vorab ist die Reportage in der ZDF-Mediathek verfügbar. (tsch)