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Rätsel um Wal „Timmy“Peilsender piept wohl mehrfach – Standort bleibt im Nebel

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Eine Helferin bespritzt in der vergangenen Woche den Buckelwal.

Eine Helferin bespritzt in der vergangenen Woche den Buckelwal vor der Insel Poel und ist im Gegenlicht zu sehen. (Archivbild)

Tracker-Chaos um Wal „Timmy“: Der Sender piept, doch die Position fehlt. Experten schimpfen über Fahrlässigkeit.

Im Drama um den Buckelwal „Timmy“ verlagert sich der Schauplatz von der stürmischen Nordsee in die Welt der Satellitentechnik. Seit der Freilassung am Samstagmorgen (2. Mai 2026) klammert sich die Privatinitiative an ein technisches Gerät, das nun mehr Fragen aufwirft als es Antworten liefert: den Peilsender an Timmys Rückenflosse. Während die Geldgeber von „Lebenszeichen“ sprechen, wittern Experten laut der „Bild“-Zeitung fahrlässigen Dilettantismus.

Tracker-Chaos: Gebastelt, aber nicht getestet?

Die neuesten Details zur Befestigung des Senders werfen ein grelles Licht auf die Professionalität der 1,5 Millionen Euro teuren Mission. Dr. Kirsten Tönnies, die als Tierärztin an Bord war, gab nach ihrer Rückkehr an Land zu Protokoll, sie habe „zwei oder drei Tage an dem Tracker rumgebastelt“, ohne vorherige Erfahrung mit solchen Geräten zu haben. Eine Funktionsprüfung vor dem Aussetzen? Fehlanzeige.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, r) geht durch das Wasser zum gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, r) geht durch das Wasser zum gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel. (Archivbild vom 26. April 2026)

Wale-Experte Fabian Ritter findet dafür gegenüber der „Bild“-Zeitung deutliche Worte: Er spricht von „Fahrlässigkeit“. Ein Tracker, der im entscheidenden Moment versagt oder falsch montiert wurde, könnte das Schicksal des Wals für immer im Dunkeln lassen.

Lebenszeichen oder technischer Irrtum?

Geldgeberin Karin Walter-Mommert versucht unterdessen, die Wogen zu glätten. Zwar liefert das Gerät weiterhin keine GPS-Position – ein Umstand, der für die Ortung des Tieres katastrophal ist –, doch soll der Sender sich bereits mehr als 20 Mal gemeldet haben. Walter-Mommert interpretiert diese Signale als Beweis für Tauchgänge in bis zu 150 Meter Tiefe. „Für mich sind das Vitaldaten“, so die Millionärin.

Die „Fortuna B“ liegt im Hafen von Cuxhaven. Eines der beiden Schiffe, die den mehrfach vor der deutschen Küste gestrandeten Wal in die Nordsee brachten, ist am Sonntagabend in Cuxhaven eingelaufen.

Die „Fortuna B“ liegt im Hafen von Cuxhaven. Eines der beiden Schiffe, die den mehrfach vor der deutschen Küste gestrandeten Wal in die Nordsee brachten, ist am Sonntagabend in Cuxhaven eingelaufen. (Archivbild vom 3. Mai 2026)

Doch Experten relativieren: Ein Signal wird nur gesendet, wenn der Wal (oder zumindest der Sender) die Wasseroberfläche durchbricht. Ob das Tier dabei kontrolliert schwimmt oder leblos in der Strömung treibt, lässt sich ohne exakte Positionsdaten kaum bestimmen.

Das dunkle Szenario: Ein Grab in der Tiefe

Sollten die Skeptiker vom Deutschen Meeresmuseum recht behalten, wird die Welt die Wahrheit wohl nie erfahren. Die Experten aus Stralsund bleiben bei ihrer Einschätzung, dass der extrem geschwächte Wal die Kraftanstrengung im tiefen Wasser nicht überlebt hat. Sollte „Timmy“ in der Region ertrunken sein, droht er in Tiefen von bis zu 700 Metern zu versinken – weit außerhalb der Reichweite jeder Kamera.

Auch die Art der Freilassung sorgt für Kopfschütteln. Augenzeugenberichten zufolge verließ „Timmy“ sein „Stahlbett“ auf der Barge nicht freiwillig. Er soll von der Mannschaft der „Fortuna B“ unsanft am Schwanz ins offene Meer gezogen worden sein. Es war ein Abschied ohne Würde für einen Meeresriesen, dessen Schicksal nun an einem fehleranfälligen Sender hängt, der zwar piept, aber nicht sagt, wo er ist.