Hunderte von alten Schuhen sind bei einer Umweltmaßnahme in Wales aufgetaucht. Deren Ursprung ist unklar.
Rätselhafter Fund in WalesHunderte alte Schuhe an Küste entdeckt

Hunderte solcher Schuhe wurden in Wales an einen Strand gespült. (Symbolbild)
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Während eines umfangreichen Projekts zur Renaturierung von Gezeitentümpeln ist an der walisischen Küste im Vale of Glamorgan eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht worden. In den Uferzonen von vier verschiedenen Stränden wurden bislang insgesamt 437 Schuhe gefunden. Das berichtet „Wales Online“. Der Fund erfolgte im Rahmen einer Umweltmaßnahme der Organisation Beach Academy, die finanziell und inhaltlich von der Vale Local Nature Partnership unterstützt wird.
Walisische Küste: Stammen die Schuhe aus dem 19. Jahrhundert?
Die Verteilung der Funde zeigt, dass 293 Schuhe bei Ogmore und 134 bei Llantwit Major entdeckt wurden. Weitere neun Exemplare stammen aus Penarth, ein einzelner Fund aus der Whitmore Bay. Ein Sprecher der Beach Academy erklärte, es handele sich nicht um Abfall aus jüngerer Zeit, sondern um Fußbekleidung, deren Alter auf viele Jahrzehnte geschätzt werde – vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, also aus dem viktorianischen Zeitalter. Überwiegend seien Schuhe für Kinder und erwachsene Männer darunter.
Es gibt mehrere Hypothesen dazu, wie eine so große Anzahl von Schuhen an die Küste gelangt sein könnte. Als plausibelste gilt ein Zusammenhang mit dem Wrack des Schiffes „Frolic“, das vor rund 150 Jahren am Tusker Rock havarierte. Das Schiff transportierte unter anderem eine Ladung Schuhe sowie weitere Waren aus Italien. Nach heutiger Annahme wurden Teile dieser Fracht über den Ogmore River landeinwärts gespült und werden durch fortschreitende Ufererosion immer wieder freigelegt.
Umweltaktion bringt Hunderte alte Schuhe zum Vorschein
Ein weiterer Erklärungsansatz knüpft an die industrielle Vergangenheit der Stadt Bridgend an. Um 1960 galt der Ort als bedeutendes Zentrum der Schuhproduktion, in dem wöchentlich mehr als 50.000 Paar Schuhe und Stiefel hergestellt wurden. Nach Angaben des Sprechers ist es denkbar, dass Schuhmacher damals nicht mehr reparable Stiefel bei Portobello in den Fluss entsorgten, von wo aus sie schließlich ins Meer gelangten.
Die Initiative, in deren Rahmen seit September Renaturierungsaktionen durchgeführt wurden, legt den Fokus auf die ökologische Wiederherstellung. Die gefundenen Schuhe stellten nur einen kleinen Teil eines deutlich größeren Problems dar. Ziel des Projekts sei es, „die Lebensräume der Felsentümpel wieder in ihren ursprünglichen, natürlichen Zustand zu versetzen, indem wir Meeresmüll entfernen, der sich dort über längere Zeit angesammelt hat – entweder im Sediment eingebettet oder zwischen den Felsen verfangen“, erklärte der Sprecher.
Bislang wurden mehr als 12.000 Abfallstücke von der Küste entfernt. Dennoch habe man bislang nur „kaum an der Oberfläche gekratzt“, hieß es. Um die Arbeiten fortsetzen und ausweiten zu können, sucht die Beach Academy nun weitere ehrenamtliche Unterstützer.

