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Vergessene Riesen11 geheimnisvolle Schiffswracks an den Küsten der Welt

8 min
Das Wrack des Turbinendampfers SS Maheno auf Fraser Island.

Das Wrack des Turbinendampfers SS Maheno auf Fraser Island. (Archivbild von 2021)

An diesen 11 Stränden können Sie Relikte gestrandeter Schiffe bestaunen, die für eine einzigartige Atmosphäre sorgen.

In unserem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Reise zu elf spektakulären Wracks, die über Wasser an Stränden oder Küsten bewundert werden können. Erfahren Sie mehr über die faszinierenden Geschichten, die sich hinter den Überresten der Wracks verbergen.


Klemens, Vila Nova de Milfontes (Portugal)

An der Südwestküste von Portugal liegt die kleine Gemeinde Vila Nova de Milfontes. Dieses Küstendorf ist für seinen schönen Strand bekannt, an dem sich das Wrack eines Schleppers namens Klemens befindet. Es ist nicht viel über das Wrack bekannt, aber sein Geheimnis ist Teil des Reizes.

Das Wrack des Schleppers Klemens rostet im Sonnenuntergang vor sich hin.

Das Wrack des Schleppers Klemens rostet im Sonnenuntergang vor sich hin. (Archivbild)

Fest steht, dass der 17 Meter lange holländische Schlepper im Dezember 1996 auf Grund lief und an der Praia do Patacho, umgeben von zerklüfteten Felsen, strandete. Trotz jahrelanger Diskussionen zwischen portugiesischen Firmen und Behörden, wer für die Bergung des Wracks verantwortlich sei, wurde es auch mehr als 25 Jahre nach dem Unglück nicht geborgen.


MV Panagiotis auf Zakynthos (Griechenland)

Auf Zakynthos, einer der Ionischen Inseln Griechenlands, liegt das berühmte Wrack der MV Panagiotis, die 1937 vom Stapel lief. Das Schiff strandete in den 1980er Jahren und gab dem Ort den Namen Navagio Beach (Wrackstrand).

Das Schiffswrack der MV Panagiotis auf griechischen Insel Zakynthos.

Das Schiffswrack der MV Panagiotis auf griechischen Insel Zakynthos.

Um die Geschichte der MV Panagiotis ranken sich verschiedene Theorien. Es wird vermutet, dass das Schiff einst als Schmugglerschiff diente und eine Vielzahl von Waren wie Zigaretten, Alkohol und möglicherweise sogar Menschen transportierte. Einige glauben, dass es von den Behörden verfolgt wurde und schließlich auf Grund lief.

Der Kapitän des Schiffes, Charalambos Kompothekras-Kotsoros, hat jedoch eine weniger spektakuläre Erklärung. Er behauptet, das Schiff sei wegen schlechten Wetters an den Strand getrieben worden, wo Diebe einen Teil der Ladung und einige Ausrüstungsgegenstände gestohlen hätten.


SS Maheno auf Fraser Island (Australien)

Fraser Island in Queensland, Australien, ist bekannt für seine Schiffswracks – 23 an der Zahl. Eines der berühmtesten ist die SS Maheno, ein 5.000 Tonnen schwerer Turbinendampfer aus dem Jahr 1905. Im Ersten Weltkrieg als Lazarettschiff eingesetzt, wurde das Schiff in den 1930er Jahren zur Verschrottung nach Japan verkauft. Auf dem Weg zu ihrem endgültigen Bestimmungsort wurde die SS Maheno von einem Zyklon erfasst. Die achtköpfige Besatzung konnte gerettet werden.

Das Wrack des Turbinendampfers SS Maheno auf Fraser Island.

Das Wrack des Turbinendampfers SS Maheno auf Fraser Island im Sonnenuntergang. (Archivbild)

Versuche, das Wrack zu bergen, sind ebenso gescheitert wie Versuche, es wieder flottzumachen oder zu verkaufen. Seitdem liegt die Maheno am Strand von Fraser Island und rostet vor sich hin. Aufgrund des mittlerweile gefährlichen Zustandes des Schiffes ist der Zugang verboten.

Über Jahrzehnte wurde die SS Maheno zu einem der bekanntesten Wahrzeichen der Insel. Besonders bei Ebbe ragt das rostende Wrack weithin sichtbar aus dem Sand und bildet einen ungewöhnlichen Kontrast zum hellen Strand und dem Meer. Die Natur hat dabei zunehmend die Kontrolle übernommen: Salzwasser, Wind und Sand setzen dem verbliebenen Stahl immer weiter zu. Was einst ein modernes Passagier- und Frachtschiff war, ist heute nur noch ein Relikt seiner bewegten Geschichte. Besucher dürfen das Wrack deshalb nur aus sicherer Entfernung betrachten.


MS Cabo Santa Maria auf Boa Vista (Kapverdische Inseln)

Als der spanische Diktator Francisco Franco 1968 die Cabo Santa Maria auf den Weg schickte, um seinen Anhängern in Südamerika Geschenke zu bringen (von Autos über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln und Getränken), rechnete niemand damit, dass das Schiff auf den Kapverdischen Inseln auf Grund laufen und auf der Insel Boa Vista stranden würde.

Das Wrack der MS Cabo Santa Maria rostet auf Boa Vista vor sich hin.

Das Wrack der MS Cabo Santa Maria rostet am Strand von Boa Vista vor sich hin. (Archivbild von 2013)

Heute liegt das Wrack des Schiffes am Praia de Atalanta, einem der schönsten Strände der Insel. Der ist allerdings gar nicht so leicht zu erreichen. Das Magazin „GEO“ spricht von einer Dauer von ein bis zwei Stunden Fußmarsch über Trampelpfade. Es lohnt sich also, früh aufzubrechen, um der Mittagshitze zu entgehen.


MV Plassey auf Inisheer (Irland)

Das kleine von Rost zerfressene Schiff aus dem Jahre 1940 ist eine echte Berühmtheit auf Irland. Fans britischer Fernsehserie kennen das Wrack der MV Plassey vielleicht aus dem Vorspann der Mitte der 1990er Jahre produzierten Sitcom „Father Ted“, einer beliebten BBC-Serie über einen Priester im ländlichen Irland.

Das Wrack der MV Plassey auf Inisheer.

Das Wrack der MV Plassey auf Inisheer.

Der Dampftrawler, der unter anderem Buntglas, Garn und Whiskey transportierte, lief 1960 vor Inisheer, einer der irischen Aran-Inseln, auf Grund. Schuld war ein schwerer Sturm. Einige Wochen später trieb ein zweiter Sturm das Schiff auf die Insel. Dort rottet das Wrack am rustikalen Strand von Carraig na Finise ruhig vor sich hin. Es liegt, bedeckt mit Rost, auf der steinigen Küste und kann aus nächster Nähe besichtigt werden.


Schiffswracks auf Roatán (Honduras)

Eine Reihe von Schiffswracks vor Roatán, einer der Islas de la Bahía von Honduras, wurde absichtlich für Touristen und die Tauchindustrie versenkt. Die Prince Albert, ein nicaraguanischer Tanker, der nach der Auslieferung von Flüchtlingen in Roatán zurückblieb, war das Schiff, das diesen Trend auslöste.

Andere Wracks, darunter die El Aguila, wurden zumindest teilweise von Mutter Natur versenkt. Das Schiff liegt vor der Insel und ist von Mahogany Bay aus erreichbar, einem von der Carnival Corporation entwickelten Kreuzfahrthafen. Teile des Wracks können sogar von der Wasseroberfläche aus beim Schnorcheln erkundet werden. Die El Aguila ist damit nicht nur ein Ziel für erfahrene Taucher, sondern auch für Besucher, die die Unterwasserwelt von Roatán ohne umfangreiche Tauchausrüstung erleben möchten.


SS American Star auf Fuerteventura (Spanien)

Die SS American Star hatte im Laufe ihres Lebens viele Namen, von America bis Australis. Sie wurde 1939 von Eleanor Roosevelt kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vom Stapel gelassen und war zunächst ein Passagierschiff, wurde aber bald von der Marine zum Transport amerikanischer Truppen umgebaut. Nach dem Krieg wurde sie wieder als Handelsschiff eingesetzt.

Das Wrack der SS American Star auf Fuerteventura.

Das Wrack der SS American Star auf Fuerteventura, als es noch sichtbar war. (Archivbild von ca. 2006).

In den 1990er Jahren wurde das in die Jahre gekommene Schiff von einem Team in Thailand vor der Verschrottung gerettet, das es zu einem schwimmenden Hotel umbauen wollte. Doch auf dem Weg in ihre neue Heimat wurde die SS American Star 1994 bei einem Sturm vor Fuertaventura, einer der Kanarischen Inseln, zum Wrack.

Das noch erhaltene Bugteil war lange Zeit eine Touristenattraktion, befindet sich allerdings seit März 2007 fast vollständig unter der Wasseroberfläche und ist nur noch bei Ebbe zu sehen. In der Wikipedia gibt es eine faszinierende Bildergalerie. Im September 2019 haben Taucher das nicht gerade ungefährliche Wrack besucht und ebenfalls faszinierende Aufnahmen gemacht.


SS Point Reyes, Inverness (USA)

In Inverness, Kalifornien, liegt der Point Reyes National Seashore. Zu den ungewöhnlichen Sehenswürdigkeiten der Küstenregion gehört ein Schiffswrack, das als Zeugnis der amerikanischen Seefahrtsgeschichte gilt: die SS Point Reyes. Das Schiff soll vor mehr als 100 Jahren an der Küste gestrandet sein. Über seine genaue Geschichte ist heute allerdings nur wenig bekannt.

Ein beschädigtes Boot im dichten Nebel bei den Schiffswracks von Point Reyes in Inverness.

Ein beschädigtes Boot im dichten Nebel bei den Schiffswracks von Point Reyes in Inverness. (Archivbild)

Die Gewässer vor Point Reyes galten lange als besonders tückisch. Noch bevor der Point Reyes Lighthouse im Jahr 1870 errichtet wurde, gingen an den Felsen Schiffe und Ladungen im Wert von fast einer Million Dollar verloren. Insgesamt sollen in der Region mehr als 50 Schiffe gesunken oder gestrandet sein. Der Leuchtturm sollte schließlich dafür sorgen, dass die gefährliche Küste für die Schifffahrt besser erkennbar wurde.

Heute erinnert nicht nur der Leuchtturm an die maritime Vergangenheit der Region. Das verbliebene Wrack ist zu einem beliebten Fotomotiv geworden und zieht zunehmend Besucher an, die die ungewöhnliche Kulisse für ihre Aufnahmen nutzen. Vor allem in sozialen Netzwerken findet das Schiffswrack inzwischen ein neues Publikum.


Dimitrios, Gythio (Griechenland)

Das ehemalige Lastschiff wurde 1981 aufgrund eines technischen Defekts aufgegeben und strandete schließlich an diesem Ort. Das verlassene Geisterschiff hat eine mysteriöse und malerische Anziehungskraft und zieht jährlich tausende Besucher an, die die einzigartige Atmosphäre und Fotomöglichkeiten des Wracks schätzen. 

Das Wrack der Dimitrios am Strand von Gythio.

Das Wrack der Dimitrios am Strand von Gythio.

Womöglich liegt das auch an den vielen Legenden, die sich um das Schiff ranken. Berichten zufolge wurde das 1950 vom Stapel gelaufene Schiff auf der Halbinsel Peloponnes in Brand gesetzt, um die Tatsache zu verbergen, dass sie Zigaretten zwischen der Türkei und Italien schmuggelte.

Salzwasser, Sand und Wind haben auch hier ihren Tribut gefordert und vom Betreten des Wracks wird dringend abgeraten. Nicht zu übersehen sind auch die zahlreichen Graffiti, die im Laufe der Jahre hinzugekommen sind.


Sarah (Anguilla, britisches Überseegebiet)

Südlich der Turks- und Caicosinseln liegt die zu Großbritannien gehörende Insel Anguilla mit einem beeindruckenden Schiffswrack. Am Strand von Sandy Ground liegt die Sarah, ein 71 Meter langes Schiff, das 1984 während des Hurrikans Klaus sank. Sechs Monate später wurde das Schiff geborgen und an seinen heutigen Standort geschleppt, wo es seitdem als künstliches Riff und beliebtes Ziel für Taucher dient.

Das Wrack liegt aufrecht im Wasser und ist noch weitgehend erhalten. Große Öffnungen im Rumpf ermöglichen erfahrenen Tauchern den Zugang zu den drei Laderäumen. Im Inneren und an der Außenhaut hat sich im Laufe der Jahre eine vielfältige Unterwasserwelt angesiedelt. Das Wrack ist von stacheligen Austern bewachsen, während die Steuerbordseite von Korallen in zahlreichen Farben bedeckt ist.

Damit ist die Sarah längst mehr als nur ein Relikt eines Hurrikans. Das Schiff bietet zahlreichen Meerestieren einen Lebensraum und zieht zugleich Taucher an, die die ungewöhnliche Verbindung aus Schiffswrack und Korallenriff erkunden wollen. Für unerfahrene Taucher ist das Innere des Wracks dagegen nicht geeignet – die Erkundung der Laderäume sollte erfahrenen Tauchern vorbehalten bleiben.


Schiffsfriedhof von Ras Nouadhibou (Mauretanien)

An der Westküste Afrikas liegt Ras Nouadhibou, eine kleine Halbinsel, die sich Mauretanien und die Westsahara teilen. Der östliche Teil der Halbinsel gehört zu Mauretanien und beherbergt Nouadhibou, die zweitgrößte Stadt des Landes mit fast 100.000 Einwohnern. Nouadhibou ist die wirtschaftliche Hauptstadt der Region, hat aber auch weniger ruhmreiche Titel: Hier befindet sich laut „Welt Online“ der größte Schiffsfriedhof der Welt.

Schiffe am Strand von Ras Nouadhibou, Mauretanien.

Der größte Schiffsfriedhof der Welt befindet sich an der Küste von Mauretanien. (Archivbild)

Aus finanzieller Not drückten die Behörden ein Auge zu, wenn Reeder Bestechungsgelder anboten, um ihre ausgedienten Schiffe im Hafen versenken zu lassen. Nach fast drei Jahrzehnten dieser Praxis ist die Küste von Nouadhibou eine einzigartige Landschaft aus über 300 verrottenden Schiffen, auf dem teilweise sogar Menschen leben. Laut dem Reiseportal „Easy Voyage“ ist dieser Ort das „touristische Highlight“ von Mauretanien.

Wer ein Herz für Tiere hat, kann in den Sandbuchten unterhalb der steilen Kalkfelsen an der Südspitze noch eine kleine Kolonie der sehr seltenen Mittelmeer-Mönchsrobben beobachten, eines der seltensten Säugetiere Europas bzw. Afrikas.