Der Song der Spider Murphy Gang sollte bei einem Volksfest in Erlangen nicht gespielt werden. Daraufhin war die Sorge in München groß.
Sexistischer Song?Aufregung um „Skandal im Sperrbezirk“ – Wiesn-Chef beruhigt die Gemüter

Die Spider Murphy Gang im Jahr 1983.
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Dass sich der Blick auf Themen wie Rassismus und Sexismus in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert hat, ist nichts Neues. Immer wieder kommt es zu Konflikten, wenn Altbekanntes und Beliebtes in den Fokus der Kritik gerät und vermeintlich „verbannt“ werden soll. Das musste jüngst auch die Stadt Erlangen erfahren, als sie eine Liste von Songs veröffentlichte, die nach Möglichkeit nicht bei der bevorstehenden Bergkirchweih gespielt werden sollen.
Die Kommune hatte den Wirten den Verzicht auf zwölf Lieder nahegelegt, die in der Kritik stehen, sexistisch und frauenfeindlich zu sein. Von einem „Verbot“ konnte allerdings nicht die Rede sein. Der Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten beruhte auf einem Antrag von 2021, der von CSU, SPD, Grüne/GL, ErLi, Klimaliste und Freie Wähler gemeinsam gestellt und beschlossen wurde, schreiben die Grünen in Erlangen auf ihrer Facebook-Seite, um den Krtikern zu begegnen.
Ausgangspunkt für den Beschluss im Jahr 2021 war das „Donaulied“, in dessen Text Anspielungen auf eine mögliche Vergewaltigung gemacht werden. Nun weitete die Stadt die Liste aus. Unter den Songs sind Ballermann-Hits und Schlager, aber auch der Münchner Klassiker „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang.
Erwartungsgemäß gab es nach Bekanntwerden des Aufrufs einen Aufschrei der Empörung in den sozialen Medien. So echauffierte sich der Verein zum Erhalt bayerischer Wirtshauskultur, vom AfD-Landtagsabgeordneten Franz Bergmüller geleitet, über den Brief der Stadt an die Wirte. Von „Zensur“ war die Rede, es wurden Vergleiche zur DDR gezogen. Auch die FDP kritisierte die Initiative.
Besonders der Song der Spider Murphy Gang hatte zu Diskussionen geführt. Die Bergkirchweih in Erlangen läuft noch bis zum 1. Juni, aber es waren Auswirkungen auch auf die Münchner Wiesn befürchtet worden.
„Skandal im Sperrbezirk“ läuft auf Oktoberfest
Oktoberfestbesucher, die gerne „Skandal im Sperrbezirk“ hören, können nun aufatmen. Wiesn-Chef Christian Scharpf stellte auf Instagram klar, dass der Song „natürlich nicht verboten“ werde. „Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen. Das Lied ist ein Stück Münchner Musikgeschichte.“ In der „Abendzeitung“ betonte Spider Murphy Gang-Frontmann Günther Sigl, dass das Lied „in keinster Weise frauenfeindlich“ sei.
SPD-Politiker Scharpf erklärte, der Song setze sich „satirisch und obrigkeitskritisch mit dem strikten Vorgehen der Stadt München in den 80er Jahren bei Prostitution in der Innenstadt und in Wohnvierteln auseinander“. Der Song sei seit Jahrzehnten ein echter Kracher, der auf keiner Party fehlen dürfe, auch nicht auf der Wiesn. Scharpf ist Referent für Arbeit und Wirtschaft in München.
Der „Augsburger Allgemeine“ sagte Scharpf, er halte grundsätzlich nichts von „Verbotspolitik“. Bei den Liedern sei vieles „eine Frage des Geschmacks und des Niveaus“, so Scharpf weiter. Die Festwirtinnen und Festwirte hätten generell ein „gutes Händchen“ bei der Musikauswahl.
Sänger über das Lied: Sozialkritisch und ironisch
Spider-Murphy-Gang-Sänger Günther Sigl (79) sagte der Münchner „Abendzeitung“ weiter: „Es ist eine ewige Gschicht, dass der Song eigentlich missverstanden wird.“ Vielmehr zeige der Text sozialkritisch, wie es 1972, als der Sperrbezirk in München eingeführt wurde, war. „Die Stadt wollte sich für Olympia sauber präsentieren. Natürlich ist unser Text ein bisschen ironisch und stichelt gegen die Doppelmoral in der Stadt“, sagt Sigl. Das spiegle sich im ersten Satz des Songs: „In München steht ein Hofbräuhaus, doch Freudenhäuser müssen raus.“ Das Lied verherrliche Prostitution nicht.

Günther Sigl, Sänger und Bassist der Spider Murphy Gang im Jahr 2025
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Das 191. Oktoberfest findet vom 19. September bis 4. Oktober statt.
Oktoberfest 2022: „Layla“ wird nicht gespielt
Auf der Erlanger Liste stehen neben „Skandal im Sperrbezirk“ und dem „Donaulied“ auch Songs wie „Layla“ von DJ Robin & Schürze, „Nein heißt ja“ von G.G. Anderson, „Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona“ von 3 Besoffskis und „10 nackte Friseusen“ von Mickie Krause.
Im Jahr 2022 hatte es im Vorfeld des Oktoberfestes auch eine Diskussion um „Layla“ gegeben. Vor vier Jahren hatten die Wiesn-Wirte dann freiwillig entschieden, den Song nicht zu spielen. „Ich hab ′n Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler“, lautet der Refrain des Liedes.
Trotz der Kritik – und wohl eher genau wegen der Diskussionen – wurde „Layla“ dann zum offiziellen Sommerhit des Jahres gekürt. (mit dpa)
