„Timmy“ singt wieder! Der Buckelwal hat Deutschland verlassen und nimmt Kurs auf die Nordsee. Doch Experten warnen vor der Freilassung.
„Timmys letzte Chance“Wal-Transport verlässt Deutschland – Backhaus spricht von „Gesängen“

Der Wal liegt am Mittwochmorgen in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze (Aufnahme aus einem Flugzeug). Der aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Buckelwal wird in Richtung Nordsee transportiert.
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Die aufwendige Rettungsaktion für den Buckelwal „Timmy“ ist laut der „Bild“-Zeitung in ihre entscheidende Phase getreten. Nachdem das Tier wochenlang an der Ostseeküste festgesessen hatte, befindet sich der Schleppverband derzeit auf dem Weg in Richtung Nordsee. Am Mittwochnachmittag passierte das Transportschiff „Fortuna B“ mit dem in einer wassergefüllten Barge befindlichen Wal die dänische Halbinsel Albuen und hat damit die deutschen Hoheitsgewässer verlassen.
Positiver Zwischenbericht der Landesregierung
In einer Abschlusspressekonferenz in Wismar äußerte sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus am Mittag optimistisch über den Zustand des Meeressäugers. Laut Backhaus gehe es dem Tier in dem Spezialbehälter sehr gut; Berichten zufolge soll der Wal in der Nacht sogar Gesänge von sich gegeben haben. Der Minister betonte, dass der Transport die letzte verbleibende Chance für das Überleben des Tieres gewesen sei.
Trotz anfänglicher Differenzen zwischen den Behörden und der privaten Rettungsinitiative lobte Backhaus die schlussendliche Zusammenarbeit. Man habe sich in der Sache gestritten, aber gemeinsam Lösungen gefunden. Als Konsequenz aus dem Fall forderte der Minister den Aufbau eines festen Expertenpools und klar definierter Einsatzstandards für künftige Walstrandungen.
Details zum Transportverlauf
Der Verband bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 4,3 Knoten durch den Fehmarnbelt, ein Gebiet mit besonders hohem Verkehrsaufkommen durch Frachtschiffe und Fähren. Um das Tier vor Umwelteinflüssen zu schützen, wurden über der Barge spezielle Sonnensegel gespannt, die Hautschäden durch direkte Sonneneinstrahlung verhindern sollen.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus äußert sich in einer Presseerklärung zur Rettung des Buckelwals „Timmy“, der nach einer dramatischen Odyssee entlang der Ostseeküste und mehreren vergeblichen Befreiungsversuchen nun durch eine private Initiative in seinen natürlichen Lebensraum im Atlantik zurückgeführt werden soll.
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Constanze von der Meden, Anwältin der beteiligten Wal-Initiative, erklärte, dass der Wal die psychische Belastung des Transports bislang gut verkraftet habe. Nachdem die Zugbewegung in die Barge zunächst Stress ausgelöst hatte, habe sich das Tier laut tierärztlicher Einschätzung inzwischen in eine ruhige Position begeben. Ein neuer Tracker zur Positionsbestimmung soll in Kürze angebracht werden.
Experten mahnen zur Vorsicht
Trotz der Euphorie über den geglückten Start des Transports äußern Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund Bedenken hinsichtlich der geplanten Freilassung. Sie warnen davor, den Wal im offenen Meer auszusetzen, da die Gefahr des Ertrinkens bestehe, sofern das Tier nicht aus eigener Kraft schwimmen und fressen könne.

Das Schleppschiff Robin Hood (r) schleppt die Barge am Dienstagabend in die Ostsee Richtung Fehmarn.
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Die Initiative plant dennoch, den Wal nach der mehrtägigen Reise um die Nordspitze Dänemarks herum im Skagerrak in die Freiheit zu entlassen. Sollte der Zustand von „Timmy“ eine sofortige Auswilderung nicht zulassen, sieht das Ministerium als „Plan B“ die Unterbringung in einer Wal-Auffangstation vor.
In den sozialen Netzwerken löst das Schicksal des Buckelwals weiterhin enorme Anteilnahme aus. Während der Transport fortgesetzt wird, hoffen die Helfer, dass das Tier in etwa zwei Tagen die Nordsee erreichen wird.
