Hunde-Tracker für einen Wal? Minister Backhaus rechnet nach „Timmy“-Rettung mit Privat-Initiative ab. Wo sind die versprochenen Daten?
Wal „Timmy“ in Freiheit?Minister Backhaus erhebt schwere Vorwürfe und verteidigt sich

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, r) geht durch das Wasser zum gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel. (Archivbild vom 26. April 2026)
Copyright: Jens Büttner/dpa
Die Rettung des Buckelwals „Timmy“ sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zieht im Gespräch eine durchwachsene Bilanz der Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Privatinitiative. Zwar steht der Erfolg der Freilassung im Vordergrund, doch hinter den Kulissen gab es offenbar erhebliche Abspracheprobleme. Darüber berichtet die „Bild“-Zeitung.
Till Backhaus spricht von gebrochenen Vereinbarungen
Laut Backhaus waren für die Mission drei zentrale Bedingungen festgeschrieben worden: eine lückenlose Videoüberwachung, die Übermittlung sämtlicher Tracker-Daten sowie ein abschließendes tierärztliches Gutachten nach der Freilassung.

Till Backhaus (SPD), Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, informiert auf einer Pressekonferenz über den möglichen weiteren Ablauf der Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel. (Archivbild vom 29. April 2026)
Copyright: Bernd Wüstneck/dpa
Die Bilanz des Ministers fällt ernüchternd aus: Bis heute lägen dem Ministerium keine dieser Informationen vor. Eine Kamera sei entgegen der Abmachung offenbar gar nicht erst installiert worden, da das System laut Angaben der Initiative nicht funktionierte.
Rätselraten um die Technik
Besonders die Überwachung des Tieres nach der Entlassung in die vermeintliche Freiheit wirft kritische Fragen auf. Nachdem zunächst ein Tracker verwendet wurde, der laut Backhaus eher für Hunde geeignet gewesen wäre, mussten Helfer nachträglich ein leistungsfähigeres System aus den USA einfliegen.

Eine Helferin bespritzt am Abend den Buckelwal vor der Insel Poel und ist im Gegenlicht zu sehen. (Archivbild vom 24. April 2026)
Copyright: Jens Büttner/dpa
Warum dieses erst verspätet zum Einsatz kam, bleibt unklar. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung: Die Initiatorin Karin Walter-Mommert bestätigte dem Minister regelmäßige Signale, was darauf hindeutet, dass der Wal lebt.
Zwischen Anerkennung und Prüfung
Trotz der Kritik an der Professionalität und der mangelhaften Kommunikation verteidigt Backhaus das unbürokratische Vorgehen. Er betont, dass die Initiative die hohen Kosten der Rettung allein getragen habe, während das Land keine finanziellen Mittel beisteuerte. „Diese Truppe hatte ein Ziel, nämlich dem Tier zu helfen. Das erkenne ich an“, so Backhaus.

Der Buckelwal wird in seiner Barge vom Schlepper Fortuna B entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug). (Archivbild vom 1. Mai 2026)
Copyright: Christoph Reichwein/dpa
Ob die einzelnen Maßnahmen fachlich korrekt waren, soll nun in Ruhe bewertet werden. Für den Minister bleibt die Aktion auch ein persönliches Anliegen. „Ich bin Tierliebhaber. Und ich habe diesen Wal in mein Herz und meinen Verstand aufgenommen.“ Und weiter: „Mir persönlich ging es immer um den Wal und nicht um Publicity oder Geld.“
Nun wartet das Ministerium auf die zugesagten Daten der Geldgeberin Walter-Mommert, um das Schicksal von „Timmy“ lückenlos dokumentieren zu können.
