Warum die aktuelle Funkstille um Wal „Timmy“ für einen Experten kein Grund zur Entwarnung, sondern Alarm ist.
„Ganz große Alarmzeichen“Was jetzt bei Wal „Timmy“ auf keinen Fall passieren darf – Experte warnt

Der Buckelwal wird am 1. Mai 2026 in seiner Barge vom Schlepper Fortuna B entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug).
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In einem Video-Beitrag von „Bild.de“ vom Montagmorgen (4. Mai 2026) ordnen Meeresbiologe und Autor Fabian Ritter (Buch „Wir Wale“) und Reporter Michael Engelberg die dramatische Rettungsaktion um den Wal „Timmy“ ein. Während die Öffentlichkeit auf ein Wunder hofft, zeichnet der Experte ein deutlich düstereres Bild der Lage.
Seitdem der Kontakt zum Peilsender des Tieres erneut abgerissen ist, herrscht eine gefährliche Informationslücke. Laut dem Wal-Experten Fabian Ritter ist diese Funkstille alles andere als beruhigend. Ohne die GPS-Daten lasse sich kaum beurteilen, ob der Wal den Weg in tieferes Wasser gefunden hat oder entkräftet in der Strömung treibt.
Wal-Experte: „Zickzackbewegungen wären ganz große Alarmzeichen“

Der Buckelwal wird vergangene Woche in seiner Barge vom Schlepper Fortuna B entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug).
Copyright: Christoph Reichwein/dpa
Ritter erklärt im Interview präzise, worauf die Beobachterinnen und Beobachter nun achten müssen, denn sollte das Tier wieder gesichtet werden, entscheidet sein Kurs über Leben und Tod. Während ein geradliniger Weg auf eine erfolgreiche Orientierung hindeutet, wären unkontrollierte Zickzackbewegungen für ihn „ganz große Alarmzeichen“ – das ultimative Warnsignal für einen neurologischen oder physischen Zusammenbruch.
Gefahr durch die „aufgeweichte“ Haut

Dieses von der Rettungsinitiative bereitgestellte Foto zeigt die Helfer, die den Buckelwal in der vergangenen Woche auf einem gefluteten Lastschiff auf See begleiteten.
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Ein weiteres Problem stellt der lange Aufenthalt in der salzarmen Ostsee dar. Ritter weist darauf hin, dass die Haut des Wals bereits sichtbare Schäden in Form von hellen Blasen aufweist. Die Süßwasser-Exposition in küstennahen Bereichen hat das Tier buchstäblich aufgeweicht, was es anfälliger für Infektionen macht. Die Zeit in der Nordsee muss nun schnell zur Erholung genutzt werden, doch dafür benötigt der Wal Ruhe und Nahrung – beides ist in den befahrenen Schifffahrtswegen Mangelware.
Zusätzlich zur physischen Entkräftung kämpft das Tier mit massiven Orientierungsschwierigkeiten. Ritter verdeutlicht im Gespräch, dass Schall für den Wal das lebenswichtige Primärorgan zur Navigation ist. In den flachen, lärmbelasteten Küstengebieten verliert dieses System jedoch seine Wirkung.
Kritik an der Rettungsstrategie
Der Experte beschreibt die Situation fast wie einen „akustischen Nebel“: Der Lärm der Schifffahrt und die ungünstigen Bodenverhältnisse schlucken oder verzerren die Echolokation des Tieres. Ohne diese akustische Führung droht der Wal, den rettenden Weg in die Tiefsee endgültig zu verfehlen, selbst wenn er sich bereits in der Nordsee befindet.
Trotz der logistischen Leistung der Helfer bleibt Ritter skeptisch. Er mahnt, dass das „Verbringen“ des Tieres in ein neues Gebiet zwar ein notwendiger Schritt war, aber noch keine Rettung darstellt. Das Risiko, dass der Wal durch den Stress der Aktion und die mangelnde Orientierung erneut strandet, bleibt hochgradig bestehen. Die kommenden Stunden werden zeigen, ob „Timmy“ die Kraft besitzt, dem drohenden Schicksal zu entkommen. „Der Wal hat uns immer wieder überrascht“, gibt Ritter zu. „Es bleibt spannend.“
