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Toter Wal in der OstseeExperten identifizieren „Timmy“ plötzlich als Weibchen

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Ein toter Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt.

Ein toter Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt. Es handelt sich um den als „Timmy“ oder „Hope“ bekannten Buckelwal, der Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet war und rund einen Monat später in die Nordsee transportiert wurde. (Bild vom 17. Mai 2026)

Paukenschlag an der Ostsee: Der tote Buckelwal ist identifiziert. Entgegen ersten Experten-Berichten handelt es sich um ein Weibchen.

Der vor der dänischen Insel Anholt treibende Kadaver des Buckelwals ist zweifelsfrei als das Tier identifiziert worden, das Anfang Mai in der Nordsee in die Freiheit entlassen worden war. Entgegen ersten Annahmen handelt es sich bei dem Meeressäuger jedoch nicht um ein männliches Tier. Das berichtet unter anderem die „Bild“-Zeitung, die auch ein Bild vom Genitalbereich des Wales veröffentlichte.

Kadaver des Buckelwals als weiblich identifiziert

Seit mehr als einer Woche liegt der tote Buckelwal, der in den vergangenen Wochen unter dem Namen „Timmy“ bekannt geworden war, vor der kleinen dänischen Insel Anholt in der Ostsee. Zwischenzeitlich kursierten auch die Namen „Hope“ (Englisch für „Hoffnung“) und „Fridolin“. Ein gefundener Peilsender und ein Abgleich von Fotografien der Schwanzflosse bestätigen inzwischen die Identität des Tieres. Es war am 2. Mai nach einer Rettungsaktion in die Nordsee entlassen worden, verendete jedoch kurz darauf.

Tierärztin Anne Herrschaft steht am Ufer unweit vom toten Buckelwal, der vor der dänischen Insel Anholt liegt.

Tierärztin Anne Herrschaft steht am Ufer unweit vom toten Buckelwal, der vor der dänischen Insel Anholt liegt. (Bild vom 17. Mai 2026)

Bisher ging die beteiligte private Rettungsinitiative davon aus, dass es sich bei dem Wal um ein Männchen handelt. Diese Einschätzung wurde unter anderem vom mecklenburg-vorpommerschen Umweltminister Till Backhaus auf einer Pressekonferenz geteilt, der sich dabei auf den US-amerikanischen Experten Jeffrey Foster berief. Bei den vorangegangenen Strandungen des Tieres in Niendorf (Schleswig-Holstein) und vor der Insel Poel (Mecklenburg-Vorpommern) hatte der Genitalbereich des Wals unter Wasser gelegen, was eine sichere Bestimmung erschwerte.

Untersuchung im seichten Wasser: Genitalbereich liefert Gewissheit

Nach einer detaillierten Analyse neuer Bildaufnahmen korrigieren Wissenschaftler diese Annahme nun. Da der Kadaver des Tieres auf dem Rücken im seichten Wasser liegt, ist der Geschlechtsbereich erstmals vollständig einsehbar.

Vor der dänischen Insel Anholt liegt der verendete Buckelwal „Timmy“.

Vor der dänischen Insel Anholt liegt der verendete Buckelwal „Timmy“ oder „Hope“, der regelmäßig von Möwen besucht wird, die sich an ihm gütlich tun. (Bild vom 15. April 2026)

Der Meeresbiologe Fabian Ritter, wissenschaftlicher Leiter des Walschutzvereins M.E.E.R., erklärt dazu, dass auf den Fotografien die sogenannten Milchdrüsenspalten deutlich zu erkennen seien. Diese liegen bei weiblichen Walen unmittelbar neben der Geschlechtsöffnung und verbergen die Zitzen für die Aufzucht der Jungtiere. Das Vorhandensein dieser Spalten beweise, dass es sich um ein weibliches Tier handelt.

Auch die vermeintlichen Gesänge, die das Tier während der Rettungsaktionen von sich gab, ordnen die Experten neu ein. Während der charakteristische Walgesang primär von männlichen Tieren zur Paarungszeit praktiziert wird, handelte es sich bei den Lauten des gestrandeten Tieres laut Ritter um reine Vokalisierungen, die als Klagerufe in einer Stresssituation zu deuten sind.