Herr Hein, Sie erleben am Samstag beim Weidenpescher Saisonfinale Ihren letzten Renntag als Geschäftsführer des Kölner Renn-Vereins. Mit welchen Gefühlen?Es ist eine besondere Woche, weil viele Abläufe zum letzten Mal stattfinden: die Starterangabe, die Arbeit am Rennprogramm, das Durchgehen der Checklisten. Andererseits konnte ich mich drei Monate darauf einstellen. Ich freue mich darauf, noch einmal die Atmosphäre aufzusaugen. Und ich freue mich auch auf das letzte Rennen und die Zeit danach.
Sie gehen auf eigenen Wunsch, wie Sie schon im Sommer mitteilten. Was sind die Gründe?Ich hatte hier elf wundervolle Jahre. Aber ich habe gespürt, dass ich offen für andere Themen bin, mit denen ich mich in der nächsten Dekade beschäftigen möchte. Noch weiß ich nicht, was es sein wird. Der Betrieb einer Rennbahn ist sehr speziell und verlangt einem viel ab. Mir war wichtig, meine Entscheidung frühzeitig bekannt zu geben, damit eine geordnete Übergabe möglich ist. Ich möchte hier auf der Rennbahn auch künftig mit offenen Armen empfangen werden.
Was machte den Job so kräftezehrend?Von außen sehen die meisten zehn oder elf Renntage. Der Betrieb läuft aber an 365 Tagen im Jahr. Wir betreuen ein Areal von 56 Hektar mit mehr als 350 Pferden. Insgesamt arbeiten hier täglich knapp 150 Menschen. Da ist immer etwas los, im Sommer wie im Winter, montags wie sonntags.
Sie haben mit Ende 20 angefangen, werden im nächsten Jahr 40. Benötigt man für diesen Posten jugendlichen Enthusiasmus?Mich hat das in den ersten Jahren sehr getragen: Man bekommt als junger Mensch eine verantwortungsvolle Position und eine Chance. Dafür wirft man alles in die Waagschale. Mein Nachfolger Sören Braun, der im selben Alter ist wie ich damals, wird sicher ähnlich motiviert sein, aber auch andere Dinge ausprobieren. Nicht alles, was unter meiner Regie passiert ist, muss Gold gewesen sein.
Was geben Sie ihm mit?Köln ist ein wichtiger Standort für den Galopprennsport. Trotzdem sollte man realistisch bleiben. Wenn es gelingt, den Renn-Verein und die Rennbahn immer wieder ins nächste Jahr zu bringen, ist das eine Menge wert. Das Gesamtgebilde war vor elf Jahren fragil und ist es noch heute. Wir haben trotz Corona und gestiegener Energiepreise viel bewegt und eine bessere Basis für den Standort Köln geschaffen. Die grundlegenden Probleme des Sports kann der Geschäftsführer der Köln Rennbahn aber nicht allein lösen.
Welche meinen Sie?Der Bestand an Pferden im Training in Deutschland geht zurück. Die Kosten sind immens gestiegen. Ich glaube, allein die Tierarztkosten haben sich gegenüber der Zeit vor fünf Jahren ungefähr verdreifacht. In einer wirtschaftlich angespannten Lage überlegen kleinere Besitzer genau, ob sie sich das noch leisten können. Manche steigen aus. Hier müssen der Dachverband, die Rennvereine und die anderen Beteiligten gemeinsam Konzepte entwickeln, um gegenzusteuern.
Worauf sind Sie beim Blick auf Ihre Amtszeit besonders stolz?Mein Ziel war es, das Publikum an Renntagen deutlich zu verjüngen und den Standort ganzjährig zu bespielen. Ein wichtiges Standbein ist die Öffnung für andere Großveranstaltungen geworden. Das hilft wirtschaftlich und bringt neue Besucher auf die Anlage. Auch die gastronomische Neuausrichtung mit Früh ist ein Anziehungspunkt. Wir haben in die Trainingsinfrastruktur investiert und zwei große Bauabschnitte an der denkmalgeschützten Haupttribüne umgesetzt.
Im Mittelpunkt des Saisonfinales steht das Silberne Pferd, ein Gruppe-3-Rennen über 3000 Meter. Wer ist Ihr Favorit?Der Favorit heißt Lordano. Er hat die großen Rennen in Köln in den vergangenen Jahren mitgeprägt und könnte das Silberne Pferd zum dritten Mal gewinnen. Für eine Überraschung könnte Amico sorgen, ein Außenseiter mit Chancen aus dem Stall von Henk Grewe, geritten von Thore Hammer-Hansen. Über einen Kölner Sieg zum Abschluss würde ich mich sehr freuen.
Was wünschen Sie sich sonst für Ihren letzten Renntag?Vor allem, dass alle gesund zurückkommen und wir einen fröhlichen, sonnigen Renntag erleben. An einem solchen Tag sind zwischen 250 und 300 Menschen für den Rennverein tätig. Ich möchte möglichst jedem noch einmal die Hand geben und mich bedanken. Manche sind viel länger dabei als ich. Zum letzten Rennen möchte ich dann mit Freunden und meiner Familie zusammenstehen, vielleicht mit einem Kölsch in der Hand, noch einmal den Rennkommentator hören und einen letzten Sieger vom Kölner Geläuf begleiten.
Nach dem Renntag bleiben Sie noch bis Ende Januar Geschäftsführer. Was steht bis dahin an?Dann beginnt die eigentliche Einarbeitung meines Nachfolgers. Meine Kiste mit den sieben Sachen aus dem Büro ist noch nicht gepackt.
Gibt es zumindest grobe Pläne für die berufliche Zukunft?Da ist noch nichts entschieden. Nach dem Saisonfinale werde ich im Kopf und im Kalender mehr Kapazität haben, um mich damit zu beschäftigen. Ich nehme mir lieber eine Woche länger Zeit, um sicher zu sein, dass ich für das nächste berufliche Rennen auf dem richtigen Pferd sitze. Dem Thema Pferde gönne ich aber erst einmal eine Pause. Ob es wieder etwas mit Sport wird, ist auch offen. Gern würde ich in der Region bleiben. Köln ist meine Heimatstadt geworden.
