Immer mehr Podcasts gibt es auch als Video. Formate wie „Gemischtes Hack“ zeigen, warum der Trend so erfolgreich ist.
Das Auge hört mitWarum Podcasts wie „Gemischtes Hack“ jetzt auch Videos sind

«Take Me Späti»-Moderatorin Sara Arslan sahnte beim Deutschen Podcast Award ab.
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Immer mehr Audio-Formate gibt es auch mit Bild. Sendungen wie „Gemischtes Hack“ zeigen, wie der Trend funktioniert und warum er so erfolgreich ist.
Der Ausdruck „Gemischtes Hack“ ruft bei vielen die Assoziation mit der Fleischzubereitung aus Rind- und Schweinefleisch hervor. Kenner der Medienszene wissen jedoch, dass sich dahinter der erfolgreichste deutsche Podcast verbirgt. Dieser wurde 2017 ins Leben gerufen und vor eineinhalb Jahren einer Aktualisierung unterzogen, sodass Anhänger den Moderatoren Felix Lobrecht und Tommi Schmitt nicht nur akustisch folgen, sondern sie auch visuell wahrnehmen können.
In dem kompakten Sendestudio in Berlin sind ständig Kameras in Betrieb, die Mimik, Gestik und sogar das Auspacken von Weihnachtsgeschenken festhalten. Als eine Verbindung von Podcast und traditionellem Fernsehen symbolisiert „Gemischtes Hack“ einen allgemeinen Trend.
Zunehmend werden für das Gehör produzierte Formate ebenfalls in Videoform veröffentlicht. Diese Entwicklung hat sich von einem früheren Zusatznutzen zu einer eigenständigen Strömung gewandelt. Insbesondere Plattformen wie YouTube beschleunigen diesen Wandel. Visuelle Umsetzungen können akustische Inhalte durch Elemente wie Körpersprache, grafische Einblendungen oder Schaubilder veranschaulichen, wodurch Unterhaltungen häufig dynamischer und nachvollziehbarer werden.

Senna Gammour und Bahar Kizil sind in ihrem Podcast zu hören - und zu sehen.
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„Du siehst die Mimik und Gestik im Bild. Das ist einfach schön zu sehen. Das ist wie gutes Fernsehen, so wie es einst mal war“, äußert Senna Gammour. Die 46-Jährige, in den 2000er-Jahren Teil der Mädchenband Monrose („Hot Summer“), moderiert gemeinsam mit ihrer früheren Bandgefährtin Bahar Kizil den Podcast „Recall“, der selbstverständlich ebenfalls als Video verfügbar ist.
Hintergründe des Video-Podcast-Trends
Eine Ursache für diese Strömung liegt in einem gewandelten Rezeptionsverhalten. Zahlreiche Hörer sehen Podcasts nicht mehr ausschließlich als Audioprodukt, sondern möchten flexibel zwischen den Formaten wählen können. Laut einer Erhebung des amerikanischen Marktforschungsunternehmens MRI-Simmons betrachten 75 Prozent der Podcast-Hörer die Videoversion als eine Ergänzung. Auch Personen, die Video-Podcasts favorisieren, konsumieren weiterhin die traditionelle Audiofassung.
Ähnlich wie Streaming-Anbieter wie Netflix, die den Nutzern größtmögliche Entscheidungsfreiheit einräumen, funktioniert es auch bei hybriden Podcasts: Personen mit verfügbarer Zeit, etwa im Zug oder daheim, greifen zur visuellen Version. Wer sich hingegen im Fitnesscenter oder im Fahrzeug aufhält, bevorzugt die reine Audio-Spur.
Als weiteres Beispiel dient „Take Me Späti“, das vor Kurzem beim ersten Deutschen Podcast Award zweifach prämiert wurde und derzeit zu den angesagtesten Video-Podcasts der jungen Zielgruppe zählt. In der Kulisse eines Berliner Spätis unterhält sich die Content-Erstellerin Sara Arslan mit bekannten Persönlichkeiten wie dem Rapper Cro oder dem Sänger Mark Forster.
Die Sendung orientiert sich an einer britischen YouTube-Serie. Bei „Chicken Shop Date“ konfrontiert die Moderatorin Amelia Dimoldenberg seit 2014 Berühmtheiten wie Cher, Ed Sheeran oder Billie Eilish vor eingeschalteter Kamera mit teilweise unbequemen und indiskreten Fragen. Vor Kurzem war Paul McCartney in der Sendung zu Gast.
„Take Me Späti“: Soziale Medien als Reichweitenmotor
Die visuelle Interaktion ist auch bei „Take Me Späti“ ein zentrales Element. Arslan, Mitte 20, schenkt ihren Gästen ein charmantes Lächeln, verdreht die Augen oder macht sich fortwährend Notizen mit einem Plüschstift in einem rosa Plüschheft. Solche Einzelheiten gehen in der reinen Audiofassung unter.
„Mein eigener Podcast lebt ja von der Mimik, den kann man sich sehr gut auch einfach nur angucken“, erklärte die aus Hamburg stammende Arslan der dpa am Rande des Deutschen Podcast Awards. Die Folge mit Mark Forster wurde seit Mitte März auf Spotify von über 700.000 Personen gehört und gesehen, zusätzlich verzeichnete sie auf YouTube mehr als 400.000 Aufrufe.
Darüber hinaus eröffnet sich für die Produzenten ein weiterer Verwertungskanal: Es ist ihnen möglich, ganze Episoden, Höhepunkte und kurze Ausschnitte für diverse Plattformen wie Instagram und TikTok zu bearbeiten. Ein humorvoller Clip aus „Take Me Späti“ mit dem ehemaligen Frankfurter Türsteher und Unterhaltungskünstler Mo Douzi erhielt auf Instagram mehr als 650.000 Likes und wurde entsprechend oft geteilt.
Das Erreichen eines viralen Erfolgs mit millionenfacher Verbreitung in sozialen Medien sei heute von entscheidender Bedeutung, betont Arslan. Zustimmung erhält sie von Tobias Schiwek, dem Geschäftsführer des Medienunternehmens We Are Era, welches den Deutschen Podcast Award ausrichtete.
Entwicklung vom Inhalt zur Marke
„Wenn du Themen gesellschaftlich setzen oder aufgreifen möchtest, dann reicht eine Plattform und Darreichungsform heutzutage kaum aus. Wenn du auf einer Plattform und in einem Genre stattfindest, ist es wahrscheinlich Content. Wenn du über mehrere Plattformen gehst, ist es erst wirklich eine Marke und ein Format.“
Die Vorschlagsalgorithmen von Plattformen wie TikTok führen dazu, dass zahlreiche Nutzer überhaupt erst auf einen Podcast stoßen. In der Folge sehen oder hören sie sich ganze Episoden an und abonnieren das Format idealerweise.
Jedoch gestaltet die Videoproduktion den Herstellungsprozess kostspieliger und komplexer. Sie benötigt in der Regel einen höheren Aufwand an Technik, Beleuchtung, Bearbeitung und Zeit im Vergleich zu reinen Audio-Produktionen. Ferner besteht die Gefahr, dass ein Gespräch durch die Anwesenheit von Kameras mehr auf die Inszenierung als auf den Inhalt ausgerichtet wird, wie es im traditionellen Fernsehen häufig der Fall ist.
Die zunehmende Verschmelzung von TV und Podcast
Wie stark die beiden Mediengattungen inzwischen konvergieren, verdeutlicht der Umstand, dass eine wachsende Zahl von Fernsehsendungen auch als Podcast zum nachträglichen Anhören verfügbar ist. Dazu zählen beispielsweise der „ARD Presseclub“, der „Doppelpass“ von Sport1 sowie „Maischberger“ oder „Pinar Atalay“ bei RTL.

Pinar Atalay: Ihre TV-Sendung gibt es auch zum Nachhören als Podcast.
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„Ich glaube in der Tat, dass das immer mehr verschwimmt. Dennoch glaube ich noch an das gute alte Fernsehen“, äußerte Atalay gegenüber der dpa. „Ich kenne ganz viele, die sich abends hinsetzen, die Fernbedienung in die Hand nehmen und man auch mal berieselt werden will. Das wird, glaube ich, nicht so ganz schnell weggehen.“
Gleichwohl kann sich die jüngere Generation vor dem Bildschirm ebenso von der aktuellsten Folge von „Take Me Späti“ unterhalten lassen. Laut Moderatorin Arslan könnte dieses Format auch im linearen Fernsehen erfolgreich sein.
ProSieben unternahm jedoch schon 2020 den Versuch, Video-Podcasts wie „Baywatch Berlin“ und „Alle Wege führen nach Ruhm“ mit den bekannten Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt im Spätprogramm des Fernsehens zu zeigen. Dieses Experiment war allerdings rasch erfolglos. Möglicherweise ist es sechs Jahre danach an der Zeit für eine erneute Initiative. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
