Fritz Pleitgen über seine Erkrankung„Der Krebs schleicht sich an wie ein Partisan“

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Fritz Pleitgen 

Köln – „Ich kann mit meinem Leben, so wie es abgelaufen ist, zufrieden sein” – diesen Satz sagte Fritz Pleitgen, langjähriger WDR-Intendant, im Dezember 2021 im Podcast-Interview mit „Kölner Stadt-Anzeiger”-Kulturchefin Anne Burgmer. An diesem Freitag ist Pleitgen, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, 84-jährig in Köln verstorben, wie der WDR bekanntgab. „Ein großer Kapitän verlässt nun die Bühne des Lebens“, sagte WDR-Intendant und ARD-Vorsitzender Tom Buhrow.

Fritz Pleitgen hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen geprägt wie wenige andere. Er berichtete in der Zeit des Kalten Krieges als Korrespondent aus Moskau. Die Arbeit unter Zensurbedingungen in der damaligen Sowjetunion war anstrengend, aber Pleitgen warb immer auch um Verständnis: „Die Menschen in Russland sehnten sich so wie die Menschen im Westen nach Frieden.“

Später berichtete er unter schwierigen Bedingungen aus Ost-Berlin. Der anschließende Wechsel von der DDR nach Washington war ein Kulturschock, den er aber sehr genoss.

Als Chefredakteur Fernsehen und Intendant prägte er danach den WDR. Im „Kölner Stadt-Anzeiger“-Podcast „Talk mit K“ erzählte er im Gespräch mit Moderatorin Anne Burgmer von seiner Kindheit im Krieg und seiner Arbeit als Korrespondent und Intendant. Und er erzählte von seinem eigenen siebenteiligen Podcast, den er für den WDR produziert hat. „Ohne eine kritische Presse gibt es eine prosperierende Demokratie“, zog er Bilanz und nannte es Wahnsinn, wenn Menschen auf Demos „Lügenpresse“ skandieren.


Der Podcast „Talk mit K“

Das ausführliche Gespräch mit Fritz Pleitgen können Sie hier oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify oder Deezer hören. Suchen Sie dort dazu nach „Talk mit K“ oder „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Unter anderem finden Sie dort auch Interviews mit Carolin Kebekus, Alexander Gerst, Karl Lauterbach und vielen interessanten Kölner Corona-Expertinnen und -Experten.

Wenn Sie dem Podcast folgen, verpassen Sie keine der künftigen Ausgaben.

Eine Übersicht aller Podcasts des Kölner Stadt-Anzeiger gibt es hier.


Mit einem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz hatte Pleitgen, der auch selbst SPD-Mitglied war, nicht gerechnet. „Der kam ja wie Kai aus der Kiste.“ Aber nachdem er ihn in diversen Talkshows gesehen hatte, kam er zu dem Urteil: „Der gefällt mir mit seiner drögen, sachlichen Art sehr gut. Er hat nichts Charismatisches vorgespielt, so dass ich sehr zuversichtlich bin, dass er seine Aufgabe als Kanzler gut erfüllen wird.“

In diesem Jahr machte Pleitgen, der lange Präsident der Deutschen Krebshilfe war, seine eigene Krebserkrankung öffentlich. „Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist deshalb so gefährlich, weil er sich wie ein Partisan anschleicht“, sagt er. Er hoffte, dass die Aufklärungsarbeit, die er leistete, Menschen mit ähnlichen Symptomen dazu bringt, frühzeitig zum Arzt zu gehen.

„Ich kann mit meinem Leben, so wie es abgelaufen ist, zufrieden sein“, sagte Pleitgen, der sich keinesfalls Mitleid erhofft, sondern an die Schicksale anderer Menschen, etwa der Flutopfer, erinnert. 

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