Mieten klettern seit Jahren drastisch. Selbst die Mietpreisbremse greift kaum. Warum Experten von einer Explosion sprechen.
43 Prozent teurerMieten in Großstädten steigen drastisch – Kritik an Preisbremse wächst

Ein Mietvertrag für Wohnräume liegt zusammen mit Wohnungsschlüsseln auf einem Tisch. Binnen zehn Jahren sind Mieten in Großstädten um 43 Prozent gestiegen.
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Wer in deutschen Großstädten eine neue Wohnung sucht, zahlt heute deutlich mehr als noch vor einem Jahrzehnt – im Schnitt 43 Prozent. Das zeigen neue Zahlen aus dem Bauministerium, die auf eine Anfrage der Linken zurückgehen. Besonders drastisch ist die Entwicklung in Berlin: Dort sind die Angebotsmieten seit 2016 um 69 Prozent gestiegen – so stark wie in keiner anderen Metropole.
Grundlage der Daten sind Kaltmieten für Wohnungen, die online inseriert wurden. In der Hauptstadt kletterte der Quadratmeterpreis in diesem Segment von 9,02 Euro auf zuletzt 15,25 Euro. Auch andere Städte verzeichnen kräftige Anstiege: Leipzig liegt mit 67 Prozent Zuwachs knapp hinter Berlin, Bremen und Duisburg folgen mit jeweils 46 Prozent. In Essen und Düsseldorf stiegen die Mieten um 43 Prozent, in Hamburg um 42 Prozent.
Mieten steigen rasant: Großstädte werden für viele unbezahlbar
Während München beim Anstieg unter dem Durchschnitt bleibt, zeigt sich dort ein anderes Problem: das ohnehin hohe Preisniveau. Mit 21,29 Euro pro Quadratmeter bei Neuvermietungen im Jahr 2025 ist die bayerische Landeshauptstadt weiterhin Spitzenreiter. Auch Frankfurt am Main und Stuttgart liegen mit über 16 Euro pro Quadratmeter auf hohem Niveau.
Das Bauministerium schränkt jedoch ein, dass Online-Inserate nur einen Teil des Marktes abbilden. „Die Angebotsmieten im Internet inserierter Wohnungen sind nicht repräsentativ für das gesamte Wohnungsangebot von Neuvermietungen“, heißt es. Günstigere Angebote könnten etwa über Wartelisten oder direkte Vermittlungen zustande kommen.
Die Linke wirbt für einen bundesweiten Mietendeckel
Für die Linke sind die Zahlen dennoch ein deutliches Signal. Die wohnungspolitische Sprecherin Caren Lay spricht von einer „Mietpreisexplosion“ und sieht politisches Versagen. Die Mietpreisbremse könne „im Einzelfall wirken“, reiche aber nicht aus, um den Anstieg zu stoppen. Ausnahmen wie möblierte Vermietungen oder Kurzzeitangebote würden das Instrument zusätzlich schwächen.
Die Partei fordert deshalb seit Jahren einen bundesweiten Mietendeckel, der deutlich strenger eingreifen würde. Außerdem solle konsequenter gegen Mietwucher vorgegangen werden – also gegen Preise, die weit über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. (sbo/dpa)


