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3,6 Millionen Euro im MonatLinke prangert Mietwucher in Köln an – Stadt verweist auf rechtliche Hürden

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Altbauten in der Merowingerstraße in der Südstadt: Das Wohnungsproblem ist groß in Köln.

Altbauten in der Merowingerstraße in der Südstadt: Das Wohnungsproblem ist groß in Köln.

70 Prozent Verdacht auf Mietwucher, Millionenverlust für Mieter: Die Zahlen für Köln sind drastisch. Doch wie handlungsfähig ist die Stadt wirklich?

Die Linke Köln schlägt angesichts neuer Zahlen zur eigenen Mietwucher-App Alarm. Zwischen dem 31. Oktober 2024 und dem 12. Januar 2026 wurden demnach mehr als 22.000 Kölner Mieten überprüft – mit einem ernüchternden Ergebnis. „Bei 70 Prozent aller geprüften Fälle liegt ein Verdacht auf Mietwucher vor“, erklärt die Partei. Jeder dritte Fall deute sogar auf besonders schweren Mietwucher hin, bei dem die Miete mehr als 50 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liege.

Nach Berechnungen der Linken kostet diese „systematische Überziehung“ die Betroffenen monatlich fast 3,6 Millionen Euro. Rund 15.500 Mieterinnen und Mieter würden durch illegale Wuchermieten „abgezockt“.

„Ich hab schon mit viel gerechnet, aber das ist einfach komplett irre“, sagt die Kölner Bundestagsabgeordnete Lea Reisner in einem Video-Beitrag auf Instagram. Der Vorwurf an die Stadt ist deutlich: „Die Stadt Köln schaut zu. Das muss enden“, heißt es im Begleittext. Die Forderung: konsequentes Vorgehen und ein wirksamer Mietendeckel.

Viele Hinweise, kaum Verfahren: Warum hohe Mieten allein nicht ausreichen

Ganz so einfach ist die Lage jedoch nicht. Ein Blick auf die städtische Praxis zeigt, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und rechtlicher Realität ist. Zwar beschloss der Kölner Rat im Juli 2025 unter dem Titel „Mieten runter!“ schärfere Maßnahmen gegen Mietpreisüberhöhung und Mietwucher. Doch die Umsetzung stößt offenbar an Grenzen.

528 Hinweise auf mögliche Mietpreisüberhöhung gingen 2025 bei der Stadt ein, sowohl über die Mietwucher-App der Linken als auch über direkte Schreiben an die Verwaltung. Daraus entstanden lediglich zwölf Ermittlungsverfahren – sieben davon wurden bereits wieder eingestellt. Am Ende steht ein einziges Bußgeld in Höhe von 5000 Euro. Das geht aus einer Mitteilung der Verwaltung an den Ausschuss Bauen und Wohnen hervor.

Wie die Kölner Linke selbst schreibt, hätten nach dem erfolgten Check in der App nur 514 Menschen ihre Berechnungen und Unterlagen an das Wohnungsamt weitergeleitet. 

Die Stadt verweist ihrerseits auf hohe juristische Hürden: Eine Miete allein, die mehr als 20 Prozent über der Vergleichsmiete liegt, reicht nicht aus, berichtet eine Sprecherin auf Anfrage. Zusätzlich muss nachgewiesen werden, dass Vermieter eine konkrete Mangellage ausgenutzt haben – ein Nachweis, der laut Verwaltung „in fast allen Ermittlungsverfahren“ nicht gelingt.

Rechtliche Hürden bremsen die Stadt aus – Hoffnung liegt beim Bund

Auch zentrale Punkte des Ratsbeschlusses wie ein digitales Monitoring von Wohnungsinseraten oder ein Mietspiegelrechner gelten als kaum umsetzbar. Inserate seien rechtlich nicht sanktionierbar, zudem fehle Personal, auch wenn 23 Stellen besetzt seien. Der Bereich Wohnraumschutz arbeitet nach Angaben der Stadt bereits am Limit. Dafür wurde der Internetauftritt zur Mietpreiskontrolle überarbeitet.

Während die Linke weiter Druck macht und die Zahlen der Mietwucher-App als Beleg für ein strukturelles Problem sieht, setzt die Stadt ihre Hoffnung auf eine Reform des Bundesrechts. Der Paragraf zum Mietwucher im Wirtschaftsstrafgesetz soll überprüft werden – Ergebnisse werden jedoch frühestens Ende 2026 erwartet. „Solange § 5 WiStG in seiner jetzigen Form besteht, ist nicht damit zu rechnen, dass sich hieran etwas ändert“, heißt es aus der Pressestelle.