Er war das Gesicht, die Stimme und der starke Mann der Freien Wähler. Er war streitlustig, aber auch streitbar und umstritten. Er war ein Vollblutpolitiker und erlangte – auch mit seinem besonderen niederbayerischen Dialekt – auch bundesweit Bekanntheit. Nun ist Hubert Aiwanger, Bundes- und Landeschef seiner Partei, überraschend im Alter von 55 Jahren gestorben.
Der zweifache Vater wurde am Mittwoch tot in einem Berliner Hotelzimmer entdeckt. Seine Leiche soll noch am Donnerstag obduziert werden, um ein Fremdverschulden auszuschließen.

Polizeiautos stehen vor dem Hotel Neuer Fritz Berlin. Dort starb Hubert Aiwanger.
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Der Niederbayer hatte zwei Kinder und lebte mit der Regensburger Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen.
Seit 2008 im Landtag, seit 2018 Minister
2008 war Aiwanger mit seinen Freien Wählern erstmals in den bayerischen Landtag eingezogen und wurde deren Fraktionschef. Zehn Jahre später, 2018, schmiedeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident.

Der damalige Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger steht 2011 in Rahstorf (Niederbayern) vor seinem Bauernhof. (Archivbild)
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Eine Zäsur war der Spätsommer 2023. Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Bayern hatte ihn ein antisemitisches Flugblatt aus lang vergangenen Tagen eingeholt, das in seiner Schulzeit bei ihm gefunden worden war. Die Regierungskoalition mit der CSU stand am Rand des Scheiterns, Aiwanger drohte der Rausschmiss – und doch feierte er bei der Wahl wenige Wochen später ein neues Rekordergebnis von 15,8 Prozent für die Freien Wähler.
Begnadeter Festzelt-Redner mit besonderem Dialekt
Mit Aiwanger verliert Bayern eine Persönlichkeit, die auch in der an besonderen Charakteren alles andere als armen bayerischen Landespolitik immer hervorstach. Nicht nur wegen seines Dialektes, der etwa aus einem Glas Apfelsaft einen „Opflsoft“ machte. Auch seine Fähigkeit, politische Reden auf Parteitagen, in Bierzelten oder im Landtag ohne jedes Manuskript – dafür aber mit der ein oder anderen Redundanz – zu halten, machte ihn besonders. Was aber auch seine politischen Widersacher honorierten, war etwas anderes: Aiwangers Gespür für die Themen der „kleinen Leute“.

Fahnen wehen auf Halbmast. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ist völlig überraschend gestorben.
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Zeitlebens war es Aiwanger wichtig, sich von jenem Profi-Politikertum zu distanzieren, das er am Ende selbst sieben Tage die Woche lebte. Bei ihm klang das dann so: „Wir sehen eine Regierungsbeteiligung nur als notwendiges Übel, um die Zukunft des Landes weiter zu gestalten.“ Die politischen Fehler „von denen da oben“ machten es nötig, selbst Verantwortung zu übernehmen. „Ansonsten würde ich vielleicht Bäume pflanzen und Schweine füttern.“
Vom Schweinezüchter zu Söders Vize
Bevor sich Aiwanger vor der Kommunalwahl 2002 den Freien Wählern anschloss, hatte er selbst Schweine gezüchtet. Aus seiner bäuerlichen Herkunft machte Aiwanger nie einen Hehl, im Gegenteil. Insbesondere bei politischen Auseinandersetzungen mit den Grünen wurde er nicht müde, sich als von den „elitären Städtern“ missverstandenen Landbewohner darzustellen. Überhaupt versuchte er in seinen Reden immer, die Welt in Gut und Böse zu unterteilen. Dabei wählte Aiwanger auch seltsame Formulierungen: „Wenn wir nicht wären, würden die einschlafen und in ihrem eigenen Saft ersticken.“

Hubert Aiwanger, Bundesvorsitzender der Freien Wähler, hält beim politischen Aschermittwoch der Freien Wähler 2026 einen Bierkrug. (Archivbild)
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Zu Aiwangers Stärken zählte aber auch seine Hartnäckigkeit. Bei politischen Themen blieb er stets am Ball – selbst wenn, als er noch in der Opposition war, der ganze Landtag lachte oder stöhnte.
Ein großer politischer Traum blieb unerfüllt
Selbst Aiwangers Kritiker hielten ihn immer für politisch begabt – aber auch für einen begabten Populisten. Innerhalb der Partei warfen ihm seine Gegner zeitweilig einen ziemlich egozentrischen Führungsstil vor – Aiwanger war aber seit 2006 unangefochten Landes- und seit 2010 auch Bundesvorsitzender.
Und er führte seine Partei letztlich zu vielen Wahlerfolgen in Bayern, wie nach der Flugblatt-Affäre 2023 und zuletzt bei den Kommunalwahlen im Freistaat im Frühjahr. Dabei konnten die Freien Wähler der CSU prestigeträchtige Landratsposten abjagen – wieder einmal ging Aiwanger gegen den politischen Partner und Rivalen mindestens als gefühlter Sieger vom Feld.
Tatsächlich kann man Aiwanger nicht vorwerfen, dabei nicht immer bodenständig geblieben zu sein. Heimat des Agraringenieurs und zweifachen Vaters war ein Bauernhof bei Rottenburg an der Laaber in Niederbayern. Das heißt aber nicht, dass Aiwanger keine Visionen hatte. Doch zumindest zu seinen Lebzeiten blieb der Einzug der Freien Wähler in den Bundestag ein ferner Wunsch. Seine Partei steht nun vor der Aufgabe, einen neuen Vorsitzenden zu finden – ein für den 14. November geplanter Bundesparteitag soll aber aufs kommende Jahr verschoben werden. (dpa)
