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„Akt der Unanständigkeit“Vater rechnet in Doku mit Ex-SPD-Politiker Geisel ab

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Thomas Geisel im Wahlkampf für das BSW

Der ehemalige Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel sorgte mit seinem Wechsel von der SPD zum BSW für Aufsehen. (Archivbild)

Thomas Geisels Wechsel zum BSW spaltet seine Familie. Seine Tochter hat einen Film über den Verrat an der SPD-Dynastie gedreht.

Der Übertritt des früheren Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel (62) zum Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) 2024, nach 40 Jahren SPD-Zugehörigkeit, war mehr than eine politische Überraschung. Dieser Schritt löste in der Familie Geisel, einer SPD-Dynastie über Generationen, eine tiefgreifende Loyalitätskrise aus. Seine Tochter Indira Geisel hat die Konsequenzen dieses Alleingangs in dem Dokumentarfilm „Politik ist persönlich“ aufgearbeitet.

Der Film dokumentiert, wie diese Entscheidung die Familie zerreißt, Tränen fließen und heftige Auseinandersetzungen stattfinden, während Geisel seine Karriere beim BSW unbeirrt vorantreibt. Die Dokumentation ist im Streaming-Angebot des ZDF abrufbar und wird zudem am Montag, 1. Juni, um 23.55 Uhr als „kleines Fernsehspiel“ im ZDF gesendet. Für das Projekt begleitete Indira Geisel ihren Vater über Monate hinweg mit der Kamera.

Scharfe Kritik aus dem engsten Kreis

Besonders für den 93-jährigen Vater Alfred Geisel, der für die SPD 16 Jahre lang als Landtagspräsident in Baden-Württemberg amtierte, kommt der Wechsel einem „Parteiverrat“ gleich. Um dem Senior die Entscheidung seines „verlorenen Sohnes“ zu vermitteln, war eine diplomatische Initiative der Enkelinnen erforderlich. In der Dokumentation findet Alfred Geisel deutliche Worte für den Schritt seines Sohnes: „Für mich war das ein Akt der Unanständigkeit.“ Er ist der Ansicht, sein Sohn sei nicht damit klargekommen, „nicht mehr jeden Tag in den Zeitungen zu stehen“.

Auch andere Familienmitglieder kritisieren Geisel scharf. Seine Freunde und frühere Weggefährten hätten den Kontakt abgebrochen, „weil er jetzt ein populistischer Russland-Verharmloser ist“, erklärt Tochter Indira. Sie beschreibt ihren Vater als „sturen Alleingänger“ und als einsam. Trotzdem kann sie ihm ihre Loyalität nicht gänzlich entziehen.

Eine Cousine bezeichnet Geisel aufgrund seiner beruflichen Laufbahn als Manager als „Bonzen“. Geisel räumt während eines Urlaubs in der Toskana im Film selbst ein: „Ich bin relativ wohlhabend.“ Seine Tochter kommentiert dies mit den Worten: „Mein Vater ist gerne ein Bürgerlicher. Und er tut auch nicht so, als wäre er einer von den sogenannten kleinen Leuten, deren Anwalt er gern wäre.“

Ein Film über politischen Misserfolg

Die Dokumentation ist über weite Strecken eine Auseinandersetzung mit dem Vater, erzählt aber auch die Geschichte vom Scheitern des ehemaligen Energiemanagers. Geisel wurde 2020 als Oberhaupt der Stadt Düsseldorf abgewählt und unterlag später ebenfalls im internen Wettstreit um den Landesvorsitz des BSW in Nordrhein-Westfalen.

Darüber hinaus wird am Beispiel Geisels der Abstieg der traditionsreichen SPD thematisiert – sowie der nur kurze Aufstieg der neuen Partei BSW, die es 2025 nicht in den Bundestag schaffte.

Versöhnung mit bitterem Nachgeschmack

Für das BSW erlangte Geisel nach der Europawahl 2024 einen Sitz im Europäischen Parlament. Seine Tochter Indira äußert im Film ihren Zorn über ihn, „weil er mir die SPD als letzte politische Konstante madig gemacht hat und zu einer Partei gerannt ist, die ihn eigentlich gar nicht wollte“.

Obwohl die Familie beim 94. Geburtstag des Patriarchen Alfred am Ende wieder zueinanderfindet und gemeinsam Volleyball spielt, bleibt ein schaler Nachgeschmack. „Wahrscheinlich ist es auch leichter, jemandem zu verzeihen, der nicht gewonnen hat“, so das Fazit von Indira Geisel.

Der erste Langfilm der Regisseurin ist ihre Abschlussarbeit, die an der Hochschule für Fernsehen und Film München entstand. Er feierte seine Premiere im Mai beim DOK.fest München. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.