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Angst nach KrawallenRandalierer zünden in Belfast Häuser an, Familien fliehen

4 min
Proteste in Belfast

In Belfast kam es am Dienstagabend zu rassistischen Ausschreitungen.

Rassistische Unruhen erschüttern Belfast: Nach einer Messerattacke zünden Gewalttäter Häuser und Autos an.

Rassistisch geprägte Unruhen erschütterten in der Nacht auf Mittwoch die nordirische Hauptstadt Belfast. Gewalttäter zündeten Fahrzeuge sowie Häuser an, schleuderten Wurfgeschosse und verbreiteten islamophobe Slogans. Auslöser für die Tumulte war eine brutale Messerattacke am Vorabend, bei der ein Mann gravierende Verletzungen erlitt. Ein aus dem Sudan stammender Flüchtling steht deshalb unter Anklage wegen versuchten Mordes. Aufrufe zur Mäßigung vonseiten der Politik und Sicherheitskräfte verhallten wirkungslos.

Die mehrheitlich jungen, männlichen Gewalttäter bewegten sich durch die Straßen und legten Feuer an mehreren Fahrzeugen. In unterschiedlichen Bezirken der Stadt war die Rettung von Anwohnern aus brennenden Wohnhäusern erforderlich. Auch Gewerbebetriebe, darunter ein türkisch geführter Friseursalon, nahmen Schaden. Auf die Außenwand einer Imbissbude wurde eine islamophobe Parole aufgetragen. Augenzeugenberichten zufolge riefen die Aufrührer mehrfach „Ausländer raus!“. Gemäß offiziellen Polizeimeldungen erlitten zwei Einsatzkräfte Verletzungen.

Scharfe Kritik von Premierminister Starmer an den Unruhen

Keir Starmer, der Premierminister Großbritanniens, verurteilte die Tumulte. „Die Szenen in Belfast letzte Nacht waren schockierend und völlig inakzeptabel“, teilte er über den Dienst X mit. Personen seien aufgrund ihrer Abstammung zum Ziel geworden, „und das werde ich nicht tolerieren“. Michelle O'Neill, die Regierungschefin von Nordirland, bezeichnete die Vorfälle auf X ebenfalls als „widerwärtiger Feigheit“, bei der maskierte Täter Familien aus ihren Wohnungen verjagt hätten.

Demonstration nach Messerangriff in Belfast

Auch ein Bus wurde von den Randalierern in Brand gesetzt.

Ein Video von dem Angriff am Montag, bei dem ein Mann schwere Verletzungen an Gesicht, Rücken und Augen davontrug, kursierte in sozialen Netzwerken. Entgegen polizeilicher Mahnungen wurde es oft weiterverbreitet. Die Aufnahme zeigt, wie ein Angreifer über einem stark blutenden Mann kniet und mit einem Messer auf diesen einsticht. Nach einer Weile kommen einige Männer hinzu und bemühen sich, den Angreifer von seinem Opfer zu trennen.

Anwohner schildern Furcht und Verwüstung

Wie britische Medien meldeten, beruhigte sich die Lage am Morgen nach den Tumulten zunächst, die Anwohner sahen sich jedoch mit zerstörten Straßen und Chaos konfrontiert. Die Furcht vor weiteren Unruhen ist erheblich, weil in sozialen Netzwerken bereits weitere Aufrufe zu Protesten zirkulieren.

Ein Einwohner mit Zuwanderungsgeschichte, der seit 2013 in der Stadt ansässig ist, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur PA, dass seine drei Kinder inmitten der Unruhen „große Angst“ gehabt hätten. „Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Ich habe Angst. Wenn ich das sehe, frage ich mich, ob ich der Nächste bin“, äußerte er.

Nach Krawallen in Belfast

Am Morgen nach den Ausschreitungen zeigt sich ein Bild der Verwüstung.

Ein weiterer Anwohner meldete, wie sein Heim im Zuge der Tumulte gänzlich vernichtet wurde. „Es ist zerstört, von oben bis unten komplett zerstört“, sagte er. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“ Jon Boutcher, der Polizeichef von Nordirland, bezeichnete die Täter gegenüber der BBC als „hirnlose Idioten, die damit nur ihre eigene Zukunft ruinieren“. Er ergänzte: „Letzte Nacht haben wir so viele Familien gerettet“, darunter auch ein zwei Monate altes Baby.

Rolle der sozialen Medien als Gewalt-Katalysator

In Großbritannien sind rechtsextreme und rassistische Tumulte keine Neuheit. Eine zentrale Funktion kommt dabei häufig den sozialen Medien zu, wie Anna Turley, eine Abgeordnete der Labour-Partei, gegenüber Times Radio erläuterte. Es gebe „böswillige Akteure, die oft viele, viele Kilometer entfernt sitzen. Es ist für sie ein Leichtes, diese Dinge anzufachen“, so Turley.

Beispielsweise verbreitete der US-Techmilliardär Elon Musk vor den Protesten eine Vielzahl von Posts über den Messerangriff und forderte zur Beteiligung an den Demonstrationen auf. Die Justizministerin von Nordirland, Naomi Long, mahnte Hetzer in sozialen Netzwerken, sie sollten sich nach der Gewalt in Belfast „von ihren Tastaturen fernhalten“.

Die Ereignisse wecken Erinnerungen an Tumulte in der südenglischen Stadt Southampton aus der Vorwoche. Der Anlass war die Publikation von Bodycam-Aufnahmen, die ein Fehlverhalten der Polizei nach dem letalen Messerangriff eines Mannes aus der Sikh-Gemeinschaft auf den Studenten Henry Nowak dokumentierten.

Krawalle im Sommer 2024

2024 kam es in etlichen Städten zu Unruhen. (Archivbild)

Auch in diesem Fall leisteten viele Personen einem Aufruf zum Protest des Rechtsextremen Tommy Robinson Folge, dessen bürgerlicher Name Stephen Yaxley-Lennon lautet. Robinson zählt zu den bekanntesten rechtsextremen Persönlichkeiten Großbritanniens und hat mehrere Vorstrafen.

Er hatte bereits 2024 eine entscheidende Funktion inne, als in England und Nordirland über Wochen rassistisch geprägte Unruhen stattfanden. Auslöser war zu jener Zeit die Ermordung von drei Mädchen in Southport, woraufhin Falschmeldungen zirkulierten, der Täter sei ein muslimischer Asylsuchender. In Wirklichkeit war es ein in Großbritannien geborener Mann mit ruandischer Abstammung. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.