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Christlicher GlaubeDie „Osterruhe“ hat es nie gegeben, sie ist ein Missverständnis

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Sonnenaufgang

An Ostern feiern Christen die Auferstehung von den Toten. (Symbolbild)

Was soll man mit Ostern anfangen? Gerade eben hat die Kanzlerin die „Osterruhe“ verkündet und dann am dritten Tage wieder in den Orkus versenkt. Was war denn das?

Dass das ein unausgegorener Vorschlag war, bewies schon der Name: Eine Osterruhe hat es noch nie gegeben. Es gab eine Karfreitagsruhe, eine Karsamstagsruhe, während Christus im Grab lag. Aber an Ostern gab es in der ganzen abendländischen Tradition keine „Ruhe“, sondern ganz im Gegenteil laute Festfreude, Glockenläuten, Lärm, das „Osterlachen“ nach einem Scherz, den der Pfarrer traditionell in der Oster-Predigt machte. Nachdem schon wirklich niemand mehr weiß, was Pfingsten eigentlich ist, hat es nun auch das Osterfest erwischt. Irgendwie weiß man höchstens noch, dass es das höchste Fest der Christen ist.

Siegt am Ende die Biochemie?

Tatsächlich feiern die Christen an diesem Tag, und sogar streng genommen eine ganze Woche lang, dass Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes, an diesem Tag von den Toten auferstanden ist. Es ist der ganz starke Glaube ans ewige Leben, der auch bei anderen Religionen vorkommt, aber bei den Christen ganz im Mittelpunkt steht. Es ist die begeisterte Antwort auf die Frage auch eines Atheisten, der am Grabe eines guten Freundes steht: War es das? War das jetzt wirklich alles? Siegt am Ende doch die Biochemie der Verwesung über den Geist, die Liebe, die Zärtlichkeit dieses Menschen? Der Atheist Gottfried Benn hat gedichtet:

„Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,woher das Sanfte und das Gute kommt,weiß es auch heute nicht und muß nun gehen.“

Die Christen wissen es auch nicht, aber – und das ist viel mehr – sie sind sich, wenn sie wirklich glauben, gewiss, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Das feiern sie an Ostern.

Rituale sind wichtig

Deswegen ist Ostern mehr als bloß ein „Ritual“. Auch Theologen schreiben gerne von der Bedeutung der „Rituale“, und das ist auch alles richtig. Rituale strukturieren unser Leben, gerade jetzt in der Corona-Krise ist es wichtig, alltägliche Rituale zu pflegen, um nicht im persönlichen Chaos zu versinken. Und es ist gut, dass auch das Jahr rituell gegliedert ist. Das „Kirchenjahr“ verteilt sozusagen den christlichen Glauben über 365 Tage.

Alles sinnvoll und mit viel Folklore begleitet. Ostern wartet da auf mit den Ostereiern, tatsächlich ein uraltes Auferstehungssymbol. Doch schon der Osterhase ist eine Missgeburt, die es erst seit ungefähr 300 Jahren gibt. Mit dem Christentum hat er gar nichts zu tun.

Von Ostern nichts begriffen

Versteht man Ostern bloß als „Ritual“, das der Psychohygiene dient, die Osterfolklore nur als Kinderspaß und die neu erfundene Osterruhe als Viruskiller, hat man von Ostern selbst nichts wirklich begriffen.

Unsere Tochter war mit vier Jahren schon weiter. In einem unbeobachteten Moment hörte ich sie im Nebenraum sehr ernsthaft jedes Wort betonend sinnieren: „Ostern ist, weil Jesus auferstanden ist. Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, wäre nicht Ostern.“ Sie hat dann doch nicht Theologie studiert, sondern Jura, weil sie's immer schon mit der Logik hatte.