Friedrich Merz macht sehr konsequent Urlaub - aber nutzt es ihm?
Kein Wort zu KrisenDie Schweige-Strategie des Kanzlers

Auftritt vor der Sommerpause: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der traditionellen Pressekonferenz im Haus der Bundespressekonferenz am 15. Juli
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Der Leipziger Flughafen wird mit einer fliegenden Bombe angegriffen, in NRW bricht der größte Waldbrand der Geschichte aus, der Rheinpegel sinkt auf einen wachstumsbedrohenden Stand. Und der Kanzler? Macht Urlaub und schweigt.
Die Enthaltsamkeit folgt klarem Kalkül. Vor der Sommerpause hat Friedrich Merz selbst einiges getan, um seine Lage zu verschlechtern. Er verstolperte die Kabinettsumbildung und lenkte damit von einem an sich überzeugenden Reformpaket ab. Die Aufnahmen von Carsten Linnemann und Nina Warken bei ihrer Vorstellung im Garten des Kanzleramts könnten zum Sinnbild einer unglücklichen Kanzlerschaft werden.
Wenn es gar nicht läuft - einfach mal nichts sagen. Diese Weisheit der politischen Kommunikation scheinen Berater dem Regierungschef nahegebracht zu haben. Und in der Tat: Hätte es geholfen, wenn Merz die drei Ost-Ministerpräsidenten zur Ordnung gerufen hätte, die einen Torpedo auf das Herzstück der Rentenreform feuerten? Merz überließ die Bewertung seinem neuen Fraktionschef Thorsten Frei - und verschwand aus den negativen Schlagzeilen, die fortan wieder die SPD füllte. Als folge alles einer übergeordneten Regie, wurden Brandbriefe von der sozialdemokratischen Basis gegen die eigene Führung verfasst. Bärbel Bas und Lars Klingbeil, deren Sommer vergleichsweise ruhig begann, gelten plötzlich als Parteivorsitzende auf Abruf.
Bitter für Merz: Die Schweigephase hat sein Ansehen in der Bevölkerung nicht verbessert. Die Werte verharren auf einem historisch niedrigen Plateau. Zufrieden mit seiner Arbeit sind laut Forsa jetzt 13 Prozent. Vor der Sommerpause waren es 14. In der kommenden Woche trifft sich das Kabinett zur Klausur auf Schloss Neuhardenberg, wo es zum Schwur bei den Reformen kommt. Danach wählt Sachsen-Anhalt. Die Hoffnung bleibt, dass Merz im Urlaub wenigstens Kraft gesammelt hat.
