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Empörung über Serbien„Als würde Deutschland Hitler staatliche Ehren zuteilwerden lassen“

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Ein mit Farbe beschmiertes Wandgemälde von Ratko Mladic in Belgrad. Der wegen Kriegsverbrechen und Völkermord verurteilte bosnisch-serbische Ex-General ist im internationalen Trakt des Gefängnisses in Den Haag gestorben.

Ein mit Farbe beschmiertes Wandgemälde von Ratko Mladić in Belgrad. Der wegen Kriegsverbrechen und Völkermord verurteilte bosnisch-serbische Ex-General ist im internationalen Trakt des Gefängnisses in Den Haag gestorben.

Nach dem Tod von Völkermörder Ratko Mladić fasst Serbien ein Staatsbegräbnis ins Auge – und sorgt damit für internationale Empörung.

Die Pläne Serbiens, den verstorbenen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher und Völkermörder Ratko Mladić mit Staatsehren beizusetzen, sind international auf scharfe Kritik gestoßen. „Die Verherrlichung von Kriegsverbrechern widerspricht den grundlegenden europäischen Werten und hat in der Europäischen Union ebenso wenig Platz wie in Ländern, die anstreben, Mitglied zu werden“, sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos am Montag vor Journalisten. Serbien ist seit 2012 offizieller EU-Beitrittskandidat.

Der frühere bosnisch-serbische Armeechef und verurteilte Kriegsverbrecher Mladić soll nach den Plänen der serbischen Regierung in Serbien mit militärischen und staatlichen Ehren beigesetzt werden. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić bestritt jedoch später, dass eine solche Entscheidung getroffen worden sei. Diese stehe noch aus, so Vučić.

EU kritisiert Serbien: „Ratko Mladić war ein verurteilter Verbrecher“

Mladić war in der vergangenen Woche in einem Krankenhaus in Den Haag gestorben. Dort verbüßte er nach einer Verurteilung durch den Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995. 

Der serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladić im Gerichtssaal vor dem UN‑Kriegsverbrechertribunal. (Archivbild)

Der serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladić im Gerichtssaal vor dem UN‑Kriegsverbrechertribunal. (Archivbild)

Kos erklärte nun, sie werde am 9. September nach Serbien reisen. „Ratko Mladić war ein verurteilter Verbrecher, der wegen des Völkermords in Srebrenica und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine lebenslange Haftstrafe verbüßte“, sagte die EU‑Vertreterin. „Das wird die Grundlage sein, auf der wir die Entwicklungen bewerten werden.“

Ratko Mladić für Kriegsverbrechen und Völkermord verantwortlich

Mladićs Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden. Bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando stürmten die UN-Schutzzone und ermordeten rund 8000 muslimische Männer und Jungen. Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt, viele später umgebettet, um die Verbrechen zu vertuschen.

Das Massaker gilt als eines der schlimmsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach fast 16 Jahren auf der Flucht war Mladić 2011 in Serbien festgenommen und nach Den Haag überstellt worden. 2017 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, 2021 wurde der Schuldspruch letztinstanzlich bestätigt. In Teilen Serbiens und der bosnisch-serbischen Republika Srpska wird Mladić bis heute verehrt. 

Serbischer Fußballklub feiert gestorbenen Völkermörder

Nach seinem Tod wurde dem Kriegsverbrecher in Serbien mitunter öffentlich gedacht. Auch der Fußballklub Roter Stern Belgrad und seine Anhänger glorifizierten den Völkermörder nach seinem Tod.

Während des Auswärtsspiels in der Europa-League-Qualifikation bei Viktoria Pilsen zeigten die Belgrader Fans zwei Banner für den von ihnen glorifizierten „General“, dem sie „ewigen Ruhm und Dankbarkeit“ aussprachen. Der Klub verbreitete Aufnahmen der Banner daraufhin in den sozialen Netzwerken – samt eines salutierenden Emojis. 

Srebrenica-Gedenkzentrum fordert Ausschluss von Roter Stern Belgrad

Der europäische Fußballverband UEFA hat angesichts dieser Vorfälle mittlerweile ein Disziplinarverfahren gegen den Belgrader Verein eröffnet. Die Vorwürfe werden in drei Teile aufgeteilt: rassistisches Verhalten, Verbreitung einer für Sportveranstaltungen ungeeigneten Botschaft, unangemessenes Verhalten der Mannschaft.

Das Gedenkzentrum in Srebrenica hat sich ebenfalls an die UEFA gewandt und fordert den Ausschluss des Klubs von den europäischen Fußball-Wettbewerben. „Ein Verein, der wissentlich seine offiziellen Kommunikationskanäle nutzt, um Botschaften zu verbreiten, die eine Person verherrlichen, die rechtskräftig wegen Völkermords verurteilt wurde, kann eine solche Handlung nicht allein dem Verhalten der Fans zuschreiben“, teilte das Memorial Center Srebrenica mit.

Menschen besuchen nach dem Tod von Ratko Mladić das Gedenkzentrum nahe Srebrenica.

Menschen besuchen nach dem Tod von Ratko Mladić das Gedenkzentrum nahe Srebrenica.

„Es geht hier nicht mehr nur um die Zuschauerränge, sondern um das institutionelle Verhältnis des Vereins zu den Werten, auf denen der europäische Fußball der UEFA basiert“, hieß es weiter. 

Warnungen aus Kroatien und den USA in Richtung Belgrad

Warnungen in Richtung Serbien kommen derweil auch aus einem Nachbarland. „Es ist, als würden sie die Türen der Europäischen Union für sich selbst schließen“, erklärte der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković. Mladić sei ein Kriegsverbrecher, der für die „schwersten Verbrechen“ verantwortlich gewesen sei, fügte Plenković hinzu. 

Die deutlichsten Worte der Warnung kamen unterdessen aus den USA. „Es ist gewissenlos, dass Vučić plant, den Kriegsverbrecher Mladić mit Ehren zu beerdigen“, schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Joe Wilson auf der Plattform X mit Blick auf den serbischen Präsidenten und die Überlegungen in Belgrad. „Das ist, als würde Deutschland Hitler staatliche Ehren zuteilwerden lassen“, fügte Wilson hinzu. (mit afp)