Ein Militärfachmann skizziert ein mögliches Szenario, wie die USA Grönland übernehmen könnten, und hält ein solches Vorgehen für plausibel.
Trump droht Grönland„Krim 2.0“ – Experte hält US-Militärschlag für „durchaus wahrscheinlich“

US-Präsident Trump droht nicht nur Venezuela.
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In den Vereinigten Staaten mehren sich Stimmen, die offen eine Annexion Grönlands ins Spiel bringen. Die Insel gehört seit 1721 zum dänischen Königreich und zählt rund 56.000 Einwohner. Etwa 96 Prozent von ihnen besitzen die EU-Bürgerschaft. Im US-Fernsehen erklärte Stephen Miller, Vize-Stabschef von Donald Trump, Grönland am Montag (5. Januar 2026) müsse „Teil der USA sein“. Zudem äußerte er die Einschätzung, niemand werde „gegen die USA um die Zukunft von Grönland kämpfen“.
Dänemark warnt vor dem Ende der Nato
Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen reagierte mit scharfen Worten. „Ich muss es den USA ganz direkt sagen: Es macht absolut keinen Sinn, davon zu sprechen, dass es für die USA notwendig sein könnte, Grönland zu übernehmen“, erklärte sie ohne die sonst üblichen diplomatischen Floskeln. „Die USA haben kein Recht, einen der drei Landesteile des Königreichs zu annektieren.“ Eine militärische Attacke der USA auf Grönland würde nach ihrer Auffassung das Ende der NATO bedeuten. Grönland ist über Dänemark Teil des Bündnisses und zugleich eng an die Europäische Union angebunden.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen: „Wenn die Vereinigten Staaten beschließen, ein anderes NATO-Land militärisch anzugreifen, dann hört alles auf.“
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Gegenüber dem Sender TV 2 sagte Frederiksen: „Wenn die Vereinigten Staaten beschließen, ein anderes NATO-Land militärisch anzugreifen, dann hört alles auf.“ Ein solcher Schritt würde das internationale Sicherheitssystem, das seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besteht, grundsätzlich infrage stellen.
Militärisches Szenario: Schnelle Kontrolle möglich
Der Militäranalyst Gustav Gressel – Experte für russische Strategie und moderne Kriegführung – hält eine militärische Besetzung Grönlands prinzipiell für realisierbar. Gegenüber „Bild“ verwies er auf die geringe militärische Präsenz Dänemarks auf der Insel, bestehend aus wenigen Hundert Soldaten und lokaler Polizei. Die Ortschaften liegen überwiegend isoliert an der Küste und bieten seiner Meinung nach kaum Rückzugsmöglichkeiten.

Die grönländische Hauptstadt Nuuk im März 2025. (Archivbild)
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Entscheidend sei die Lufthoheit. Diese könnten die USA laut Gressel rasch übernehmen, da Transportwege vor allem über die Luft verlaufen. Eine zentrale Rolle spiele dabei der US-Stützpunkt in Thule, von dem aus der Luftraum kontrolliert werden könne. Dänische Verstärkung über den Atlantik ließe sich so erheblich erschweren oder verhindern.
„Krim 2.0“ und politischer Druck
Gressel skizziert ein Szenario mit kleineren Einheiten von US-Marines und Polizeikräften, die per Hubschrauber anlanden und Schlüsselstellen wie Regierungsgebäude, Medien, Hafen und Flughafen in Nuuk sichern. Anschließend würde politischer Druck auf die grönländischen Behörden ausgeübt, um eine Anerkennung der US-Herrschaft zu erreichen. Der Vergleich mit der russischen Annexion der Krim 2014 liegt für Gressel nahe – er spricht von einem möglichen „Krim 2.0“. Die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation schätzt er als hoch ein.
Alternativen und wirtschaftliche Interessen
Der Sicherheitsexperte Nico Lange sieht hingegen weniger eine unmittelbare Militäraktion als vielmehr eine Strategie des „maximalen Drucks“. Denkbar seien Pachtmodelle, Leihvereinbarungen oder andere juristische Konstruktionen, um den US-Einfluss auszubauen.
Offiziell werden sicherheitspolitische Gründe genannt, etwa die Präsenz chinesischer und russischer Schiffe. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass wirtschaftliche Motive überwiegen. Grönland gilt als rohstoffreich, insbesondere bei Seltenen Erden, deren geschätzter Wert in die Milliarden geht. (jag)

