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„Zeigen, ob Sie was können“Amthor teilt bei „Hart aber fair“ gegen AfD-Politiker Frohnmeier aus

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„Wenn Sie hier so große Töne spucken, dann können Sie doch mal zeigen, ob Sie was können. Da bin ich mal ganz gespannt. Ich kann nur sagen: Für das Land Sachsen-Anhalt wäre es eine Katastrophe, ins Chaos abzugleiten“, warnte Philipp Amthor, CDU.   (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

„Wenn Sie hier so große Töne spucken, dann können Sie doch mal zeigen, ob Sie was können. Da bin ich mal ganz gespannt. Ich kann nur sagen: Für das Land Sachsen-Anhalt wäre es eine Katastrophe, ins Chaos abzugleiten“, warnte Philipp Amthor, CDU. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Bei „Hart aber fair“ wird über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt diskutiert – mehr noch darüber, ob und wie die AfD zu regieren gedenkt. 

Die Nerven liegen recht blank bei der CDU. Trotzdem ist Philipp Amthor zunächst ziemlich gelassen und nachdenklich, als er am Montagabend in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ ein wenig langatmig über die Gründe nachsinnt, die zum hohen Wahlverlust seiner Partei bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt am Sonntagabend geführt haben.

„Ich kann nichts dafür, dass er sich provozieren lässt“, sagt AfD-Mann Markus Frohnmaier irgendwann sichtlich erfreut über die Ausfälle von Philipp Amthor. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

„Ich kann nichts dafür, dass er sich provozieren lässt“, sagt AfD-Mann Markus Frohnmaier irgendwann sichtlich erfreut über die Ausfälle von Philipp Amthor. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Ob das jetzt eine Zäsur gewesen sei, will Moderator Louis Klamroth von ihm wissen. Amthor, etwas müde wirkend, hebt an zu erklären: Ja, irgendwie schon, aber auch irgendwie nicht. Die AfD habe die Landtagswahlen gewonnen, die CDU verloren. „Das ist erst einmal ein Wesensmerkmal der liberalen Demokratie. Das ist normal, dass man auch abgewählt werden kann.“ Es dauert lange, bis ihm der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Markus Frohnmaier, darauf antworten kann, weil erstmal alle anderen Gäste etwas sagen dürfen. Und irgendwie hat man den Eindruck, dass beide nicht merken, dass Frohnmaier fast dasselbe sagt.

Warten, bis man von Klamroth aufgerufen wird

Amthor wirkt ein wenig wie Robert Habeck, der zu Beginn einer Antwort noch nicht weiß, wohin ihn seine Gedanken geführt haben werden, wenn er zum Ende kommt. Dabei fallen so Sätze wie: „Hier bei diesem Wahlergebnis liegen die Fehler offensichtlich bei uns. Das muss man anerkennen.“ Aber: „Daraus folgt, und das ist der Unterschied, für mich eben nicht eine Resignation. Sondern die vielen Menschen, die sich in Deutschland im Moment auch Sorgen machen darüber, dass eine nach Sicht des Verfassungsschutzes gesichert rechtsextreme Partei jetzt wahrscheinlich eine Regierung bilden kann, dass sich da Menschen Sorgen machen um die Demokratie, um die Frage, wie funktionieren unsere Institutionen, denen geben wir auch eine Stimme und sagen: Das ist ein Wahlergebnis, das unsere Institutionen und die Demokratie nicht gefährdet, sondern wir arbeiten für eine funktionierende Demokratie und Verfassungsordnung. Die haben wir auch.“

„Sagen Sie doch einfach, dass Sie derzeit nicht regieren wollen“, warf BSW-Parteivorsitzende Fabio de Masi dem AfD-Mann Markus Frohnmaier vor. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

„Sagen Sie doch einfach, dass Sie derzeit nicht regieren wollen“, warf BSW-Parteivorsitzende Fabio de Masi dem AfD-Mann Markus Frohnmaier vor. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Alles zum Thema Hart aber fair

Stimmt ja gar nicht, würde Frohnmaier am liebsten sofort dazwischenrufen, grinst stattdessen immer wieder leicht kopfschüttelnd in die Kamera. Jetzt muss er aber erst den anderen zuhören, und das sind gewohnt viele bei „Hart aber fair“. Aber als er dann endlich dran ist, kommt er auf die Institutionen zu sprechen: „Ich fand es wirklich erstaunlich, und das hat ja nicht nur der Kanzler gesagt, dass es darum geht, die Institutionen zu respektieren. Auch Kollege Amthor hat das gesagt. Also wenn ich mit einem abgewählten Deutschen Bundestag quasi handstreichartig die Verfassung ändere, um die Schuldenbremse auszuhebeln, dann respektiere ich Institutionen nicht. Und ich glaube, dass wir dann solche Lehrmeisterei als AfD auch gar nicht benötigen.“

Ines Schwerdtner: „Drei Leuchttürme in einem blauen Meer“ gebaut

Da hatte sich der Ton in der Runde schon deutlich verschärft. Dafür hatte vor allem Linken-Chefin Ines Schwerdtner gesorgt. Die weiß: Der Wahlkampf ist noch nicht vorbei, denn es wird noch woanders gewählt, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Klamroth will wissen, warum die Linke nicht vom Kanzlerfrust in der Bevölkerung profitieren konnte. Stattdessen antwortet Schwerdtner ausweichend. „Ich finde es erstmal wichtig zu sagen, dass die Wut der Menschen berechtigt ist“, sagt Schwerdtner.

„Es gibt eine langfristige Strategie, um die AfD zu besiegen, und wir haben's gezeigt“, sagt Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende Die Linke. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

„Es gibt eine langfristige Strategie, um die AfD zu besiegen, und wir haben's gezeigt“, sagt Ines Schwerdtner, Parteivorsitzende Die Linke. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Und zu Amthor: „Also dass 58 Prozent der Menschen der Bundesregierung einen Denkzettel gegeben haben mit dieser Wahl, das sollte Ihnen eigentlich noch mal mehr zu denken geben. Sie haben gesagt, sie wollen die Reformen, den Sozialkahlschlag, weiter fortsetzen. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Menschen so wütend und so frustriert sind.“ Ein anderer Vorwurf Schwerdtners an Amthor, der sich aus dem Stimmengewirr schält: „Haben Sie dem Bundeskanzler mal zugehört? Dass Sie das nicht merken, das ist arrogant! Wie er seit Monaten die Leute im Land beschimpft ...“

Die AfD würde indes nur Politik für die Reichen machen und den anderen Menschen nicht helfen, sagt Schwerdtner weiter. Die Linken schon. Und damit werden sie weitermachen: Heizkosten checken, von Haustür zu Haustür gehen, mit den Menschen reden, im Chemiedreieck und auch sonst. „Es gibt eine langfristige Strategie, um die AfD zu besiegen, und wir haben's gezeigt.“ Was sie meint: In drei Städten Sachsen-Anhalts haben die Linken Direktmandate geholt, „in einem blauen Meer rote Leuchttürme gebaut“, sagt Schwerdtner.

„Für das Land Sachsen-Anhalt wäre es eine Katastrophe“

So geht es eine ganze Weile weiter, bis Klamroth dann endlich zur entscheidenden Frage kommt: Wie die AfD eigentlich regieren wolle, wo sie doch im sachsen-anhaltinischen Landtag genauso viele Abgeordnete habe wie CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen, 39 nämlich.

Bei „Hart aber fair“ wurde hitzig diskutiert - und viel durcheinander geredet. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Bei „Hart aber fair“ wurde hitzig diskutiert - und viel durcheinander geredet. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Frohnmaier erklärt: „Wenn wir regieren, dann nur, wenn wir auch in der Lage sind, unsere Punkte umzusetzen.“ Und weiter: „Ulrich Siegmund hat angekündigt, und wir haben heute auch dazu telefoniert, dass wir jetzt zunächst einmal mit allen relevanten Akteuren dort ins Gespräch kommen.“ - „Welche sind das?“, hakt Klamroth nach. „Die Hand ist allen Parteien gegenüber ausgestreckt. Dann wird man mal schauen, ob dieses Gesprächsangebot angenommen wird“, antwortet Frohnmaier. Aber so Leute wie Philipp Amthor von der CDU wollen ja nicht mit der AfD reden, der verstecke sich lieber hinter seiner Brandmauer, unkt der stellvertretende Fraktionsvorsitzender im Bundestag.

Und Amthor geht auf die Provokation ein: „Das hat aber nichts mit einer Brandmauer zu tun, sondern mit etwas, das in der Politik entscheidend ist, nämlich Überzeugung und Prinzipien.“ Frohnmaier spöttisch: „Davon hat die CDU ja so viel.“

Kurz danach verliert Amthor dann endgültig die Ruhe und versucht, seinen AfD-Kontrahenten buchstäblich zur Schnecke zu machen. Gelingt ihm auch fast. „Wenn Sie hier so große Töne spucken, dann können Sie doch mal zeigen, ob Sie was können. Da bin ich mal ganz gespannt. Ich kann nur sagen: Für das Land Sachsen-Anhalt wäre es eine Katastrophe, ins Chaos abzugleiten.“

Einige Geheimnisse bleiben am Ende noch: Wer von der CDU in Sachsen-Anhalt die AfD unterstützen wird? Offenbar arbeitet man daran, einzelne Unions-Politiker zum Überlaufen zu bewegen. Oder wen das BSW gerne als überparteilichen Ministerpräsidenten nominieren würde. Aber da ist BSW-Co-Chef Fabio de Masi ernüchtert: „Das wird sowieso nicht klappen.“ Davor muss er sich von Schwerdtner noch den Vorwurf gefallen lassen, „Steigbügelhalter der AfD“ zu sein.

Am Ende wird viel geredet. Über Politik. Über Machtoptionen. Und zu wenig über die Menschen und ihre Sorgen. Stattdessen treten verletzte Egos zum Vorschein. Und der Ton wird rauer. Das gilt für alle Gäste. (tsch)