Selenskyj gibt russischen Reportern eine klare Antwort. Auch Polens Außenminister nutzt die UN-Generalversammlung zur Abrechnung.
Hitzige Wortgefechte in New YorkSelenskyj flucht derbe – und Putin kassiert beißende Häme

Kremlchef Wladimir Putin (l.) mit Sergej Lawrow. Russlands Außenminister musste sich in New York deutliche Worte seines polnischen Amtskollegen anhören. (Archivbild)
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf Russlands vergifteten Vorschlag eines Treffens mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau mit Sarkasmus und einem Fluch reagiert. Auf die wiederholte Frage eines Reporters des russischen Staatsfernsehens, wann er denn nach Moskau komme, antwortete der frühere Komiker und Schauspieler hörbar genervt: „Auf einer Rakete, verdammte Scheiße!“ Ukrainische und russische Medien teilten den Clip von Selenskyjs Besuch in New York vielfach in den sozialen Netzwerken.
Vor allem das kaum hörbare russische Schimpfwort „bljad“ – das freundlich mit „verdammt“, aber auch mit deutlich härteren Schimpfworten übersetzt werden kann – sorgte für Aufsehen in den Medien beider Länder. In Russland wird das Wort zensiert.
Wolodymyr Selenskyj trifft Donald Trump in New York
Der russische Reporter Valentin Bogdanow veröffentlichte das Video mit Selenskyjs Reaktion selbst unter anderem in seinem Telegram-Kanal. Dazu postete er ein offenkundig mit künstlicher Intelligenz generiertes Foto von Selenskyj in einer Kinderspielplatz-Rakete. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die als Teil der Moskauer Delegation an der UN-Generalversammlung in New York teilnimmt, machte sich lustig über Selenskyj, der wohl Angst habe, dass ihn ein tödliches Schicksal ereile.
Der ukrainische Präsident hatte sich am Rande der UN-Generalversammlung in New York auch mit US-Präsident Donald Trump getroffen, um über eine Lösung in dem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskrieg zu sprechen. Ergebnisse gab es erwartungsgemäß keine.
Hitzige Worte in New York: Sikorski attackiert Moskau
Der Schlagabtausch zwischen Selenskyj und dem russischen Reporter blieb unterdessen nicht die einzige Attacke auf Russland, die im Zuge der UN-Generalversammlung in New York für Aufsehen gesorgt hat. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski zog mit einer spöttischen Attacke auf seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich.
„Seit über zwölf Jahren versucht ihr, den Donbass und seit über vier Jahren Kiew zu erobern“, wandte sich Sikorski direkt an Lawrow. „Ihr könnt noch viele Menschen töten, aber ihr könnt nicht gewinnen. Ihr könnt diesen selbst gewählten imperialen Krieg jederzeit beenden. Gefährdet Europa und die Welt nicht weiter. Hört auf, Russlands Zukunft zu zerstören.“
„Russland eskaliert, weil die russische Führung in Panik gerät“
Zuvor hatte Sikorski einige Behauptungen Lawrows zurückgewiesen, etwa die Unwahrheit, dass in der Ukraine die russische Sprache verboten worden sei. „Ich war vor zehn Tagen in Kyjiw unter russischen Bombenangriffen, und ich kann ihm versichern, dass die russische Sprache dort weit verbreitet ist“, hieß es dazu von Sikorski, der Moskau für seine militärischen Misserfolge verspottete.
„Russland eskaliert, weil die russische Führung in Panik gerät“, hieß es vom polnischen Außenminister etwa. „Nach mehr als vier Jahren eines sinnlosen Kolonialkrieges hat Wladimir Putin nichts erreicht.“ Dem Kremlchef würden „die Truppen und Ressourcen“ ausgehen, erklärte Sikorski. „Sein unnötiger Krieg hat anderthalb Millionen Russen getötet oder verwundet“, hieß es weiter.
Ukraine möchte Waffenstillstand, aber Moskau bleibt auf Kriegskurs
„Ihr wurdet von der heldenhaften Ukraine gestoppt, einem Land mit einem Zehntel des russischen BIP“, wandte sich Sikorski erneut direkt an die russische Delegation und fügte mit Blick auf die Wirtschaftskraft Russlands hinzu: „Polen hat fast die Hälfte Ihres BIP, Europa hat das Zehnfache Ihres BIP, die NATO hat das 25-fache Ihres BIP.“
Moskaus Außenminister hat seinen Besuch in New York unterdessen dafür genutzt, die russischen Kriegsziele zu bekräftigen – und erteilte allen Überlegungen zu einer Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine eine Absage. Nur Europa wolle eine solche Pause, um die Ukraine in dieser Zeit mit Waffen vollzupumpen, behauptete Lawrow in New York.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bekräftigte in seiner Entgegnung, dass Kyjiw zu einer sofortigen, vollständigen Waffenruhe ohne Bedingungen bereit sei – vorausgesetzt, auch Moskau halte sie ein. Die Ukraine sei auch zu Teilwaffenruhen für Energieanlagen oder für Getreideexporte bereit, betonte Sybiha. Bisher wurden derartige Vorstöße von Russland stets abgelehnt. (mit dpa)
