In den USA laufen weiter Abschieberazzien gegen Einwanderer ohne gültige Papiere. Erst vor wenigen Tagen kam dabei in Texas ein Mensch ums Leben. Jetzt gibt es einen neuen Vorfall in Maine.
Kolumbianer getötetICE-Einsatz endet erneut tödlich – diesmal im US-Bundesstaat Maine

Der Tatort, an dem ein Mann Berichten zufolge bei einem Schusswechsel mit Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) getötet wurde.
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Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat im Bundesstaat Maine nach Angaben eines Senators einen Autofahrer erschossen. Der unabhängige Senator Angus King erklärte am Montag unter Berufung auf Heimatschutzminister Markwayne Mullin, der Beamte habe das Feuer eröffnet, nachdem der Mann versucht habe, sein Fahrzeug als Waffe gegen die Beamten einzusetzen.
Die ICE-Agenten hätten den Mann in Biddeford, einer Küstenstadt mit rund 23.000 Einwohnern südwestlich von Portland, im Zusammenhang mit einem Abschiebungsverfahren verfolgt. Es war das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass ICE-Beamte tödliche Gewalt einsetzten.

Ein FBI-Beamter ist an einem Ort in Biddeford im Einsatz, an dem ein Mann Berichten zufolge bei einem Schusswechsel mit Beamten der US-Einwanderungsbehörde (ICE) getötet wurde.
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Cory Poulin, dessen Familie einen Waschsalon in der Nähe des Tatorts betreibt, sagte der Nachrichtenagentur AP, Aufnahmen aus den Überwachungskameras des Geschäfts zeigten, wie das Auto des Mannes nach Schüssen in die Kreuzung rollt. Zu sehen seien Einschusslöcher in der Windschutzscheibe.
„Zwei ICE-Beamte rannten zur Kreuzung, und ein weiterer ICE-Beamter fuhr mit einem Ford-SUV in die Kreuzung, um das rollende Auto zu stoppen“, sagte Poulin. „Ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich glaube nicht, dass er noch am Leben war, als das Auto losrollte.“ Die Polizei habe ihn gebeten, die Aufnahmen nicht zu veröffentlichen.
ICE-Beamte trugen offenbar keine Körperkameras
Senator King zufolge trugen die Beamten keine Körperkameras. Die US-Bundespolizei FBI übernahm die Leitung der Ermittlungen. Die demokratische Gouverneurin Janet Mills erklärte, die Polizei arbeite mit der Generalstaatsanwaltschaft, dem Büro des leitenden Gerichtsmediziners und Bundesbehörden zusammen, um den Hergang des Vorfalls zu klären. „Die Frage ist: Was hat er mit seinem Fahrzeug gemacht?“, sagte King. „Wurden Beamte bedroht? Erreichten die Drohungen ein Ausmaß, das den Einsatz tödlicher Gewalt rechtfertigte?“
ICE und die Behörde für öffentliche Sicherheit von Maine reagierten nicht umgehend auf Bitten um Stellungnahme.

Blut ist auf dem Gehweg am Ort eines Schusswaffeneinsatzes der US-Einwanderungsbehörde ICE zu sehen.
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Bei dem Getöteten handelte es sich nach Angaben von Aktivisten um einen 26-jährigen Mann aus Kolumbien, der über eine Arbeitserlaubnis sowie eine Sozialversicherungsnummer verfügte. Die Geschäftsführerin der Organisation Maine Immigrants’ Rights Coalition, Mufalo Chitam, teilte mit, die Familie des Mannes habe sich nach den Schüssen über eine Hotline an sie gewandt.
„Das ist eine junge Familie, und er war gerade auf dem Weg zur Arbeit“, sagte Chitam der Nachrichtenagentur AP. Die Angehörigen seien noch nicht bereit, öffentlich über das Geschehene zu sprechen.
Demonstranten versammeln sich in Biddeford
Nur wenige Stunden nach dem Vorfall versammelten sich Dutzende Demonstranten in Biddeford. Zu ihnen gehörte Amy Goodman aus dem nahegelegenen Wells, die ein Schild mit der Aufschrift „Hört auf, uns zu töten“ trug. „Leider erleben wir so etwas in letzter Zeit viel häufiger, und das macht mich wütend“, sagte sie.
Die Polizei sperrte den Zugang zum Tatort ab, der sich in einem Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern, Kirchen und Geschäften nahe der Innenstadt befindet. Mehrere Demonstranten standen in der Nähe, einige hielten Schilder, die ICE-Einsätze in der Gemeinde und im Bundesstaat verurteilten.

Demonstranten nehmen an einer Mahnwache für einen Mann teil, der bei einem Schusswaffeneinsatz der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE getötet wurde.
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Der Zwischenfall in Maine war mindestens der neunte Todesfall im Zusammenhang mit Einsätzen von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde seit Beginn des verschärften Vorgehens der US-Regierung gegen illegale Einwanderung. Es war zudem der zweite Vorfall innerhalb einer Woche, nachdem bereits ein Mann in Houston im Bundesstaat Texas ums Leben gekommen war.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat zuletzt ihre Bemühungen verstärkt, Migranten abzuschieben. Innerhalb von fünf Tagen Ende Juni nahmen ICE-Beamte mehr als 10.000 Menschen fest. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Regierung zwar nicht mehr gezielt gegen einzelne Städte vorgeht, die Festnahmen jedoch fortgesetzt werden und stark zunehmen. (rnd)
