Linkspartei und Verbände kritisieren Gesundheitsminister Linnemanns Ankündigung, die Zahl der Kinderkrankentage für Eltern zu senken.
„Lässt Familien im Regen stehen“Weniger Kinderkrankentage – Kritik an Linnemann-Plan wird laut

Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, kritisierte die Pläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). (Archivbild)
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Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat sich gegen eine erneute Verlängerung der Zeitspanne ausgesprochen, in der Eltern Anspruch auf Kinderkrankengeld haben. „Das ist eine Regel, die wir eingeführt haben während Corona“, sagte der CDU-Politiker in der Regierungsbefragung im Bundestag. Er fügte hinzu, dass die Politik gut daran tue, „dass Sonderregeln, die es zu Corona gab, wieder zurückgenommen werden.“
Für dieses Jahr gilt nach einer gesetzlichen Festlegung noch eine Verlängerung – nämlich pro Kind und Elternteil von 15 Tagen und für Alleinerziehende von 30 Tagen. Nach Ende von Sonderregelungen in der Corona-Krise war die längere Spanne von 15 Tagen bereits für 2024 und 2025 per Gesetz fortgeschrieben worden. Zuvor waren es 10 Kinderkrankentage pro Jahr und Elternteil gewesen.
Anspruch bei Kindern unter zwölf Jahren
Gesetzlich versicherte Eltern können Krankengeld beantragen, wenn ein Kind unter zwölf Jahren krank ist und sie deswegen nicht zur Arbeit gehen können. Die Krankenkasse übernimmt dann einen Großteil des Verdienstausfalls und zahlt Kinderkrankengeld – in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes.
Linnemann wandte sich gegen Kritik, als sollten die Kinderkrankentage ganz abgeschafft werden. „Es werden 10 Tage sein, mal zwei sind 20 Tage im Jahr. Und das hatten wir auch in den ganzen Jahren vor Corona.“
Scharfe Kritik aus den Reihen der Linken
Mit der angekündigten Verringerung lasse Linnemann Familien „wieder einmal im Regen stehen“, erklärte unterdessen die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek am Donnerstag. „Kranke Kinder brauchen die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern, ohne dass die sich Sorgen machen müssen, wie sie das dem Arbeitgeber vermitteln.“
Linnemann sende ein falsches Signal an die Familien, erklärte auch der Familienbund der Katholiken am Donnerstag. Während Milliarden an anderer Stelle mit der Gießkanne verteilt würden, werde nun ausgerechnet dort kleinlich gekürzt, wo Eltern für ihre kranken Kinder Verantwortung übernähmen, so der Familienbund. Das Einsparpotenzial sei überschaubar. Nur ein kleiner Teil der Eltern nutze das Kinderkrankengeld in größerem Umfang.
Orientierung am Familienalltag gefordert
Statt pauschal zu kürzen, brauche es eine Regelung, die sich am Familienalltag orientiere. Gerade in den ersten Lebensjahren bis zum Schuleintritt seien Kinder deutlich häufiger krank. Deshalb solle es für diese Altersgruppe mehr Kinderkrankentage geben als für ältere Kinder. Es dürfe nicht das Ergebnis der Reform sein, Eltern zu zwingen, kranke Kinder in Kita oder Schule zu schicken, weil die Kinderkrankentage nicht ausreichen, hieß es.
Auch Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch erklärte, auf Kosten von Familien mit Kindern zu sparen, sei der falsche Weg. Dass sich jedes berufstätige Elternteil 15 statt 10 Tage im Jahr um ein krankes Kind kümmern könne und in dieser Zeit Lohn bekomme, sei eine Errungenschaft für Eltern aus der Corona-Pandemie.
Es sei Realität in etlichen Familien, dass Kinder länger krank würden. Da brauche es Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es brauche grundlegende Reformen, um das Gesundheitswesen zukunftssicher aufzustellen, so Schuch. (dpa/afp/kna)
