Kolumbien wählt einen neuen Präsidenten. Die Wahl ist von zunehmender Gewalt und politischer Anspannung überschattet.
Schwerste GewaltwelleKolumbien wählt neuen Präsidenten unter Waffengewalt

Rund 41 Millionen Bürger sind dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. (Archivbild)
Copyright: Fernando Vergara/AP/dpa
Ungefähr 41 Millionen Wahlberechtigte in Kolumbien bestimmen heute die Nachfolge für das Präsidentenamt. Die Wahl findet inmitten zunehmender Gewalttaten und erheblicher politischer Auseinandersetzungen statt. Der amtierende linke Staatschef Gustavo Petro kann laut Verfassung nicht für eine weitere Amtszeit antreten.
Das Bewerberfeld umfasst insgesamt 14 Personen, wobei sich laut derzeitigen Erhebungen drei Hauptanwärter herauskristallisieren. Zu diesen zählt Iván Cepeda, ein linker Senator aus dem Regierungslager, der die Reformagenda von Petro weiterführen möchte. Ebenfalls zu den Favoriten gehört Paloma Valencia, eine konservative Senatorin aus dem Kreis um Ex-Präsident Álvaro Uribe, welche eine strikte Sicherheitspolitik befürwortet.
Dem rechtsorientierten Juristen Abelardo de la Espriella werden ebenfalls hohe Erfolgsaussichten zugeschrieben. Er plädiert unter anderem für eine Reduzierung des Staatsapparates sowie für eine unnachgiebige Strategie gegenüber militanten Organisationen.
«Eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre»
Die angespannte Sicherheitslage hat die Endphase des Wahlkampfes immer stärker geprägt. Kristin Wesemann, die das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Kolumbien leitet, konstatierte, das Land durchlebe momentan «eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre».
Vor dem Wahltag ereignete sich eine Serie von Attentaten, die Todesopfer und Verletzte unter Zivilpersonen, Militärangehörigen und Polizeikräften forderten. Das Land ist jedoch schon seit längerer Zeit von politisch motivierter Gewalt betroffen: So wurde im Juni des Vorjahres Miguel Uribe Turbay, ein konservativer Senator, während eines Wahlkampfauftritts in der Metropole Bogotá durch Schüsse verletzt und verstarb infolgedessen.
Laut der Bewertung der KAS-Spezialistin haben militante Gruppierungen ihre Präsenz in zahlreichen Gebieten ausgedehnt. Wesemann äußerte: «67 Prozent aller Gemeinden [...] sind den illegalen Netzwerken und Gruppen ausgesetzt». Parallel dazu seien «die staatlichen Sicherheitsstrukturen extrem geschwächt».
Laut einem Report des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz hatte Kolumbien im vergangenen Jahr die gravierendsten humanitären Auswirkungen durch bewaffnete Auseinandersetzungen seit zehn Jahren zu verzeichnen. Demzufolge wurden über 235.000 Personen aus ihrer Heimat vertrieben.
Petros Strategie des «totalen Friedens»
Somit gerät die Sicherheitslage zu einem zentralen Aspekt in der Amtsbilanz von Petro. Im Jahr 2022 trat der erste linke Präsident in Kolumbiens Historie mit dem Wahlversprechen an, einen «totalen Frieden» zu schaffen. Sein Ziel war es, die seit Jahrzehnten andauernde Gewalt mittels Verhandlungen mit militanten Organisationen zu beenden. Ein signifikanter Erfolg konnte bisher allerdings nicht verzeichnet werden.
Unterstützer der Administration heben im Gegensatz dazu soziale Errungenschaften hervor. Laut einer Analyse vom Center for Economic and Policy Research (CEPR), einem unabhängigen US-Thinktank, erhöhten sich in Petros Amtszeit die Sozialleistungen erheblich. Des Weiteren wurde der Mindestlohn gesteigert und die Armutsrate ist seit 2022 merklich gefallen. Ebenso war die Arbeitslosenquote zuletzt rückläufig.
Allerdings wurden diverse Reformvorhaben im Kongress blockiert oder erfuhren Verzögerungen. Für wiederholte Kritik sorgten außerdem häufige Kabinettsumbildungen sowie öffentlich geführte Auseinandersetzungen innerhalb der Regierung. Petro zeigte sich auch in der Außenpolitik oft konfrontativ. Das Verhältnis zu Donald Trump, dem Präsidenten der USA, wird unter anderem aufgrund von Differenzen bei den Themen Migration, Abschiebungen und Drogenbekämpfung als belastet angesehen. (dpa/red)
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