Russlands Außenminister Sergej Lawrow nutzt eine Pressekonferenz für scharfe Angriffe auf Europa. Trump kommt vergleichsweise gut weg.
„Erinnern uns gut daran“Angriffe auf Merz und kruder Grönland-Vergleich – Moskau bekräftigt Ziele

Kremlchef Wladimir Putin (l.) zusammen mit dem russische Außenminister Sergej Lawrow. (Archivbild)
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Moskaus Außenminister Sergej Lawrow hat seine Pressekonferenz zum Jahresauftakt genutzt, um Europa und insbesondere Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) anzugreifen. Mit den aktuellen Anführern Europas könne Russland kaum zurechtkommen, erklärte Lawrow. Die Europäer hätten sich zu sehr „reingesteigert in den Hass auf Russland“ und würden einen „Krieg gegen Russland“ vorbereiten, behauptete der russische Außenminister weiter, der zudem auch dem Baltikum „Russophobie“ vorwarf.
Dass es Russland war, das 2022 die gesamte Ukraine überfallen hat und seitdem Cyber- und Sabotage-Angriffe gegen europäische Länder duchführt, erwähnte Lawrow ebenso wenig wie die russische Umstellung auf eine Kriegswirtschaft, die fortwährend Drohnen und andere Waffensysteme produziert.
Sergej Lawrow äußert sich ausführlich zu Friedrich Merz
Erneute bediente Lawrow zudem das russische Narrativ, dass in der Ukraine ein „Nazi-Regime“ an der Macht sei, dessen Fortbestehen Moskau nicht akzeptieren könne und betontem abermals, die „Grundursachen des Konflikts“ müssten gelöst werden, ehe es einen Frieden in der Ukraine geben könne. Mit dieser Floskel verweist Moskau üblicherweise auf die eigenen Maximalforderungen, die weiterhin einer ukrainischen Kapitulation gleich kommen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow spricht während seiner jährlichen Pressekonferenz zu Jahresbeginn.
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Bei seiner Pressekonferenz nahm Lawrow auch Bundeskanzler Merz ins Visier. „Das Ziel, uns eine strategische Niederlage zuzufügen, wird zwar nicht mehr so oft erwähnt, aber dennoch scheint es nach wie vor in den Köpfen und Plänen vor allem der europäischen Staats- und Regierungschefs präsent zu sein“, sagte Lawrow mit Blick auf den CDU-Politiker und verwies auf früheren Aussagen des Kanzlers, dass Deutschland wieder die stärkste Armee in Europa haben sollte.
Moskau sieht „Selbstüberschätzung der deutschen Führung“
„Derselbe Herr Merz sagte kürzlich, dass man Russland nicht erlauben dürfe, in der Ukraine zu gewinnen, da dies einer Beschwichtigung Hitlers gleichkäme“, erklärte Lawrow weiter. „Nur wenige haben darauf geachtet, aber es wäre lohnenswert gewesen.“ In Russland „erinnern wir uns natürlich gut daran, wohin eine solche Selbstüberschätzung der deutschen Führung mehrmals in der Geschichte geführt hat“, fügte der Außenminister hinzu und verglich Merz' Worte somit indirekt mit den einstigen Großmachtbestrebungen Nazi-Deutschlands.
Lawrow äußerte sich bei seinem Auftritt unterdessen auch zum Streit um Grönland, der zwischen den USA und Europa entbrannt ist, und wies den Vorwurf von US-Präsident Donald Trump zurück, dass Russland oder China angeblich Grönland angreifen wollen.
Moskau: Trump könnte in „Weltgeschichte“ eingehen
„Wir haben mit dieser Frage nichts zu tun“, sagte Lawrow. Er zweifle nicht daran, dass auch in Washington sehr gut verstanden werde, dass Moskau und Peking keine solchen Pläne hegten. Russland beobachte die Lage. „Das ist zweifellos eine ernste geopolitische Situation“, betonte Moskaus Chefdiplomat.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte derweil noch am Vortag einen Kommentar zu den Vorwürfen eines angeblich geplanten Angriffs Russlands auf Grönland zurückgewiesen. Zugleich sagte der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin, dass Experten zuzustimmen sei, dass Trump mit einer Vereinigung der Insel mit den USA in die „Weltgeschichte“ eingehe.
Lawrow vergleicht Krim-Annexion mit Grönland-Frage
Moskau kommen Trumps Ansprüche auf die Arktis-Insel gelegen, weil sie die Aufmerksamkeit der EU-Staaten von Russlands Krieg gegen die Ukraine ablenken. Lawrow zog nun sogar Parallelen zur Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland 2014.
Die Krim sei für Russlands Sicherheit nicht weniger wichtig als Grönland für die USA, erklärte Lawrow und spielte damit auf Trumps Behauptung an, dass Grönland benötigt werde, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gewährleisten. Genüsslich wies Lawrow auch darauf hin, dass Trump seine eigenen moralischen Maßstäbe zur Grundlage seiner Politik mache – und nicht das internationale Recht.
Moskau: Grönland „nicht natürlicher“ Teil Dänemarks
Der russische Chefdiplomat ging dabei so weit zu betonen, dass die Völker das Recht auf Selbstbestimmung hätten, obwohl Russland sich die Krim und dann auch in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine die Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson nach international nicht anerkannten Volksabstimmungen einverleibt hat. Grönland selbst bezeichnete Lawrow derweil als „koloniale Eroberung“ und „nicht natürlichen Teil“ Dänemarks.
Während der russische Außenminister am Dienstag den russischen Kriegskurs mit seinen Äußerungen erneut unterstrichen hat, bombardiert die russische Armee weiterhin unnachgiebig Ziele in der Ukraine. Nach erneuten russischen Luftangriffen harren in der Hauptstadt Kyjiw bei Temperaturen deutlich unter Null Grad tausende Menschen ohne Heizung aus, wie der Bürgermeister Vitali Klitschko am Dienstag erklärte.
Russland bombardiert weiter: Tausende ohne Heizung und Wasser
Rund 6.000 Wohnhäuser hätten derzeit keine funktionierende Heizung, ein großer Teil der Stadt verfüge zudem momentan nicht über fließendes Wasser, teilte Klitschko mit. Bei den erneuten Angriffen sei auch eine Grundschule beschädigt worden, hieß es weiter.
Auch der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, machte erneut auf die dramatische Lage der in Ukraine aufmerksam. „Tausende Häuser in Kyjiw sind nach Russlands Angriff ohne Heizung. Draußen sind es minus 15 Grad“, schrieb Makeiev am Dienstag auf der Plattform X.
Während internationale Staatschefs sich in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos versammelten, zeige Putin „seine wahren Absichten und setzt seinen genozidalen Krieg fort“, hieß es weiter von Makeiev, der hinzufügte: „Wie viele Weckrufe braucht man noch?“ (mit dpa)

