Im Kontext des Hackerangriffes gegen die AfD kursiert im Internet ein Screenshot mit vermeintlichen Mails aus dem Datenleak. Der Wortlaut dieser drei angeblichen Mails stimmt nach ersten Erkenntnissen nicht mit dem Leak überein.
Eine Mail wird dem Leverkusener Landtagsabgeordneten und Stadtrat Andreas Keith zugeschrieben. Darin soll Keith unter anderem in einer strafrechtlich relevanten Dimension den Holocaust verharmlost, beziehungsweise geleugnet haben. Diese angebliche Mail von 2019 ist nach ersten Erkenntnissen nicht Teil des Daten-Leaks und falsch. Andreas Keith kündigte rechtliche Schritte an und versicherte an Eides statt, nicht Urheber einer solchen Nachricht zu sein.
Zwar befindet sich offenbar in dem Leak eine Mail von Keith vom selben Datum wie auf dem Screenshot angegeben. Der Inhalt scheint jedoch ein anderer zu sein: Dem tatsächlichen Leak zufolge soll Keith an diesem Datum auf eine Forderung nach einem Parteiausschluss gegen einen weiteren AfD-Funktionär geantwortet haben und kündigte ein Gespräch mit diesem an. Keith war damals Mitglied des Landesvorstands. Der AfD-Funktionär (nicht Keith) soll verklausuliert Adolf Hitler zum Geburtstag gratuliert haben, worüber mehrere Medien bereits 2019 berichteten.
Ein Leverkusener SPD-Mitglied hatte am Mittwochmorgen, offenbar auf Grundlage des kursierenden Screenshots, Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Die Sozialdemokraten hatten zudem in einer Pressemitteilung Keiths Rücktritt von allen Ämtern gefordert. Der Leverkusener SPD-Chef Darius Ganjani teilt auf Anfrage der Redaktion mit, dass man den betreffenden Social-Media-Beitrag zurückziehen werde, solange Zweifel an der Echtheit beständen.
In dem Screenshot ist ebenfalls eine vermeintliche Mail des Kölner Kreisvorsitzenden Christer Cremer enthalten. Eine Mail in diesem Wortlaut ist nach übereinstimmenden Informationen dieser Redaktion nicht in den geleakten Informationen zu finden. Cremer selbst veröffentlichte am Mittwoch ein Statement, in dem er die Mail aus dem Screenshot als gefälscht bezeichnete. Er habe Strafanzeige erstattet.
Der Screenshot zeigt eine dritte Mail, laut der ein Hotelinhaber im Jahr 2016 an Frauke Petry geäußert habe, man müsse an der Grenze auf Geflüchtete schießen. Eine solche Mail mit ähnlichem Inhalt soll offenbar tatsächlich am selben Tag an Petry verschickt worden sein. Der Wortlaut auf dem Screenshot entspricht jedoch auch hier nicht den der Redaktion bisher bekannten Informationen aus dem Leak.
Die Redaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ arbeitet daran, Informationen aus dem Leak auszuwerten und wird nach sorgfältiger Prüfung gegebenenfalls berichten. (red)
