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Rekord bei Männerhilfetelefon„Meine Frau schlägt mir ins Gesicht – was soll ich denn da machen?“

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Häusliche Gewalt gegen Männer ist oft immer noch ein Tabuthema.

Häusliche Gewalt gegen Männer ist oft immer noch ein Tabuthema.

Seit dem Start des Männerhilfetelefons im Jahr 2020 ist die Nachfrage nach dem Beratungsangebot für gewaltbetroffene Männer ungebrochen.

Für viele Betroffene ist die Situation peinlich. Aber immer mehr Opfer finden den Mut, sich beraten zu lassen. Die Zahl der Anrufe beim Männerhilfetelefon, das unter anderem von der schwarz-grünen Landesregierung gefördert wird, ist 2025 erneut auf 4051 Kontakte gestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 wurden 3311 Anrufe gezählt. Das entspricht einem Zuwachs von 22,3 Prozent innerhalb von zwei Jahren. „Alle Formen von Gewalt müssen verhindert werden. Gewalt an Männern darf dabei kein Tabuthema sein“, sagte NRW-Gleichstellungsministerin Verena Schäffer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die aktuellen Zahlen machten deutlich, dass das Angebot eine „wertvolle Unterstützung“ biete, die bei den Hilfesuchenden ankomme.

Aus dem aktuellen Jahresbericht zur Arbeit der Männerberatungsstelle geht hervor, dass der größte Anteil der Anrufer zwischen 31 und 40 Jahre alt ist. In 93,5 Prozent der Fälle waren die Kontaktsuchenden heterosexuell. Nur zwölf Prozent gaben an, einen Migrationshintergrund zu haben. Das Hilfsangebot war vor sechs Jahren von den Ländern NRW und Bayern ins Leben gerufen worden. Inzwischen ist die Rufnummer 0800 1239900 bundesweit erreichbar.

Dem Bericht zufolge waren im Jahr 2025 die Mehrzahl der Anrufer von Gewalt durch die Partnerin oder den Partner (43,5 Prozent) oder die Ex-Partnerin oder den Ex-Partner (17,8 Prozent) betroffen. Die gewaltbetroffenen Männer haben am häufigsten von psychischen Gewalterfahrungen berichtet (54 Prozent), um körperliche Gewalt ging es in 39 Prozent der Fälle. Die Betroffenen wurden überwiegend an die Polizei, an Anwälte oder an Fachberatungsstellen weitervermittelt.

Männer leiden unter Kontrolle durch Partnerin

Der Tatort war zumeist die eigene oder eine andere Wohnung (76 Prozent). Nur rund zwölf Prozent der Betroffenen berichteten von Gewalterfahrungen im öffentlichen Raum. „Meine Partnerin schlägt mir häufig ins Gesicht, beschimpft und demütigt mich – was soll ich denn da machen als Mann?“, lautet die Frage eines Anrufers, die auf einem Beratungsflyer nachzulesen ist. Ein anderer berichtet: „Meine Frau beleidigt und erniedrigt mich. Ich habe Angst, dass auch unsere Kinder darunter leiden.“

In aktuellen Umfragen unter jüngeren Männern geben mehr als 70 Prozent der Befragten an, sich bei psychischen Problemen, Ängsten oder emotionalen Belangen nicht an andere zu wenden oder aktiv Unterstützung zu suchen. Das Hilfsangebot soll den Betroffenen das Gefühl vermitteln, nicht allein mit ihrem Problem zu sein. Laut der Studie berichteten vier von zehn Anrufern, beständig kontrolliert zu werden. Die Frauen nehmen den Männern das Smartphone ab und lesen die Nachrichten. Zum Teil werden Kontakte untersagt. „Wenn Diffamierungen, Nötigungen und Drohungen aber auf Dauer erlitten werden, zerstört dies häufig das eigene Identitätsempfinden und vor allem das Selbstvertrauen nachhaltig“, heißt es auf der Homepage des Hilfetelefons.

Gewalt geht häufiger von Männern aus

In Deutschland sind Frauen mit rund 79 bis 80 Prozent deutlich häufiger Opfer von Partnerschaftsgewalt als Männer. Laut Bundeskriminalamt machen 20 bis 21 Prozent Fälle mit männlichen Opfern aus.

Mit dem Männerhilfetelefon erfüllen die beteiligten Bundesländer auch eine Vorgabe der EU-Gewaltschutzrichtlinie.  Ergänzend zum Beratungsangebot hat das Land schon vor sechs Jahren Schutzwohnungen für betroffene Männer und ihre Kinder geschaffen. Die befinden sich in Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach, Warendorf und Bielefeld.