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Streit um WettkämpfeBundesjugendspiele sollen wieder härter werden – Kontroverse in NRW

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Eine Schülerin beim Weitwurf.

Eine Schülerin beim Weitwurf.  

Die Rückkehr zum Wettkampfmodus löst Emotionen aus. Wie ist die Umsetzung in NRW geplant?

Die Bundesjugendspiele in Deutschland sollen wieder härter werden. Die Kultusministerkonferenz in München hat beschlossen, dass auch in den Grundschulen wieder klassische Wettkämpfe stattfinden können. Dabei sollen Leistungen wieder mit Stoppuhr und Maßband gemessen werden. In NRW soll es dazu allerdings keine Verpflichtung geben: „Schulen in Nordrhein-Westfalen können in allen Klassenstufen frei entscheiden, ob sie die Bundesjugendspiele in der Wettbewerbsform oder in der Wettkampfform durchführen“, sagte ein Sprecher von NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) unserer Zeitung.

Bei einer Reform der Bundesjugendspiele war vor drei Jahren beschlossen worden, dass die jährlich stattfindenden Spiele für alle Grundschulkinder bis zur vierten Klasse nicht mehr im Wettkampfmodus, sondern in Form von weniger kompetitiven Wettbewerben durchgeführt werden sollten. Ziel war es, den Kindern Versagensängste zu nehmen. Für schwächere oder unsportliche Schüler seien sie Spiele oft ein Frustrationserlebnis, hieß es damals. Beim Weitsprung reichte es zum Beispiel, in einer bestimmten Zone zu landen.

GEW-Landeschefin kritisiert Wahlfreiheit

Nun dreht die Kultusministerkonferenz das Rad wieder zurück. Eine Entscheidung, die in NRW kontrovers diskutiert wird. Ayla Celik, Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, sieht die „Rolle rückwärts“ kritisch. „Die Umstellung von der Wettkampf- auf die Wettbewerbsform verfolgte einen klaren pädagogischen Ansatz: Sportlichkeit sollte stärker vom einzelnen Kind aus gedacht und weniger an normierten Leistungswerten gemessen werden“, sagte Celik. Individuelle Fortschritte, unterschiedliche Voraussetzungen und persönliche Entwicklung sollten stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.

Gerade angesichts der Tatsache, dass sich viele Kinder heute zu wenig bewegen würden, bleibe dieses Ziel „weiterhin wichtig und richtig“, sagte die GEW-Chefin unserer Zeitung. „Wenn wir Kinder dauerhaft für Sport und Bewegung begeistern wollen, erreichen wir dies eher über gemeinsame Erfolgserlebnisse als über die reine Orientierung an Zeiten, Weiten und Platzierungen“, so die Landesvorsitzende.

Problematisch sei zudem die nun geschaffene Wahlfreiheit. „Sie schafft keine größere Klarheit, sondern birgt die Gefahr neuer Diskussionen und Vergleichbarkeit zwischen Schulen. Schon bald könnte die Frage gestellt werden, warum die eine Schule die Wettkampfform und die andere die Wettbewerbsform gewählt hat“, kritisierte Celik.

Damit könnten „neue Rechtfertigungszwänge und Debatten vor Ort drohen“, die die eigentlichen Herausforderungen überdecken würden. „Noch immer verlassen Kinder die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können. Noch immer fällt Sportunterricht aus, weil Sporthallen sanierungsbedürftig sind oder aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden können. An manchen Schulen bröckelt sprichwörtlich der Putz von der Decke“, so die Bildungsexpertin.

Landtagsfraktionen zeigen sich in der Frage gespalten

Auch die Grünen warnten vor einer einseitigen Debatte. „Wer die Herausforderungen im Nachwuchs- und Spitzensport lösen will, sollte zudem nicht den Fehler machen, diese allein auf die Bundesjugendspiele zu verengen“, sagte die Sprecherin für Schule und Bildung, Lena Zingsheim-Zobel, unserer Zeitung. Eine „nachhaltige Förderung junger Talente“ brauche gute Rahmenbedingungen im Schul- und Vereinssport sowie eine gezielte Nachwuchsförderung. „Für uns steht im Mittelpunkt, dass Kinder Freude an Bewegung entwickeln und Sport als positive Erfahrung erleben“, so Zingsheim-Zobel.

Tülay Durdu, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW, sieht das ähnlich. „Entscheidend ist, dass die unterschiedlichen Formate sinnvoll eingesetzt werden und die Freude an Bewegung und Sport für alle Kinder erhalten bleibt“, sagte Durdu. Die Bundesjugendspiele sollten Leistungsbereitschaft fördern, individuelle Fortschritte sichtbar machen – „und gleichzeitig niemanden ausschließen“.

Kinder einer Grundschule stehen im Rahmen der Bundesjugendspiele auf einem Sportplatz. (Archivbild)

Kinder einer Grundschule stehen im Rahmen der Bundesjugendspiele auf einem Sportplatz. (Archivbild)

Die Diskussion um die Durchführung der Bundesjugendspiele erinnert viele Fachpolitiker an die emotionalen Debatten, die um die neuen Spielformen im Kinderfußball geführt werden. Dort spielen die Kinder in den unteren Altersklassen nicht mehr im Ligabetrieb, sondern tragen die Begegnungen in sogenannten Spielfestivals aus, bei denen Ergebnisse nicht offiziell aufgeschrieben werden.

Jens Nettekoven, sportpolitischer Sprecher der CDU, begrüßte den Vorstoß der Kultusminister. „Das Miteinandermessen gehört zum Wesen des Sports. Gerade in einer Zeit, in der Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen zunehmend Sorgen bereitet, braucht es Anreize, Herausforderungen und die Motivation, die eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern“, sagte Nettekoven. Auch pädagogisch sei die Entscheidung richtig. „Kinder und Jugendliche sollten lernen, mit Erfolg und Enttäuschung umzugehen. Dazu gehört, die eigene Leistung realistisch einzuschätzen, Anstrengung wertzuschätzen und bessere Leistungen anderer anzuerkennen.“ Der Sport vermittle genau diese Fähigkeiten und leiste damit einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Die Antwort auf mögliche Enttäuschungen könne nicht darin bestehen, den Wettbewerb abzuschaffen.

Auch für Christof Rasche, sportpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion NRW, geht es ums Prinzip: „Kinder haben Lust auf Wettkampf – wir sollten aufhören, Wettkämpfe zu verhindern. Stattdessen sollten wir sie fördern.“ Der Vizepräsident des Düsseldorfer Landtags sprach sich zudem dafür aus, dass in den Ehren- und Siegerurkunden wieder die erreichte Punktzahl zu lesen sein soll. „Wir fordern eine konsequente Rückkehr zum Leistungsprinzip und keine halbherzigen Lösungen“, sagte Rasche. Diesen Weg wünsche er sich auch im Fußball: „In allen Altersklassen sollten die Tore gezählt werden dürfen.“