Die Debatte über die Reform der Bundesjugendspiele schlägt hohe Wellen. Den Schulsport plagen indessen ganz andere Probleme.
BundesjugendspieleKampf gegen marode Turnhallen und fehlende Bäder wäre wichtiger


Eine Schülerin der 5. Klasse läuft im Sportunterricht über eine umgedrehte Holzbank.
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Die Debatte um die künftige Durchführung der Bundesjugendspiele löst große Emotionen aus. Die Kultusministerkonferenz hat jetzt beschlossen, dass sportliche Leistungen auch von Grundschülern wieder mit Stoppuhr und Maßband gemessen werden sollen. Um unsportlichen Schülern Frustrationen zu ersparen, waren die Ergebnisse zuletzt eher im Vagen geblieben. Ein fragwürdiger pädagogischer Ansatz. Folgerichtig müssten auch in den anderen Fächern Noten abgeschafft werden, um das Erlebnis von möglichen Misserfolgen zu verbannen.
Das Klischee, dass die Gesellschaft aktiv zu einer Verweichlichung der Kinder beitrage, treibt die Befürworter von härteren Bundesjugendspielen an. Auch die polemischen und überwiegend von Unkenntnis geprägten Debatten um die neuen Spielformen im Kinderfußball zeigen, welche Sprengkraft das Thema hat. Die Aversionen gegen eine „zu woke“ Erziehung sind groß. Das verstellt leider oft den Blick auf den Kern des Problems.
Diskussion über prekäre Bedingungen statt Empörungsrhetorik
Bundesjugendspiele gibt es nur an einem Tag im Jahr. Sie entscheiden nicht darüber, wie es um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Spitzensports in Deutschland oder die Nachwuchsförderung bestellt ist. Viel wichtiger wäre es, die wirklich wichtigen Themen in den Blick zu nehmen. Warum lässt die Gesellschaft es zu, dass so viele Grundschulkinder in NRW nicht schwimmen können? Warum zucken die Verantwortlichen oft nur mit den Schultern, wenn kritisiert wird, dass Turnhallen und Sportplätze in allen Landesteilen zerbröseln?
Die Schüler haben nichts von einer Symboldebatte über die Art und Weise, in der Bundesjugendspiele durchgeführt werden. So manche Grundschule in Köln wäre froh, wenn sie überhaupt einen Sportplatz zur Verfügung hätte. Eine Diskussion darüber, wie man die prekären Rahmenbedingungen des Schulsports verbessern kann, wäre zielführender als kostenlose Empörungsrhetorik.
