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Familienbericht NRWMütter treten weiterhin deutlich öfter im Job kürzer als Väter

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Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, schaut bei der Vorstellung in den Familienbericht für Nordrhein-Westfalen.

 Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, schaut bei der Vorstellung in den Familienbericht für Nordrhein-Westfalen. 

Was der neue Familienbericht noch über die Lebenslagen im Land zeigt

Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht Nordrhein-Westfalen noch ein langer Weg bevor: Weiterhin reduzieren Mütter deutlich häufiger ihre Arbeitszeit als Väter. Im Jahr 2024 arbeiteten Männer pro Woche im Durchschnitt 39 Stunden – ein leichter Trend nach unten. Die wöchentlichen Arbeitsstunden von Müttern stiegen auf durchschnittlich 27 Stunden. Das geht aus dem Familienbericht NRW hervor, den Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) am Mittwoch in Düsseldorf vorstellte. 

Trotzdem übernehmen Frauen weiterhin einen Großteil der Kinderbetreuung. Das gilt auch für Familien, in denen beide Elternteile Vollzeit arbeiten. An Werktagen verbringen Mütter doppelt so viele Stunden mit Kinderbetreuung und Haushalt wie Väter. „Mit diesem Ungleichgewicht in Familien kann ich als Gleichstellungsministerin nicht zufrieden sein“, sagte Schäffer vor Journalisten im Düsseldorfer Landtag. Wenn Frauen zurückstecken, gehe das zulasten ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, Altersvorsorge und Karriere. Mehr als die Hälfte der Eltern berichtet zudem von dem Gefühl, nicht ausreichend Zeit für seine Kinder zu haben. 

Das Familienministerium hatte das Deutsche Jugendinstitut (DJI) im Jahr 2023 mit der Erstellung des Familienberichts beauftragt. Es ist der erste Bericht dieser Art seit 2015; er basiert unter anderem auf amtlichen Statistiken, Daten aus DJI-Studien und landesspezifischen Befragungen. 

Alleinerziehende am Häufigsten von Armut betroffen

In Nordrhein-Westfalen geht die Zahl der Familien weiter zurück. 2024 lebten im bevölkerungsreichsten Bundesland knapp 1,8 Millionen Familien mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren – das sind etwa 200.000 weniger als vor 30 Jahren. Ein Grund ist die Geburtenrate: Sie sank 2024 auf durchschnittlich 1,38 Kinder pro Frau. 

Jedes vierte Kind im Land  lebt nur mit einem Elternteil zusammen. Die Mehrheit dieser Kinder hat Kontakt zu beiden Elternteilen, doch Trennungskinder leben fünfmal so oft bei der Mutter wie beim Vater. Alleinerziehende Elternteile sind mit Abstand am häufigsten von Armut betroffen. Auch kinderreiche Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte sind überdurchschnittlich oft von Armut betroffen. Das wirkt sich auf den Lebenslauf der nächsten Generation aus: Kinder aus armen Familien erreichen im Durchschnitt niedrigere Bildungsabschlüsse und haben ein erhöhtes Risiko, auch als Erwachsene in Armut zu leben. 

Knapp die Hälfte der Familien mit minderjährigen Kindern hat eine Migrationsgeschichte. In diesen Familien sei „Mehrsprachigkeit sehr weit verbreitet“, sagt Susanne Kuger vom DJI. Die Hälfte der Familien spricht zu Hause Deutsch und mindestens eine weitere Sprache, ein Viertel spricht ausschließlich Deutsch. Nur 16 Prozent der Familien mit Migrationsgeschichte sprechen demnach zu Hause gar kein Deutsch. 

Die größten Sorgen von Eltern in Nordrhein-Westfalen beziehen sich dem Bericht nach auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Fast die Hälfte der befragten Eltern sorgt sich um die Wirtschaft, drei Viertel bereitet die gesellschaftliche Spaltung große Sorgen. Am weitesten verbreitet sind Sorgen über Ausländerfeindlichkeit: 80 Prozent der Mütter und 66 Prozent der Väter geben an, diesbezüglich große Sorgen zu haben. Auch unter Kindern war dieser Wert mit 53 Prozent am ausgeprägtesten.