Wegen der Einstellungsoffensive der Landesregierung gibt es einen Personalhöchststand bei der NRW-Polizei.
In NRW sind ab Herbst mehr als 39000 Beamte im EinsatzPersonalhöchstand bei der NRW-Polizei

3000 Polizeianwärter warfen im April bei einer Vereidigungsfeier der Polizei Nordrhein-Westfalen in Köln ihre Mützen in die Luft.
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Die Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen steuern im Herbst auf einen historischen Personalhöchststand zu. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zur aktuellen Prognose für die Belastungsbezogene Kräfteverteilung (BKV) werden den Behörden zum 1. Oktober 2026 rund 700 Planstellen mehr zur Verfügung stehen als noch im Vorjahr. Damit steigt das prognostizierte Ist-Personal in den Kreispolizeibehörden auf den Rekordwert von 39.459 Beamten.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich angesichts dieser Zahlen hochzufrieden: „Rund 700 neue Polizistinnen und Polizisten erwarten wir in diesem Jahr nach aktuellen Prognosen für unsere Polizei. Das sind mehr Augen, die hinschauen und mehr Hände, die eingreifen, wenn es nötig ist“, sagte Reul im Gespräch mit dieser Zeitung. Für die Bürger im Land bedeute dies spürbare Entlastung: „Das bedeutet ganz praktisch: mehr Streifen, die abends durchs Viertel fahren und mehr Ermittler, die Tätern auf der Spur sind.“
Wieviele Beamte die einzelnen Dienststellen in Köln, Bonn oder der Region letztlich erhalten, berechnet das Innenministerium über die sogenannte Belastungsbezogene Kräfteverteilung. Hierbei entscheiden vor allem die lokalen Kriminalitäts- und Verkehrshäufigkeitszahlen darüber, wo der Bedarf am größten ist. Die finale Aufteilung der zugewiesenen Kräfte erfolgt im Herbst autark durch die Kreispolizeibehörden vor Ort. Köln soll 61 Polizisten mehr erhalten. Seit 2020 kamen damit 374 Kräfte hinzu. Insgesamt sind in Köln mehr als 4800 Polizisten im Einsatz.
Bei der Entwicklung der Planstellen in den vergangenen Jahren zeigt die Kurve nach oben. 2020 waren es 37.597, im Jahr 2025 waren es 38.759. Hinter dem Aufwuchs steht ein Kraftakt bei der Nachwuchsrekrutierung. Im Jahr 2023 knackte die Polizei NRW mit 3000 neu eingestellten Anwärtern erstmals ihr selbst gestecktes Rekordziel – der einstellungsstärkste Jahrgang in der Geschichte der Landespolizei. „Dahinter stehen nicht bloß Zahlen, sondern Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen“, sagte Reul zu dem langfristigen Kurs. „Genau so wird NRW Schritt für Schritt sicherer.“
Um diese Marke im harten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt überhaupt zu halten, musste das Ministerium die Hürden lockern. So wurde die Mindestgröße gekippt: Bewerber unter 1,63 Meter erhalten nun über einen speziellen Test eine Chance. Zudem wurden die Auswahlverfahren beschleunigt, um Interessenten schneller mit festen Zusagen an die Behörde zu binden. Notwendig ist der Druck allemal, da die massive Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge aufgefangen werden muss.
Die hohen Einstellungszahlen haben jedoch auch eine Kehrseite: Die Abbrecherquote im Bachelorstudium an der Polizei-Hochschule liegt konstant bei über 20 Prozent. Fast jeder fünfte Polizeianwärter wirft vorzeitig hin oder scheitert an den hohen Anforderungen.
Als unangefochtenes „K.o.-Fach“ gilt dabei das Eingriffsrecht. Hier lernen die Studierenden die juristische Millimeterarbeit: Wann und wie darf ich die Grundrechte der Bürger – etwa durch eine Festnahme oder eine Durchsuchung – einschränken? Fehler im Ernstfall wiegen schwer: Im schlimmsten Fall stehen Beamte wegen Freiheitsberaubung oder Körperverletzung im Amt selbst mit einem Bein im Gefängnis.
Patrick Schlüter, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW (GdP), erklärte. für „Euphorie“ bestehe noch „kein Anlass“. Die Belastung bei der Polizei sei „auf breiter Front so groß, dass 700 Kräfte mehr – wohlgemerkt landesweit – nur ein erster Schritt" sein könnten: „In allen Direktionen arbeiten Kolleginnen und Kollegen seit Jahren am Limit. Die Einstellungszahlen müssen also weiter hoch bleiben, das ist sehr wichtig“, sagte Schlüter.
Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sprach von einer guten Nachricht. Die Entstehung neuer Kriminalitätsphänomene bedeute keinen Rückgang der klassischen Kriminalität – und schon gar keinen Rückgang der von vielen Menschen als sehr belastend empfundenen Straßenkriminalität, sagte Vize-Landeschef Sascha Gerhardt. „Zur sachgerechten Aufgabenwahrnehmung und zur besseren Sichtbarkeit der Polizei im öffentlichen Raum benötigt sie tatsächlich auch dringend mehr Personal.“
