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Lahme NRW-VerwaltungBritischer Arzt wartet trotz Fachkräftemangels 134 Tage auf Anerkennung

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Ein Flüchtling arbeitet in einer Lernwerkstatt unter professioneller Anleitung an einem Werkstück.

Ein Flüchtling arbeitet in einer Lernwerkstatt unter professioneller Anleitung an einem Werkstück.  

Ausländische Fachkräfte sollen helfen, den Personalmangel in NRW zu lindern. Doch die Anerkennung ihrer Abschlüsse zieht sich monatelang hin.

Wer in Nordrhein-Westfalen mit einem ausländischen Berufsabschluss arbeiten will, braucht mitunter viel Geduld. Im vergangenen Jahr dauerte die Anerkennung eines Abschlusses aus einem Drittstaat im Schnitt 79,38 Tage. Bei Abschlüssen aus Großbritannien waren es sogar 134,4 Tage – also rund viereinhalb Monate.

Die Zahlen stammen aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Werner Pfeil. Der Aachener Abgeordnete kritisiert die langen Verfahren scharf. Gerade bei Fachkräften, die dringend gebraucht würden, könne sich NRW solche Wartezeiten nicht leisten.

Besonders bemerkenswert ist für Pfeil die Zahl für Großbritannien. „Aus Großbritannien lag der Landesregierung im Berichtszeitraum genau ein Antrag auf ärztliche Approbation vor. Ein einziger“, sagt der FDP-Politiker. Die Bearbeitungszeit für Berufsabschlüsse aus dem Vereinigten Königreich habe dennoch im Schnitt 134 Tage betragen. „Viereinhalb Monate für einen Vorgang aus einem Land, das 47 Jahre EU-Mitglied war und dessen Abschlüsse bis vor wenigen Jahren schlicht eins zu eins anerkannt wurden.“

Verfahren in Münster gebündelt

Pfeil verweist dabei auf einen Fall aus seinem Wahlkreis Aachen. Dort habe ein Mann wegen des langwierigen Verfahrens eine Stelle nicht rechtzeitig antreten können. Für den FDP-Politiker ist das ein Beispiel für ein grundsätzliches Problem. „Die Ausrede vom komplizierten Einzelfall zählt hier nicht“, sagt er. Unter Beteiligung der FDP seien die Approbationsverfahren bei der Bezirksregierung Münster zentralisiert worden – gerade mit dem Ziel, sie zu beschleunigen. „Die Zuständigkeiten sind gebündelt, die Anweisungen sind eindeutig. Was fehlt, ist die Umsetzung.“

Auch bei anderen europäischen Abschlüssen dauern die Verfahren lange. Für die Gruppe „übriges Europa“, zu der auch Großbritannien zählt, nennt die Landesregierung für akademische Heilberufe im Jahr 2025 eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von 148 Tagen. Bei Abschlüssen aus Drittstaaten waren es 80 Tage. Die Prüfung ausländischer Gesundheitsabschlüsse ist in NRW zentral bei der Bezirksregierung Münster gebündelt.

Wie lange speziell Ärzte auf ihre Approbation warten, kann das Land allerdings nicht sagen.  Dabei zeigen die Zahlen, wie groß das Problem bei ausländischen Medizinabschlüssen ist. Im Jahr 2025 gingen nach Angaben der Landesregierung 3917 Anträge auf Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen aus Drittstaaten im Bereich der akademischen Heilberufe ein. Abgeschlossen wurden lediglich 1852 Verfahren – weniger als die Hälfte der Anträge.

NRW-Regierung will Verfahren zur Anerkennung beschleunigen

Die Landesregierung verweist auf mehrere Vorhaben, mit denen die Verfahren schneller werden sollen. Dazu gehören ein neues Basis-Fachverfahren, eine durchgängige Digitalisierung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie berufsspezifische Musterbescheide. Wann diese Maßnahmen die Verfahren tatsächlich deutlich beschleunigen, bleibt allerdings offen.

Für die ärztliche Approbation kommt zudem eine Änderung auf Bundesebene hinzu. Ein Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen in Heilberufen soll am 1. November 2026 in Kraft treten. Eine entsprechende Verordnung wird derzeit vom Bundesgesundheitsministerium überarbeitet.

Pfeil reicht das nicht. „Bis 2040 erreichen in Deutschland rund 13 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter“, sagt er. „Wir können es uns schlicht nicht leisten, qualifizierte Fachkräfte am langen Arm der Behörden verhungern zu lassen.“ Zwar müsse bei Ärzten die Patientensicherheit an erster Stelle stehen. „Aber Sicherheit kann nicht Wartezeiten von viereinhalb Monaten produzieren.“