Bevor die Bankräuber den Tresorraum in Gelsenkirchen ausräumten, gab es in der Sparkasse Brandalarm. Polizei und Feuerwehr bemerkten bei Kontrollgängen nichts Ungewöhnliches
Millionencoup in GelsenkirchenPolizei war vor Ort und merkte nichts

06.01.2026, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Einsatzkräfte der Polizei verlassen nach der Durchsuchung die Sparkassenfiliale mit Beweismaterial. Nach dem spektakulären Bank-Einbruch in Gelsenkirchen versuchen Ermittler weiter einen Überblick über den Schaden und das Vorgehen der Täter zu bekommen. Foto: Markus Gayk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Gut eine Woche nach dem Millionencoup bei einer Filiale der Gelsenkirchner Sparkasse fördern die Ermittlungen neue Fehler zutage. Offenbar hätte man früh den Einbruch in die Schließfächer der Zweigstelle im Stadtteil Buer verhindern können. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Ermittlerkreisen erfuhr, hatte ein Brandmelder gleich zwei Mal angeschlagen, als die Täter nach Weihnachten über eine benachbarte Tiefgarage in den Tresorraum mit 3.250 Schließfächern eingestiegen waren.
Beim ersten Mal am 27. Dezember sollen Feuerwehr und Polizei nicht alle möglichen Bereiche rund um den Tresorraum überprüft haben, obschon sie dazu Zugang hatten. Warum dies nicht geschah, müssen die weiteren Untersuchungen ergeben. „Die genauen Abläufe dieses Einsatzes sind Gegenstand der Ermittlungen, die andauern“, heißt es in einem Mitteilung der Gelsenkirchener Behörde. Durch den zweiten Brandmelder-Alarm zwei Tage später kurz vor vier Uhr morgens erst wurde der Millionencoup offenbar. Da waren die Täter längst über alle Berge. Die gefälschten Kennzeichen ihrer beiden Autos hatten sie frühzeitig in einem Mülleimer entsorgt. Seither fehlt von ihnen jede Spur.
Insiderwissen und womöglich Hilfe vermutet
Ferner stellt sich die Frage, warum die Alarmanlage nicht ausgelöst hatte, nachdem die Räuber mit einem Spezialbohrer die Stahl-Beton-Wand zur Bank in einer stundenlangen Prozedur aufgebohrt hatten. Auch bleibt ein Rätsel, wie die Täter in den Raum gelangen konnten, der zur Beton-Stahlwand der Depot-Kammer führte. Dieser Raum gehört bereits zur Sparkasse und kann nur durch Zugangsberechtigte betreten werden. An der Tür fanden sich keine Aufbruchsspuren. Also liegt der Verdacht nahe, dass ein Insider den Einbrechern geholfen hat. Klar ist, dass die Gangster genau wussten, wo sie hinein- und wo sie den Bohrer ansetzen mussten. Ferner scheint die Bande genau im Bilde gewesen zu sein, welche Werte in dem Geldinstitut lagerten. Eine Sonderkommission befasst sich mit dem Fall. Im Zuge der Nachforschungen sucht man unter anderem über Handyeinlogdaten, die sich zum Tatzeitraum in der Nähe der Sparkasse befanden, den Räubern auf die Spur zu kommen.
Schwindler unterwegs
Während hunderte geschädigte Schließfachbesitzer Verluste bis in Millionenhöhe beklagen und bereits Anwälte eingeschaltet haben, versuchen Schwindler ihren Verlust auszunutzen. „Seit dem Einbruch kommt es im gesamten Stadtgebiet vermehrt zu Betrugsversuchen, bei denen Unbekannte sich am Telefon als Mitarbeiter der betroffenen Bank oder als Polizeibeamte ausgeben, von dem Einbruch in der Bank reden und sich nach Wertgegenständen oder Bargeld informieren wollen. In einigen Fällen wird auch versucht, persönliche Daten zu bekommen“, warnt die Polizei. „Die echte Polizei, andere Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter von Behörden oder Banken erscheinen nicht bei Ihnen zu Hause, um Bargeld oder andere Wertgegenstände an sich zu nehmen und zu überprüfen. Seien Sie bei unbekannten Personen grundsätzlich misstrauisch. Lassen Sie sich immer die Identität von allen Unbekannten bestätigen.“
Büroräume der Sparkasse durchsucht
Am Dienstag hatte die Polizei Büroräume der Sparkasse durchsucht. Ziel der Razzia sei „die Sicherstellung von Datenträgern sowie notwendigen Kundendaten“ gewesen, so ein Behördensprecher. Auf Anfrage erklärte eine Sprecherin des Geldinstituts: „Die Sparkasse Gelsenkirchen unterstützt die Ermittlungsbehörden nach Kräften und hat alle angeforderten Daten zur Verfügung gestellt, soweit es ihr möglich war. Uns ist wichtig zu betonen, dass wir uns in keiner Weise gegen die Herausgabe gesperrt haben.“
