Schloss Augustusburg rückt am Freitag wieder in den Mittelpunkt der europäischen Aufmerksamkeit. Kanzler Merz empfängt dort Frankreichs Staatschef Macron mit militärischen Ehren
Ministerrat am FreitagDie Weltpolitik kehrt zurück nach Brühl

Aufbauarbeiten vor dem Barockschloss am Mittwoch. Am Freitagmorgen beginnt das Treffen der Kabinettsmitglieder.
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Die Klänge der Bundeswehr-Kapelle werden nicht von Disco-Rhythmen übertönt, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz den französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit militärischen Ehren am Brühler Schloss Augustusburg empfängt. So viel ist sicher. Zwar wird nur einen Steinwurf entfernt zeitgleich die Margaretenkirmes eröffnet, doch die Stadtverwaltung hat eine Verordnung erlassen, die den Schaustellern am Freitag bis 18.30 Uhr die Beschallung des Jahrmarkts untersagt. Die Sperrung des unweit des Schlosses gelegenen Bahnhofs habe man verhindert, die Brühler Bevölkerung werde sich dennoch auf Verkehrsbehinderungen einstellen müssen, sagt Bürgermeister Marc Prokop (CDU). Sein Wunsch, Merz und Macron das Goldene Buch der Stadt zum Eintrag vorzulegen, wird sich nach derzeitigem Stand nicht erfüllen. Eine Einladung liegt weder Prokop noch anderen Größen der lokalen Verwaltung zum 26. Deutsch-Französischen Ministerrat vor.
Die Staatsmänner machen in Brühl Station, zu Gast sind sie dort jedoch nicht. „Ich freue mich trotzdem, dass unsere Stadt in den Mittelpunkt der europäischen Aufmerksamkeit rückt“, sagt Prokop mit Blick auf die erwarteten 250 Journalisten, die Berichte von seiner Stadt aus in die Welt schicken werden. Für das Renommee sei dies wichtig. So habe er sich auch an die Vorgabe des Auswärtigen Amts gehalten und wochenlang zum bevorstehenden Besuch des deutsch-französischen Duos geschwiegen. „Ich habe nicht einmal meiner Frau davon erzählt“, berichtet Prokop.
Mehrere US-Präsidenten und die Queen
Bis vor drei Jahrzehnten waren namhafte Besucher im Brühler Schloss regelmäßig zu Gast. In Zeiten der Bonner Republik nutzte die Bundesregierung den Prachtbau aus dem 18. Jahrhundert für Staatsempfänge. Im Ehrenhof, Garten und dem von Balthasar Neumann prunkvoll gestalteten Treppenhaus wurden gekrönte Häupter empfangen – darunter König Bhumipol von Thailand, Schah Reza Pahlevi von Persien und König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia von Schweden. Auch die erste Reihe der internationalen Politik fand nach Brühl. So der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew und von der anderen Seite des Eisernen Vorhangs die US-Präsidenten Ronald Reagan und Jimmy Carter. Mit dem polnischen Präsidenten Lech Walesa und sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow kamen auch jene, die maßgeblichen Anteil am Fall besagten Vorhangs hatten.
Geblieben sind Erinnerungen und Geschichten. Für die Queen wurde etwa ein besonderes „Thron“-WC mit eingebautem Bidet installiert. Beim Besuch von Papst Johannes Paul II. im November riet das Protokoll, allzu freizügige Kleidung wie ein großes Dekolleté oder zu kurze Rocksäume zu vermeiden. Deutlich lockerer ging es beim Empfang von Nelson Mandela zu. Der südafrikanische Staatspräsident reagierte mit einem spontanen Tänzchen, als man ihm mit einem Konzert seiner Landsfrau Miriam Makeba eine Überraschung bereitete. Immer wieder waren auch Größen aus Gesellschaft, Kunst und Sport mit dabei, um ihnen bekannte Staatsgäste zu begrüßen. So etwa Tennisprofi Boris Becker bei der dritten Visite der Queen in Brühl 1992.
Wenige Jahre später war Augustusburg seinen Status los. Die große Politik spielte nun in Berlin. „Seit 1996 gab es lediglich Sommerfeste der Landesregierung“, sagt Regina Junga, als Dienststellenleiterin für die Verwaltung der Brühler Schlösser verantwortlich. Sie freut sich auf den hohen Besuch. Zumal sie regelmäßig zum Campingurlaub in das Nachbarland reist. „Die gute Beziehung zu Frankreich und die europäische Idee ist mir sehr wichtig“, betont sie.

Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow trifft 1989 zum Staatsbesuch in Brühl ein. Im Hintergrund der Bahnhof.
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Das Schloss hat in seiner Architektur und Historie einen starken französischen Bezug. Die letzten Kapitel dieser Geschichte schrieben die französischen Präsidenten Charles de Gaulle (1962), Valérie Giscard d’Estaing (1980) und Francois Mitterand (1987) mit ihrem Besuch; nun schlägt Macron ein weiteres auf. „Für eine Führung ist keine Zeit, aber ich werde Merz und Macron wohl begrüßen“, sagt Junga. „Ich hoffe, dann nicht zu nervös zu sein, um Französisch zu sprechen.“ Spannend werde es in jedem Fall.
Als sie die Mitarbeiter vom bevorstehenden Besuch unterrichtete, habe dies bei einigen für Gänsehaut und „einen Ruck im Team“ gesorgt. Trotz der zusätzlichen Arbeit. Es galt aufzupassen, als vor einigen Tagen testweise ein Hubschrauber mit Sicherheitsbeamten im Ehrenhof landete, Stromanschlüsse mussten gecheckt und Möbel geräumt werden. Inzwischen sind alle Räume vorbereitet. Luxus verspricht dabei nur die Kulisse. Klimageräte gibt es nicht. „Wir werden gut durchlüften, aber die Mitarbeiter der Ministerien werden sicherlich ins Schwitzen kommen, denn das Schloss ist nicht gut isoliert“, erklärt Junga. Das Vestibül wird für die abschließende Pressekonferenz präpariert.
Kölsch für den Präsidenten
Die Vertreter der Medien haben einen kurzen Weg dorthin. Sie sind im benachbarten Max-Ernst-Museum untergebracht. Thomas Klose vom dortigen Café „Le Petit Max“ wird von 6 Uhr an Brötchen und Kaffee anbieten. Mittags gibt es Hähnchenbrust mit mediterraner Tomatensoße, veganes Curry und Zürcher Geschnetzeltes vom Eifelschwein sowie Gemüse aus regionalem Anbau. „Ich hätte auch gerne für Merz und Macron gekocht, aber deren Catering kommt von auswärts“, sagt der Selfmade-Gastronom, der seinen Job bei einem Stahlproduzenten gegen den am Herd eintauschte und nun 250 Journalisten verköstigen wird. Der 46-Jährige ist einer der wenigen Brühler, die von der Atmosphäre des Staatsempfangs etwas mitbekommen werden.
Brühls Kultwirt Jani Petropoulos, dessen Gaststätte „Em Höttche“ keine 100 Meter vom Schloss entfernt liegt, erwartet derweil keine internationale Kundschaft. „Macron kann gerne kommen, kaltes Kölsch ist da“, scherzt er, wohlwissend, dass bei ihm eher die Besucher der Margaretenkirmes ihren Durst stillen werden.