NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst scheint aktuell nur schwer zu schlagen zu sein. Flecken auf seiner Weste könnten ihm jedoch noch gefährlich werden.
NRW-SPD kürt SpitzenkandidatenWarum die CDU Jochen Ott nicht unterschätzen sollte


Jochen Ott (SPD), Vorsitzender der Landtagsfraktion seiner Partei, spricht bei einer Plenarsitzung des Landtags von Nordrhein-Westfalen.
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Jochen Ott wird der Spitzenkandidat der SPD bei der Landtagswahl im Mai 2027. Als Chef der Landtagsfraktion gehörte er – wie auch Parteichefin Sarah Philipp – zu den „geborenen Kandidaten“ für diesen Schlüsselposten. Der Landesvorstand traut dem angriffslustigen Kölner den Job eher zu als Philipp, die eher zurückhaltend auftritt. Einer muss es ja schließlich machen, hieß es. Die Schlange der möglichen Kandidaten war nicht gerade lang.
Spitzenfrau der Herzen war für die meisten Genossen in NRW die Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas. Auch in der CDU heißt es, die populäre Duisburgerin wäre wohl die härteste Nuss für Ministerpräsident Hendrik Wüst gewesen. Doch Bas tat den Christdemokraten den Gefallen und sagte nicht nur für sich selbst, sondern auch für den in der SPD hoch geschätzten Duisburger Oberbürgermeister Sören Link ab. Auch der als „Joker“ gehandelte frühere NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin war nicht zu gewinnen. Ott wird sich im Wahlkampf oft anhören müssen, ein Verlegenheitskandidat zu sein. Es dürfte aber ein großer Fehler sein, Ott zu unterschätzen.
Achillesferse Bildungspolitik
In der Landespolitik gilt es als Binsenweisheit, dass man Wahlen mit Bildungspolitik nicht gewinnen, aber sehr wohl verlieren kann. Trotz der enormen Investitionen in den Bildungsbereich ist vor allem das Betreuungschaos an den Kitas eine Achillesferse der Wüst-Regierung. Das ist eine Chance für Ott – der als Experte für Bildungspolitik und kluger Rhetoriker in Fachdebatten oft als Sieger vom Platz geht. Klar ist, dass die meisten Landtagswahlen nicht durch Podiumsdiskussionen entschieden werden, sondern durch die öffentliche Meinung über den amtierenden Ministerpräsidenten. Wüst gehört zu den beliebtesten Politikern in Deutschland, und wenn das so bleibt, wird es schwer, ihn zu schlagen. Allerdings saß ein Jahr vor der Landtagswahl 2010 auch der damalige CDU-Chef Jürgen Rüttgers fest im Sattel – bis sein Image durch eine Kette von Fehlern in den Keller sackte. Die Folge: Hannelore Kraft schaffte die Sensation, führte die SPD zurück an die Macht. Der Vorgang zeigt, dass auch Wüst auf der Hut sein sollte.
