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Reform NRW führt fünftes Prüfungsfach im Abitur ein

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Abiturienten schreiben eine Prüfung. (Archivbild)

Abiturienten schreiben eine Prüfung. (Archivbild)

NRW krempelt das Abitur um – KI ist erlaubt, Gewerkschaften warnen.

Nordrhein-Westfalen will das Abitur reformieren. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stellte am Freitag die geplanten Änderungen vor. Am wichtigsten: Die Landesregierung will ein fünftes Abiturfach einführen. Die Reform soll zum 1. August 2027 in Kraft treten.

Schülerinnen und Schüler sollen in diesem fünften Abi-Fach eine sogenannte „Präsentationsprüfung“ ablegen. Das bedeutet: Sie bereiten eine Präsentation zu einem Thema vor, „visualisieren Inhalte“ und halten einen Vortrag vor der Prüfungskommission, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Als zweiter Prüfungsteil folgt ein Fachgespräch. Beide Prüfungsteile zusammen dauern 20 bis 30 Minuten. Die Präsentation darf auch in einer Gruppe gehalten werden, allerdings erhöht sich die Prüfungsdauer je nach Größe. 

„Durch das fünfte Abiturfach können Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen Schwerpunkte noch individueller setzen und Interessen in die Prüfung einbringen“, schreibt das Schulministerium. Es ermögliche „mehr und flexiblere Fächerkombinationen“: Künftig können Abiturienten etwa zwei Naturwissenschaften oder einen Fokus auf Gesellschaftswissenschaften oder Sprachen wählen. 

Ministerium verkürzt Dauer von Klausuren

Bei der Erstellung der Präsentation dürfen die Schüler Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, solange sie diese kennzeichnen. Der KI-Einsatz wird bei der Leistungsbewertung berücksichtigt. Das gilt auch für sogenannte „gleichwertige komplexe Leistungsnachweise“ (GKL), ein neues Prüfungsformat in der gymnasialen Oberstufe. Damit sind etwa Kunstprojekte, Debattenbeiträge oder Referate gemeint. 

Ebenfalls neu: Die Reform enthält verbindliche Projektkurse in der gymnasialen Oberstufe, belegt von Schülerinnen und Schülern der 13. Klasse. Dafür sind drei Stunden pro Woche eingeplant. Ziel ist die Vorbereitung auf die Präsentationsprüfung. Die Schüler arbeiten dort alleine oder in Gruppen langfristig an einem individuellen Projekt. Das kann eine Studie sein, eine künstlerische Arbeit, ein wissenschaftliches Experiment, ein technisches Modell oder ein Konzept für ein soziales Projekt. 

Gleichzeitig verkürzt das Ministerium die Dauer von Klausuren. In der Einführungsphase (Schuljahr 11) haben die Schülerinnen und Schüler demnach künftig 90 Minuten Zeit für eine Klausur, in der 12. Klasse 90 Minuten im Grundkurs und 135 Minuten im Leistungskurs. In der Qualifikationsphase 2 (13. Klasse) gilt: 135 Minuten für Grundkursklausuren, 180 Minuten für Leistungskurse. 

Gewerkschaften warnen vor Mehraufwand bei Lehrkräften

„Mit der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung stellen wir die gymnasiale Oberstufe in Nordrhein-Westfalen neu auf“, sagte Feller. Künftig sollen Schülerinnen und Schüler "noch besser auf die Zeit nach der Schule, auf Ausbildung, Studium und Beruf" vorbereitet sein. 

Die Reaktion der Verbände fiel zuletzt gemischt aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW) lehnt die Reform ab. „Das fünfte Abiturfach, verpflichtende Projektkurse und neue Prüfungsformate führen zu deutlich mehr Prüfungen, mehr Organisationsaufwand und mehr Verantwortung für Lehrkräfte“, schrieb die GEW im Februar. Regelungen, um Lehrkräfte entsprechend zu entlasten, habe die Regierung in den Reformplänen bisher nicht berücksichtigt.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) äußerte sich Anfang des Jahres zurückhaltender; grundsätzlich begrüßt die Gewerkschaft die Reformziele. Die Einführung des fünften Abiturfaches sei ein Schritt zur länderübergreifenden Vergleichbarkeit des Abiturs – schließlich haben die meisten Bundesländer fünf Prüfungsfächer. Doch auch der VBE warnt vor einem „organisatorischen und personellen“ Mehraufwand für Schulen und kritisiert fehlende Entlastungsmaßnahmen.