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Gefesselt und maskiertSEK verwechselt und verletzt Unschuldigen in Heinsberg

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Ein Streifenwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht

In Heinsberg geriet ein Unschuldiger ins Visier einer Spezialeinheit. (Symbolbild)

Der Einsatz galt dem Verdächtigen im Fall des ukrainischen Politikers Portnow, der am 21. Mai 2025 auf offener Straße getötet worden war.

Gegen Beamte einer Spezialeinheit aus Nordrhein-Westfalen laufen Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Aachen. Eine Sprecherin der Anklagebehörde teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit, dass der Verdacht auf mögliche Körperverletzungs- und Amtsdelikte bestehe. Dies bekräftigt eine Meldung der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Anlass der Untersuchung ist ein Vorfall vom Februar am Busbahnhof in Heinsberg, einer Stadt im Regierungsbezirk Köln. Dort wurde bei der Festsetzung eines mutmaßlichen Mörders irrtümlich ein unbeteiligter junger Mann in Gewahrsam genommen. An der Operation wirkten Spezialeinheiten der NRW-Polizei, Kriminalbeamte und Polizeikräfte aus Spanien mit.

Betroffener kämpft mit den psychischen Folgen

Gegenüber der „Zeit“ gab der Mann an, dass sein Gesicht während der Aktion auf den Asphalt gepresst wurde. Man habe ihm außerdem eine Maske über die Augen gezogen und ihn mit Kabelbindern am Boden gefesselt. Er habe durch diesen Zugriff Verletzungen davongetragen und leide noch immer unter den psychischen Auswirkungen der irrtümlichen Festnahme.

Die Darstellungen des Betroffenen werden laut „Zeit“ durch Berichte von Augenzeugen sowie durch Foto- und Videoaufnahmen gestützt. Als der Irrtum auffiel, sei der Mann Berichten zufolge ohne eine Entschuldigung oder Kompensation freigelassen worden. Von der Staatsanwaltschaft in Aachen gab es vorerst keine zusätzlichen Informationen zu dem Geschehen.

Hintergrund: Mord an ukrainischem Politiker 2025

Die Operation der Polizei galt dem Verdächtigen im Mordfall des ukrainischen Politikers Andrij Portnow. Portnow selbst wurde am 21. Mai 2025 in einem Vorort von Madrid auf offener Straße durch Schüsse getötet. In den Jahren 2010 bis 2014 war er als Berater und stellvertretender Leiter des Präsidialamtes für den damals pro-russischen Präsidenten Viktor Janukowitsch tätig.

Davor hatte Portnow einige Jahre als Jurist und Abgeordneter im Parlament für die Partei der früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko gearbeitet. Im Anschluss an den Umsturz von Janukowitsch 2014 ging er zuerst ins russische Exil. Er kam jedoch 2019, kurz bevor Wolodymyr Selenskyj die Wahl gewann, wieder in die Ukraine.

Der Familienvater verließ nach der russischen Invasion 2022 das Land ein weiteres Mal, diesmal in westliche Richtung. In der Zeit vor seinem Ableben sorgte er in der Ukraine für Aufsehen durch gewonnene Prozesse gegen Medien, welche ihn als „prorussisch“ betitelt hatten. Gegen ihn wurden 2021 von den USA Sanktionen erlassen. Sanktionen der EU hingegen mussten nach erfolgreichen juristischen Anfechtungen zurückgenommen werden. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.