Abo

Umweltwirtschaft NRWÖkologischer Nutzen in Millardenhöhe

3 min
Riesige Sandbänke sind am Mäuseturm bei Bingen im Rhein sichtbar geworden. Die Pegelstände auf dem Rhein hatten im Sommer nach wochenlanger Trockenheit teils historische Tiefststände erreicht.

Riesige Sandbänke im Rhein wegen Niedrigwasser: Die NRW-Umweltwirtschaft hilft dabei, ökologische Schäden in Milliardenhöhe zu vermeiden.

Bericht der Landesregierung: Die Branche in NRW hat sich in den letzten Jahren wieder deutlich besser entwickelt als die Gesamtwirtschaft. Zudem wurden dadurch alleine im Jahr 2020 ökologische Schäden in Höhe von 23 Milliarden Euro vermieden.

Unternehmen, deren Verfahren, Produkte oder Dienstleistung einen Beitrag zum Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz leisten, sind im Aufwind. Dazu zählt das Kölner Start-up, das sich darauf spezialisiert hat, private Mitfahrgelegenheiten als Ergänzung zu regional fahrenden Bussen und Bahnen anzubieten und dafür beispielsweise mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr kooperiert.

Auch ein Unternehmen aus Essen ist gewachsen, das ein Verfahren entwickelt hat, mit dem Chemikalien besser und effektiver als bisher aus verunreinigten Gewässern gefiltert werden können. Der Hersteller von Leitungsrohren aus Menden, der bis 2030 nur noch mit wiederverwertbarem Material von bereits ausgedienten Rohren produzieren will.

Umweltschäden entstehen erst gar nicht

Oder die Aachener Firmen, von denen die eine Boote entwickelt hat, die Müll aus Gewässern sammelt, bevor der das offene Meer erreicht. Und von denen der andere Betrieb neuartige Kollektoren erfunden hat, die das Sonnenlicht deutlich effizienter und ressourcenschonender in nutzbare Energie umsetzt als die klassischen Solarthermie-Systeme.

Es sind unendlich viele Ideen und Unternehmen, die sich hinter dem Begriff Umweltweltwirtschaft versammeln. Einem in der Vergangenheit oft belächelten Bereich, der sich in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren wieder deutlich besser entwickelt hat als die Gesamtwirtschaft. Und der zudem einen ökologischen Nutzen in Milliardenhöhe für sich in Anspruch nehmen kann, weil er maßgeblich dafür sorgt, dass Umweltschäden erst gar nicht entstehen.

Branche mit deutlichem Wachstum

Dies ist dem Umweltwirtschaftsbericht 2022 der nordrhein-westfälischen Landesregierung zu entnehmen. Mit einem Wachstum von 3,6 Prozent pro Jahr übertraf die Branche demnach seit 2010 die Entwicklung der Gesamtwirtschaft (2,6 Prozent) und beschäftigt inzwischen mit 582.000 Personen rund 6,1 Prozent aller Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt belief sich die Wirtschaftsleistung auf 43,5 Milliarden Euro im Jahre 2020. Damit gehört die Umweltwirtschaft zu den wichtigsten Branchen in Nordrhein-Westfalen.

Zusätzlich zu den Zahlen der Erwerbstätigen und der Bruttowertschöpfung lässt sich der ökologische Nutzen der nordrhein-westfälischen Umweltwirtschaft bezogen auf das Jahr 2020 auf rund 23 Milliarden Euro beziffern, davon allein rund 15,5 Milliarden Euro durch die Vermeidung von Umweltschäden, heißt es im Bericht. „Weitere ökologische Werte in Höhe von 7,4 Milliarden Euro“ würden etwa durch „den Erhalt von Biodiversität“ geschaffen, also durch die unterstützende Wirkung der Erfindungen und Produkte im Kampf gegen das Artensterben.

Fast jeder zweite Euro wird im Ausland verdient

„In einer modernen Wirtschaft gehören Klimaschutz, der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen, gute Arbeitsplätze und soziale Sicherheit untrennbar zusammen“, sagte NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer (Die Grünen). „Die Umweltwirtschaft mit ihren vielen kleinen und großen Unternehmen ist dabei eine der wichtigsten Säulen."

Ein „prägender Faktor“ sei die „starke Exportorientierung“ der Branche, heißt es im NRW-Bericht: Fast jeder zweite Euro (41 Prozent des Umsatzes) werde auf ausländischen Märkten verdient. Insgesamt exportierten die hiesigen Unternehmen demnach im Jahr 2020 Waren im Wert von rund 14,2 Milliarden Euro.

Während die sozio-ökonomischen Wirkungen der Umweltwirtschaft seit 2015 kontinuierlich erfasst worden sind, wurde im aktuellen Bericht erstmals auch der ökologische Nutzen der Branche beziffert. Differenziert nach den verschiedenen Umweltbereichen zeige sich, dass der Klimaschutz am meisten profitiere. Im Jahre 2020 wurden demnach „10,7 Milliarden Euro an Klimawandelkosten“ vermieden. Die durch die NRW-Technologien erst gar nicht entstandenen Schäden in Böden und Gewässern wurden auf 3,3 Milliarden Euro geschätzt, die für die Luft auf 1,4 Milliarden Euro.