Drei Religionen, eine Straße: Wuppertal genehmigt ersten muslimischen Friedhof neben jüdischen und christlichen Gräbern.
Premiere im RheinlandIn dieser NRW-Stadt wird der erste muslimische Friedhof Deutschlands gebaut

Wuppertal soll den ersten muslimischen Friedhof Wuppertals bekommen. (Symbolbild)
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Nach langjährigen Planungen hat die Stadt Wuppertal am Dienstag die Baugenehmigung für einen muslimischen Friedhof im Stadtteil Varresbeck offiziell übergeben. Das berichtet unter anderem der WDR. Damit wird ein Vorhaben konkret, das bereits im Jahr 2008 initiiert wurde. Durch die Lage an der Krummacherstraße grenzt das Areal unmittelbar an eine christliche und eine jüdische Begräbnisstätte an.
Wuppertal: Rechtlicher Rahmen und religiöse Anforderungen für muslimischen Friedhof
Möglich wurde dieser Schritt durch eine Reform des nordrhein-westfälischen Bestattungsgesetzes im Jahr 2014, die es Religionsgemeinschaften erlaubt, eigene Friedhöfe als Träger zu betreiben. Der Trägerverein „Muslimische Friedhöfe Wuppertal“ hatte das Gelände bereits 2015 vom evangelischen Kirchenkreis erworben.
Die Gestaltung des Friedhofs muss spezifische religiöse Kriterien erfüllen:
- Bestattungsform: Die Beisetzung erfolgt nach islamischem Ritus in Tüchern statt in Särgen.
- Ausschluss von Urnen: Feuerbestattungen und Urnenbeisetzungen finden nicht statt.
- Totenruhe: Nach muslimischem Verständnis ist eine Umbettung der Verstorbenen nicht zulässig, was ein langfristiges Ruherecht erfordert.
- Ausrichtung: Die Gräber werden nach Mekka ausgerichtet.
- Ewigkeitsprinzip: Das garantiert die dauerhafte Zweckbindung des Geländes als islamische Begräbnisstätte. Dies schließt jedoch eine erneute Belegung von Grabstellen nicht aus, sofern eine angemessene Ruhe- und Liegezeit verstrichen ist.
Kapazitäten und Finanzierung
Das etwa 20.000 Quadratmeter große Gelände bietet Platz für zirka 1.000 bis 1.200 Gräber. Laut dem muslimischen Trägerverein ist der Bedarf in der Region groß, da immer mehr Menschen muslimischen Glaubens Deutschland als ihre dauerhafte Heimat betrachten und eine Bestattung vor Ort wünschen.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich laut dem Trägerverein „Muslimische Friedhöfe Wuppertal e.V.“ auf rund 900.000 Euro. Da die Finanzierung vollständig über Spenden erfolgt, ist die Umsetzung in zwei Schritten geplant: Der erste Bauabschnitt erfordert etwa 500.000 Euro, während für den zweiten Teil rund 400.000 Euro veranschlagt sind. Die Bauarbeiten beginnen, sobald die Mittel für den ersten Abschnitt gesichert sind. (jag)

