Die Gespräche in Genf enden ohne Ergebnis. Russlands Krieg geht bald ins fünfte Jahr. Experten sehen Putin weiter auf Konfrontationskurs.
Experten warnen vor Kremlchef„Putin wird sich so verhalten, wie auch Nordkorea das getan hat“

Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)
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Die zweitägigen Genfer Verhandlungen Russlands und der Ukraine über ein Ende des seit fast vier Jahren dauernden Krieges sind ohne greifbares Ergebnis beendet worden. Nach knapp zweistündigen Gesprächen verließ die russische Delegation am Mittwoch den Ort des Treffens, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete. Ergebnisse der Gesprächsrunde unter Vermittlung der USA wurden nicht mitgeteilt.
Der Moskauer Delegationsleiter Wladimir Medinski kündigte ein weiteres zeitnahes Treffen an. „Die Gespräche waren schwierig, aber sachlich“, sagte der Ex-Kulturminister und derzeitige Berater von Kremlchef Wladimir Putin. Dass Medinski auf russischer Seite erneut die Verhandlungen geführt hat, galt bereits im Vorfeld als „schlechtes Zeichen“, wie der Russland-Experte Matthäus Wehowski auf der Plattform X kommentierte. Moskau setze auf „Blockade statt Diplomatie“, fügte der Historiker hinzu.
Moskauer Staatsmedien: „Sehr angespannte“ Atmosphäre
Moskauer Staatsmedien bezeichneten die Atmosphäre in Genf nun sogar als „sehr angespannt“. Anders lautete das Urteil des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Die Anstrengungen von US-Präsident Donald Trump, beide Seiten zusammenzubringen, hätten „bedeutsame Fortschritte“ gebracht, schrieb der Amerikaner bei X.
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Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow bestätigte das Ende des zweitägigen Treffens. Auch er wurde dabei wenig konkret. „Es gibt Fortschritte, aber in dieser Phase können keine Details bekannt gegeben werden“, sagte der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates.
„Russland versucht, die Verhandlungen zu verzögern“
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj kritisierte Moskau derweil. „Gestern gab es Treffen, die nicht einfach waren, und wir können festhalten, dass Russland versucht, die Verhandlungen zu verzögern, die bereits in der Endphase sein könnten“, beklagte Selenskyj auf Telegram.

Street-Art im polnischen Krakau thematisiert den mittlerweile bald vier Jahre andauernden Krieg in der Ukraine. (Archivbild)
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Kommende Woche, am 24. Februar, geht der von Kremlchef Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland in das fünfte Jahr. Bei den von den USA vermittelten Bemühungen um ein Kriegsende hatten sich Russen und Ukrainer zuletzt im Januar und Februar in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten getroffen.
Bei Experten herrscht unterdessen weiterhin wenig Optimismus hinsichtlich einer schnellen Friedenslösung für die Ukraine. „Russische Politiker, die oft als Sprachrohr für die wahren diplomatischen und militärischen Ziele des Kremls fungieren, verbreiten weiterhin die stereotypen rhetorischen Parolen des Kremls zu Russlands ursprünglichen Kriegsforderungen, die über die territoriale Frage in der Ostukraine hinausgehen“, heißt es etwa in einer aktuellen Analyse des amerikanischen Institute for the Study of War (ISW).
„Kremlnahe Medien bekräftigten Russlands Kompromissunwilligkeit“
Anzeichen dafür, dass der Kreml sich und die russische Gesellschaft auf mögliche Zugeständnisse und Kompromisse vorbereitet, die für ein Kriegsende nötig werden könnten, seien weiterhin nicht erkennbar, heißt es weiter von den US-Analysten. Auch in den russischen Medien sei keine Kursänderung ersichtlich. „Kremlnahe Medien bekräftigten Russlands Kompromissunwilligkeit“, so die ISW-Analyse.
Auch der britische Menschenrechtsaktivist und Kremlkritiker Sir William Browder sieht Russland weiterhin auf Kriegskurs – die derzeitigen Bemühungen reichten nicht aus, um Russlands Krieg gegen die Ukraine zu stoppen, sagte Browder nun dem „Kyiv Independent“.
„Selbst wenn Putin seine Bevölkerung dafür hungern lassen muss“
Putins Verhalten werde sich nur ändern, wenn dem Kremlchef „das Geld ausgeht“. Statt Sanktionen direkt gegen Russland zu verhängen, sollte der Westen gegen die Käufer des russischen Öls vorgehen, erklärte der Kremlkritiker.
„Ich glaube, dass Russland, oder besser gesagt Putin, sich so verhalten wird, wie auch Nordkorea das getan hat“, warnte Browder im Gespräch mit der ukrainischen Zeitung. Putin werde „immer genügend Geld für seinen Krieg auftreiben, selbst wenn er seine Bevölkerung dafür hungern lassen muss“, prognostizierte der Menschenrechtsaktivist. „Man muss also nur dafür sorgen, dass er für nichts anderes genügend Geld hat.“ (mit dpa)

