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„Regierung bekämpft Klimaschutz“Grüne greifen Merz scharf an und fordern Hitzekrisenstab im Kanzleramt

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Katharina Dröge, Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, spricht im Deutschen Bundestag.

Katharina Dröge, Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, spricht im Deutschen Bundestag. (Archivbild)

Die Grünen erhöhen wegen Hitze und Niedrigwasser den Druck auf die Bundesregierung. Die Kritik an Friedrich Merz kommt auch aus Köln.

Angesichts der anhaltenden Hitze und der Folgen des Niedrigwassers verschärfen die Grünen ihre Kritik an der Bundesregierung. Mehrere Spitzenpolitikerinnen der Partei werfen Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor, den Klimaschutz auszubremsen und zu wenig gegen die Auswirkungen der Klimakrise zu unternehmen. Zugleich fordern sie eine zentrale Krisenkoordination im Kanzleramt.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge verlangt, dass Merz die Lage zur Chefsache macht. Die extreme Hitze koste Menschenleben, bringe Rettungskräfte an ihre Belastungsgrenze und das Niedrigwasser gefährde die Wirtschaft. Es sei „fahrlässig“, dass der Kanzler die Hitze und die Folgen der Klimakrise „komplett ignoriert“, sagte die Kölner Abgeordnete.

Nötig seien unter anderem ein Sofortprogramm für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, ein Hitzeschutzplan für die Infrastruktur, ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien sowie ein europäischer Krisengipfel.

Ricarda Lang: Kulturkampf gegen Wärmepumpe statt Schutz der Menschen

Auch die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang äußerte scharfe Kritik. „Die Bundesregierung bekämpft nicht die Klimakrise, sondern den Klimaschutz“, sagte sie dem Nachrichtenportal „t-online“. Dem Kanzler warf sie vor: „Der ewige Kulturkampf gegen die Wärmepumpe ist Friedrich Merz heiliger als der Schutz der Bevölkerung.“

Ricarda Lang (Bündnis 90/ Die Grünen) steht am Rednerinnenpult.

Ricarda Lang (Bündnis 90/ Die Grünen) steht am Rednerinnenpult. (Archivbild)

Besonders Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nahm Lang ins Visier. Sie werfe Deutschland „zurück in die Abhängigkeit von Öl und Gas“ und habe sich entschieden, „nicht Teil der Lösung“ zu sein. Mit erneuerbaren Energien könne sich Deutschland dagegen „unabhängig von Diktatoren wie Wladimir Putin machen – und so bezahlbare Energie schaffen“, sagte Lang. Zudem kritisierte sie, es könne nicht sein, dass ein „unbekannter Verkehrsminister“ habe gehen müssen, Reiche aber weiter im Amt sei.

Vorschlag: Klimaanlage auf Rezept für schutzbedürftige Menschen

Die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze fordert unterdessen einen besseren Schutz besonders gefährdeter Menschen. Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Kitas und Schulen müssten auch bei Hitzewellen sichere Orte bleiben. Sie spricht sich für Klimaanlagen, Kühlwesten, mobile Verschattung sowie zusätzliche Trink- und Abkühlungsangebote aus. Für besonders schutzbedürftige Menschen brachte sie sogar „Klimaanlagen auf Rezept“ ins Gespräch.

„Hitzeschutz darf nicht vom Geldbeutel oder vom Wohnort abhängen“, sagte Schulze. Hitzeschutz sei längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Gesundheitsschutz. Moderne Klimaanlagen könnten mit Solarstrom betrieben werden. „Klimaanpassung und Klimaschutz gehören zusammen – das eine gelingt auf Dauer nicht ohne das andere.“

Energiekrise durch Hitze in Europa – Solarstrom als Zukunft

Katharina Dröge verwies in einem Beitrag auf Instagram zudem auf die Auswirkungen der Hitze auf Europas Energieversorgung. Ungarn habe sein einziges AKW abschalten müssen, Rumänien den Notstand ausgerufen und Frankreich Reaktoren vom Netz genommen, weil die Flüsse zu warm und zu niedrig seien.

Währenddessen lieferte Solarstrom in der Europäischen Union Rekordwerte – 25 Prozent des im Juni 2026 erzeugten Stroms stammten aus dieser Quelle, gefolgt von Atomkraft (21), Gas (15), Wind (14) und Kohle (8). „Die Lehre daraus: Atomkraft ist auf kühles Wasser angewiesen, das es in heißen Sommern immer seltener gibt. Erneuerbare wie Solar sind da die robustere Antwort auf die Klimakrise“, schrieb Dröge. (afp/sbo)