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Krieg in OsteuropaRussische Militärs haben offenbar über Atomwaffeneinsatz diskutiert

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Generäle Russland Videokonfi imago 021122

Auf dem Archivbild vom 2. September beraten russische Generäle über den weiteren Kurs im Krieg gegen die Ukraine.

Washington – Hochrangige russische Militärs haben kürzlich Gespräche über einen möglichen Einsatz von taktischen Atomwaffen im Krieg gegen die Ukraine geführt, das berichtet die „New York Times“. Die Militärs hätten demnach ohne Beteiligung von Präsident Wladimir Putin erörtert, wann und wie Moskau eine taktische Atomwaffe einsetzen könnte.

Die Gespräche im Kreml haben dem Bericht zufolge zu erhöhter Besorgnis in Washington und den Hauptstädten der Verbündeten geführt. In der US-Regierung wertet man die Gespräche auf russischer Seite als Zeichen für die steigende Frustration über die militärischen Misserfolge im Krieg gegen die Ukraine. Für konkrete Vorbereitungen eines Einsatzes von Nuklearwaffen sehen die Quellen, auf die sich die „New York Times“ beruft, unterdessen nicht.

US-Beamte sehen keine Anzeichen für Vorbereitungen eines Atomwaffeneinsatzes

Bereits Mitte Oktober hätte die US-Regierung Kenntnis von den Gesprächen erlangt, Einzelheiten über „Szenarien“, die man auf russischer Seite für einen Einsatz von taktischen Atomwaffen in Betracht zog, wollten die Quellen dem Bericht zufolge nicht detailliert preisgeben.

Zuvor hatte bereits CIA-Direktor William J. Burns gewarnt, dass Putins „Verzweiflung“ über die Rückschläge im Krieg Russland zum Einsatz von taktischen Atomwaffen verleiten könnte. John F. Kirby, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates der USA, lehnte nun eine Stellungnahme zu „Einzelheiten“ gegenüber der „New York Times“ ab, berichtet das Blatt weiter.

Russland verfügt über bis zu 2.000 taktische Atomwaffen

„Wir waren uns von Anfang an darüber im Klaren, dass Russlands Äußerungen über den möglichen Einsatz von Atomwaffen sehr besorgniserregend sind, und wir nehmen sie ernst“, erklärte Kirby demnach lediglich. „Wir beobachten diese Angelegenheit weiterhin so gut wie möglich, und wir sehen keine Anzeichen dafür, dass Russland Vorbereitungen für einen solchen Einsatz trifft.“

Das Pentagon schätzt demnach, dass Russland über einen Bestand von bis zu 2.000 taktischen Atomwaffen verfügt. Taktische Atomwaffen haben eine geringere Sprengkraft und sind für kürzere Entfernungen gedacht als die Sprengköpfe von ballistischen Interkontinentalraketen. Sie sind nicht mit den Atombomben vergleichbar, die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen.

Einsatz von Atomwaffen? Rede von Putin sorgt zwischenzeitlich für Entspannung

Obwohl das Risiko einer weiteren Eskalation bei US-Beamten nach wie vor als „beunruhigend hoch“ bezeichnet wird, hätten Telefongespräche zwischen westlichen und russischen Gesprächspartnern Ende letzten Monats dazu beigetragen, einige der nuklearen Spannungen abzubauen, heißt es im Bericht der „New York Times“.

Eine Rede Putins am vergangenen Donnerstag, in der er leugnete, dass Moskau den Einsatz einer Atomwaffe in der Ukraine vorbereite, habe die Sorgen zudem weiter abschwächen können, sagten US-Beamte der Zeitung. „Wir sehen keine Notwendigkeit dafür“, hatte Putin in seiner Rede gesagt. „Das hat keinen Sinn, weder politisch noch militärisch.“ (das)