Die „Kildin“ ist eines von Russlands wichtigen Aufklärungsschiffen der Schwarzmeerflotte.
Marinemanöver in der OstseeRussisches Aufklärungsschiff „Kildin“ vor Fehmarn unterwegs

Luftaufnahme von Fehmarn (Archivbild)
Copyright: Carsten Rehder/dpa
Die russische Marine hat mit dem Seemanöver „Ocean Shield 2023“ in der Ostsee begonnen. Die Vorboten haben bereits die deutsche Küste erreicht. Das aufs Abhören von Funksignalen und Kommunikationsdaten spezialisierte Aufklärungsschiff „Kildin“ tauchte am vergangenen Freitag überraschend vor der Insel Fehmarn auf.
Vor dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine wurde die seit 1977 zur Schwarzmeerflotte gehörende „Kildin“ im November 2021 ins Mittelmeer geschickt. Dort sollte sie Einheiten der Nato beschatten und operierte von Syrien aus. Im Sommer 2022 wurde das 73 Meter lange Schiff jedoch zusammen mit einem Hilfsschiff rund um Europa in die Ostseestadt St. Petersburg gebracht, wo im Stadtbezirk Kronstadt eine Werft und Dockkapazitäten sind – vermutlich wegen technischer Probleme an Bord.
Vergangene Woche ist die „Kildin“ von Kronstadt aus zu ihrer ersten Einsatzfahrt in die Ostsee ausgelaufen. Bei der Fahrt entlang von Bornholm und Fehmarn zum Großen Belt hielt sich das 53 Jahre alte Schiff genau an die Hoheitsgrenzen. Der „Kildin“ folgte dabei ununterbrochen ein Patrouillenboot der dänischen Marine. Auch die Fregatte „Hessen“ der deutschen Marine war in ihrer Rolle als Flaggschiff des Nato-Einsatzverbandes 1 zeitweise in der Nähe der „Kildin“.
Wo aber will die „Kildin“ hin? Nach Informationen der „Kieler Nachrichten“ (KN) dürfte sich die „Kildin“ einen Ankerplatz im Kattegat in der Nähe von Skagen gesucht haben. Dort könnte das Aufklärungsschiff den aufziehenden Sommersturm am Montag abwarten. Das Schiff steht dabei unter Beobachtung der dänischen und schwedischen Marine.
Auch Aufklärungsschiffe deutscher Marine international unterwegs
Dass die russische Marine in der Ostsee Aufklärung betreibt, sei ein Stück weit normal, so Johannes Peters, Abteilungsleiter Maritime Sicherheit und Strategie beim Institut für Sicherheit an der Uni Kiel. Auch Aufklärungsschiffe der deutschen Marine würden sich in internationalen Gewässern bewegen und Informationen sammeln.
Wo die „Kildin“ nach dem Stopp im Kattegat hinfährt, ist noch unklar. „Darüber liegen uns noch keine Informationen vor“, so Johannes Peters. Vermutet wird, dass das nächste Zielgebiet die Nordsee sein könnte. Sicher ist jedoch: Der Rückweg ins Schwarze Meer wird dem Schiff verwehrt. Die Türkei lässt seit Februar 2022 keine russischen Kriegsschiffe mehr durch den Bosporus und Dardanellen.
„Ocean Shield 2023“-Manöver in der Ostsee läuft weiter
Das Manöver „Ocean Shield 2023“ in der zentralen Ostsee läuft ungeachtet dessen weiter. An der Übung nehmen Einheiten teil, die am vergangenen Sonntag an der Marineparade des russischen Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg beteiligt waren. Laut der offiziellen Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums sind 30 Kriegsschiffe und 20 Unterstützungsschiffe zum Manöver ausgelaufen. 30 Flugzeuge und rund 6000 Soldaten sind ebenfalls beteiligt.
Die Leitung des Manövers hat der Befehlshaber der russischen Marine, Admiral Nikolay Evmenov. Während der Übung sollen laut russischer Marine Maßnahmen zum Schutz der Seekommunikation, zum Transport von Truppen und militärischer Fracht sowie zum Küstenschutz durchgespielt werden.
Nato ist stärker präsent als sonst
Die dänische Marine ist darauf vorbereitet, dass russische Einheiten in die westliche Ostsee fahren könnten. Auf Bornholm wartet im Hafen Rönne ein Patrouillenboot. Auch die Nato ist stärker präsent als sonst. Ein Verband mit Einheiten aus Deutschland, Polen und Kanada hält sich in der Lübecker Bucht auf.
Ein zweiter Verband mit fünf Schiffen hat am vergangenen Sonnabend im Lübecker Hafen festgemacht. Bis Montag sollen die Soldaten dort Landgang haben. Danach läuft der Verband wieder zu Übungen in die westliche Ostsee aus. (Frank Behling, RND)
Dieser Artikel ist zuerst in den „Kieler Nachrichten“ erschienen.


