Skandale, die den Geist des Reaktionären atmen, gab es in der Bundeswehr immer wieder. Doch gerade jetzt, vor Einführung des neuen Wehrdienstes, ist der jüngste Skandal bei den Fallschirmjägern Gift.
Sexismus und RechtsextremismusBundeswehr zeigt sich erneut von ihrer dunklen Seite


Fallschirmjäger aus Niedersachsen steigen auf dem Flugplatz Barth in ein Flugzeug, um die Freifall-Taktische Weiterbildung zu absolvieren.
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Immerhin in einem Punkt hat die Bundeswehr Glück: Der neue Skandal um Verdachtsfälle von Rechtsextremismus, Sexismus und Drogenmissbrauch bei Fallschirmjägern in Rheinland-Pfalz wurde zwei Tage vor Silvester bekannt. Da ist die Republik anderweitig beschäftigt. Der Rest ist für Verteidigungsminister Boris Pistorius jedoch desaströs.
Das hat mit dem Umfang des Geschehens zu tun. Immerhin geht es um 200 einzelne Delikte und 55 Beschuldigte. Auch Entlassungen wurden bereits eingeleitet. Die Sache ist über die Unschuldsvermutung demnach weit hinaus. Fraglich scheint nicht mehr das Ob von einem Fehlverhalten, sondern seine Dimension. Dabei weiß man von ähnlichen Vorfällen im Kommando Spezialkräfte, das kurz vor der Auflösung stand: Oft gibt es Weiterungen, die die Hierarchie betreffen. Und die Aufklärung dauert eine halbe Ewigkeit. Der neue Heeres-Inspekteur Christian Freuding hat jetzt viel Arbeit vor sich.
Abschreckend für Frauen
Noch gravierender ist, dass der Skandal zusammenfällt mit der Einführung des neuen Wehrdienstes. Denn Pistorius und die Führung seines Ministeriums unternehmen derzeit alles, um die Truppe offen und modern erscheinen zu lassen. Nun wirkt es, als sei sie das Gegenteil: abgekapselt, reaktionär und anziehend für die falschen Leute. Aufgeschlossene Menschen wollen sich solchen Zuständen nicht aussetzen. Dabei bräuchte man genau sie. Das gilt vor allem für Frauen, deren Anteil in der Bundeswehr zuletzt ohnehin bei nicht einmal 14 Prozent lag. Interessentinnen dürften es sich angesichts der Berichte dreimal überlegen, ob sie sich in Uniform belästigen lassen wollen.
Der Spitze des Verteidigungsministeriums hilft allein Transparenz – damit der Schaden nicht noch größer wird. Der nämlich ist längst angerichtet.


