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StaatengemeinschaftErfolge der Europäischen Union

8 min

Welche Erfolge kann die Europäische Union vorweisen?

Freier Blick auf den Ball

Wann ist ein Mann ein Mann? Klar doch, wenn der Ball rollt. Und ohne die EU und ihren heldenhaften Einsatz für den frei empfangbaren rollenden Ball in der Glotze wäre der deutsche Mann nicht gut dran.

Das sahen im vergangenen Jahr auch die Richter am Europäischen Gerichtshof so, stellten das Gemeinwohl über die Interessen von Fifa und Uefa und erkannten in ihrer soziokulturellen Weitsicht: Wenn das Volk sich überhaupt irgendwo als Volk fühlt, der Mann als Mann und irgendwie dann auch der Europäer als Europäer, dann beim Fußball.

Der Streit entbehrte nicht einer gewissen Verlogenheit, denn in Feiertagsreden preisen Sportverbände die überragende Bedeutung des Spitzensports für das Gemeinwesen. Als sich der Weltfußballverband Fifa und der europäische Verband Uefa vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu äußern hatten, änderten sie ihre Argumentation um 180 Grad: Eine erhebliche gesellschaftliche Relevanz könne man weder der Fußball-Weltmeisterschaft noch der Europameisterschaft bescheinigen, wollten sie den EU-Richtern plausibel machen. Die Richter fielen auf die Schwalbe nicht herein und urteilten: Wenn das Volk überhaupt irgendwo beieinander ist, dann beim internationalen Fußball, wenngleich weniger europäisch, sondern mehr national.

Mit diesem Urteil hatte der EuGH einen Schlussstrich unter einen Streit gezogen, bei dem es eben vor allem um eines geht: um das Interesse der Verbände, mit der Exklusivvermarktung von sportlichen Topereignissen ordentlich Geld zu verdienen. Eine europäische Richtlinie, 1989 erlassen und 1997 novelliert, hatte dieses Interesse empfindlich beeinträchtigt. Danach bleibt es den Mitgliedsstaaten überlassen, Ereignisse von „erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung“ aufzulisten und damit dem frei empfangbaren Fernsehen zugänglich zu machen.

Nun hat dieses Fußball-Urteil auch gleich andere auf den Plan gerufen: Wenn denn der Fußball ein Kulturgut ist, müsste es dann nicht auch ein Informationsrecht auf große Opern oder Theateraufführungen geben, worauf ARD und ZDF weitgehend verzichten? Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass die Richter eher Fußballfans als Opernfreunde sind.

Pizza wunderbar! - Der Siegeszug der italienischen Küche, die Magen, Herz und Kopf beglückt

Hat ihn nicht fast jeder? „Seinen Italiener“ in seinem Stadtteil, mit dieser unvergleichlichen Pizza, hauchdünn, sie lappt über den Tellerrand. Si, si! „Ciao Fernando, come stai?“, diese herzlich intime Begrüßung. Verbrüderung in „La Riviera“. Und dann wie immer: Insalata mista oder doch gemischter Vorspeisenteller? Den offenen Weißen, ruhig die Ein-Liter-Karaffe, zum Höhepunkt die Pizza. Und als Sättigungsbeilage etwas „Pane“, Brot für den Salat.

Die „Mama“ aller Pizzen soll übrigens mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum belegt gewesen sein (Viva Italia! Mit den Nationalfarbenfarben Grün, Rot, Weiß!),  benannt  nach der  Königin Margherita von Savoyen. Die „Margherita“ ist vor allem bei Kindern die  Einstiegsdroge ins Reich der italienischen Küche. „Fernando, könnten wir noch etwa Pane? Grazie!“

Ein kurzer Blick noch einmal in die Geschichte: Genau genommen stammt die Pizza gar nicht aus Italien, als Erfinder werden die Etrusker im Jahre 900 v. Chr. erwähnt.  Egal, die Italiener perfektionierten sie und machten sie auf ihren Eroberungszügen in ganz Europa zum Exportschlager.

„Noch mal Pane? Und nehmen wir noch einen Weißen? Na gut, nur mezzo litro.“ Ein kurzer Plausch noch mit Fernando über Berlusconi und Fußball.

Der erste Lieferservice entstand  im Jahre 1889 in Italien. Raffaele Esposito hatte die ehrenvolle Aufgabe übertragen bekommen,  das Königshaus zu beglücken. Der Adel war sofort begeistert, wie eben der König,  auch an diesem Luxus teilhaben. In Deutschland hat sich der Lieferservice  zu Beginn der 1980er Jahre durchgesetzt – und wird heute nicht selten von Türken, Pakistani, Indern betrieben.  Zuerst nur in Großstädten angeboten, gibt es heute wohl keine noch so dünn besiedelte Gegend die nicht über so einen Pizza-Blitz verfügt, mit mindestens achtseitigen Speisekarten und manchmal  Problemen bei der Durchgabe der Adresse. In den 1950er und 60er Jahren finden zudem Kühl- und Gefrierschränke den Weg in die heimischen vier Wände. So ist es wenig verwunderlich, dass 1957 das italo-amerikanische Brüderpaar Celantano – selbstverständlich in den USA – die erste Tiefkühlpizza auf den Markt bringt.

Noch mal etwas „Pane“, drei Expressos, wie der Deutsche so gerne sagt, ’nen Grappa und il conto, per favore: 8 Euro pro Pizza, 20 Euro Wein, 30 Euro Pane. Der Grappa geht auf die Casa.

Bella Pizzeria!  Wie schön, wir lieben sie und sehen sogar über Bunga-Bunga von Berlusconi und Balotelli  im  der Fußball-Nationalmannschaft hinweg.

Damit Wasser kein Luxus wird in Europa

Fast 1,7 Millionen Europäer beteiligten sich an der Initiative „Right2Water“. Der europaweite Kampf um das Recht auf Wasser (Right2water) ist ein erfrischendes Beispiel für Möglichkeiten, aber auch für die Grenzen der politischen Aktion in der EU.

Als erste europäische Bürgerinitiative hatte ein Bündnis gegen Wasserprivatisierung in Brüssel die nötigen Unterschriften vorgelegt um auf höchster politischer (EU)Ebene Einfluss zu nehmen. Anliegen der Initiatoren war es, dass jeder Mensch Zugang zu qualitativ hochwertigem Wasser hat. Wasser wird als derart wichtiges und hochwertiges Gut betrachtet, dass es in öffentlicher Hand bleiben solle, es müsse für jedermann zu jeder Zeit verfügbar sein. Deshalb eigne es sich auch nicht, damit Gewinne von Privatunternehmen zu steigern. Wasser ist kein Renditeobjekt, so „Right2water!“.

Die Initiative übermittelte der EU-Kommission mehr als 1,65 Millionen Unterschriften. Damit mussten sich die EU-Institutionen mit den Forderungen befassen.  Nun das Aber: Die EU-Kommission reagierte zwar, aber nicht wie von vielen Unterzeichnern erhofft – nämlich die Privatisierung der Wasserversorgung in Europa zu unterbinden: „Die Entscheidung über die optimale Verwaltung von Wasserdienstleistungen liegt fest in den Händen der Behörden der Mitgliedstaaten“, sagte   Kommissar Maros Sefcovic. Die europäischen Verträge verpflichteten die EU in dieser Frage zur Neutralität.

Wenn auch das Resultat nicht so ausgefallen ist, wie erhofft, ein Trostpflaster: Ihr eigentliches Ziel hatte das maßgeblich von der Gewerkschaft Verdi initiierte Bürgerbegehren aber schon zuvor erreicht: Die Kommission verzichtete vergangenes Jahr wegen des öffentlichen Drucks auf einen Vorschlag zur Öffnung der abgeschotteten Wassermärkte.

Wichtig und ermutigend aber auch etwas anders:  das neu eingeführte Instrument der Europäischen Bürgerinitiative hat sich als durchaus schlagkräftig erwiesen. Die Bürgerinnen und Bürger Europas haben über nationale Grenzen etwas bewegt.

Äpfel, Birnen und Gurken - Auch die EU zeigt ihre Liebe zum „Veggieday“– in der Schule

Erinnern Sie sich noch an diese Pleite für die Grünen bei der Bundestagswahl? Der „Veggieday“. Das Kabarett witzelte um die Wette, die Wähler liefen in Scharen davon.

Dabei ist das doch eigentlich eine super-geile Sache, findet auch die Europäische Union: Um Kindern und Jugendlichen Obst und Gemüse schmackhaft zu machen, dachten sich die Politiker  ein eigenes Schulobstprogramm in den Mitgliedstaaten aus.

Schon Ende 2008 hatte Brüssel diese Initiative lanciert; mit europäischen Zuschüssen sollen vor allem Kinder an Grundschulen regelmäßig Obst und Gemüse bekommen. Denn schließlich, so hatte die  Weltgesundheitsorganisation herausgefunden, war jedes dritte Kind zwischen Lissabon und Warschau schlecht ernährt und deshalb übergewichtig. Und da der Obst- und insbesondere der Gemüseverzehr von Kindern deutlich unter dem von Experten errechneten empfohlenen Durchschnitt liegen, sollte diese  kostenlose Vitaminspritze die Gesundheit steigern, pädagogisch flankiert im Unterricht.

Aktuell beteiligen laut EU in Deutschland acht Bundesländer am Programm, darunter auch Nordrhein-Westfalen. Dort startete man im März 2010 an 355 Schulen. Seither ist das Programm  kontinuierlich gewachsen. Im Schuljahr 2011/2012 beteiligten sich 520 Schulen mit 100 000 Kindern. Und auch für 2013/2014 wurden Rekordzahlen gemeldet. An 800 Schulen knabbern rund 144 000 Schulkinder an EU-Möhren.

Bis zum vergangenen Schuljahr mussten die Länder die Kosten zur Hälfte tragen – zum Schuljahr 2014/15 nur noch zu einem Viertel, die EU steuert dann 75 Prozent bei. Deutschland stehen pro Schuljahr demnach bis zu 20 Millionen Euro statt wie bisher zwölf Millionen zur Verfügung. Bedacht werden natürlich vorrangig sozial schwache Regionen.

Um der Wahrheit gerecht zu werden, sollte auch das nicht verschwiegen werden: Es ging den europäischen Rohkost-Fans nicht nur um einen Impuls zur besseren Ernährung, sondern  auch um Absatzförderung für die Bauern.  Na also, Win-Win-Situation nennt man so etwas: der Bauer verdienst, der Schüler isst gesund. Was will man mehr?

Gebühren, Kontrollen, Wartezeiten: Reisen ohne die Regelungen der EU wäre beschwerlich

Spielen wir die Sache doch mal anders herum: Urlaub mal so, als gäbe es die  EU nicht. Zum Beispiel in  Italien. Eine Flugreise für vier Personen bei der einzigen deutschen Fluglinie ist für Normalbürger sündhaft teuer, Konkurrenz Fehlanzeige, Billigfliegern bleibt der Zugang zum deutschen Urlaubsmarkt verwehrt. Also: Auto.

Vor Urlaubsantritt erst einmal zur Bank, Geld umtauschen. Ein paar D-Mark in österreichische Schilling, um Tanken, Rast und Autobahngebühren zahlen zu können, den Rest in italienische Lire. Die Umrechnungskurse schwanken ständig, die Gebühren für den Geldumtausch sind  recht üppig. Endlich geht es los, nach einigen Stunden ist der erste Grenzübergang erreicht. Fast, denn schon Kilometer vor der Grenze staut sich der Verkehr, die Wartezeit beträgt etwa fünf Stunden – Kontrollen! Alle Familienmitglieder müssen einen Reisepass besitzen, beziehungsweise Kinder im Pass ihrer Eltern eingetragen sein. Auch an der nächsten Grenze zu Italien ist die Situation nicht besser.

Nach knapp zwei Tagen endlich am Ort der Erholung angekommen! Kurze Anruf mit dem Mobiltelefon bei der Oma zu Hause –  8 D-Mark pro Minute. Und dann auch noch das: ein Kind bekommt vom Baden im Meer starke Ohrenschmerzen und Fieber, einen Auslandskrankenschein hat die Familie nicht, der  Arzt behandelt nur gegen Vorkasse, mit der deutschen Krankenversichertenkarte kann er überhaupt nichts anfangen.

Nach zwei Wochen Sonne, Strand und Einkaufen mit dem Taschenrechner in der Hand neigt sich der Urlaub dem Ende zu – das Bargeld leider auch. Die Gebühren für Abhebungen im Ausland betragen mehrere Mark, aber ein paar Souvenirs müssen sein.  An der Grenze alles aus dem Kofferraum raus. Zoll und Einfuhrumsatzsteuer werden fällig, die vermeintliche Ersparnis ist dahin.

Also dann vielleicht doch im nächsten Jahr nach Spiekeroog.