Zug Nummer 866 stand am Hauptbahnhof von Dnipro zur Abfahrt um 11 Uhr bereit, als eine russische Angriffsdrohne mit Düsentriebwerk auf dem Bahnsteig einschlug. Mindestens 15 Menschen starben, viele weitere wurden schwer verletzt. Ein Elfjähriger schwebte in Lebensgefahr. Der Angriff richtete sich gezielt gegen Zivilisten. In den vergangenen Tagen wurde Dnipro, die Partnerstadt von NRW und Köln in der Ukraine, immer wieder von der russischen Armee attackiert.
Die Schwerverletzten wurden in die Metschnikow-Klinik in Dnipro eingeliefert, die von Partnerkliniken in NRW unterstützt wird. So haben Krankenhäuser der Stadt Köln eine Zusammenarbeit in den Bereichen Chirurgie und Notfallversorgung vereinbart. Die Uniklinik Essen unterstützt das Krankenhaus bei der Behandlung von Brandverletzungen. Infolge des Angriffs fiel in der Metschnikow-Klinik, die von Ukrainern auch als „Überlebensfabrik“ bezeichnet wird, der Strom aus. „NRW steht mit seiner Partnerschaft fest an der Seite von Dnipro und lässt die Menschen dort nicht allein“, sagte Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Nach den Angriffen hat der CDU-Politiker einen Brief an den Gouverneur der Partnerregion, Oleksandr Hanzha, geschrieben. „Ihnen und allen Bürgerinnen und Bürgern von Dnipro gilt unsere Solidarität in dieser schweren Zeit“, heißt es darin. Die Nachricht über den grausamen Angriff auf den Hauptbahnhof erfülle ihn mit tiefer Sorge. „Putin setzt bewusst auf Terror, um die Menschen in der Ukraine zu zermürben“, sagte Liminski unserer Zeitung. Züge, Schulen, Wohnhäuser und die Energieversorgung würden systematisch angegriffen. „Das Ziel ist nicht der militärische Sieg auf dem Schlachtfeld, sondern der Verlust von Sicherheit und Zuversicht im Alltag“, so der NRW-Minister.
Stromgeneratoren und Blockheizkraftwerke aus NRW
Hanzha bedankte sich unterdessen für die Solidarität. Derzeit werde daran gearbeitet, die Folgen der Angriffe so schnell wie möglich zu beseitigen. Dabei kämen auch die Ressourcen zum Einsatz, die NRW im Rahmen seiner humanitären Unterstützung zur Verfügung gestellt habe. Die Fortsetzung der Hilfen sei von außerordentlicher Bedeutung. In Dnipro mit rund 350.000 Einwohnern kommt es immer wieder zu Stromausfällen. NRW hatte bereits Stromgeneratoren und Blockheizkraftwerke in die Region geliefert.
Ursprünglich sollte der Gouverneur am „NRW Resilience Summit“ teilnehmen, der am Mittwoch in Düsseldorf stattfindet. Bei dem Kongress, der von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) eröffnet wird, geht es um die Frage, wie Demokratien, Wirtschaft und Gesellschaft auf Bedrohungen reagieren können. Auch ein Podiumsgespräch mit Hanzha war vorgesehen. Er werde sein Möglichstes tun, um an dem Gipfel in Düsseldorf teilzunehmen, erklärte der Gouverneur. Ob er die Reise antreten könne, hänge jedoch von der Sicherheitslage und der weiteren Entwicklung ab.
An dem Gipfel nimmt auch der Präsident Litauens, Gitanas Nausėda, teil. Sein Land gehört zu den Nato-Staaten, die sich besonders intensiv mit der Bedrohung durch Russland beschäftigen. Eine der Fachrunden trägt den Titel „What If the Ruhr Region Went Dark?“ – Was wäre, wenn das Ruhrgebiet plötzlich im Dunkeln läge? Dabei geht es darum, wie das Ruhrgebiet mit einem großflächigen Stromausfall umgehen würde.

