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Wut auf Kremlchef wird sichtbar„Nicht mein Präsident“ – Diese Tirade gegen Putin geht in Russland viral

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Kremlchef Wladimir Putin bleibt auf Kriegskurs – trotz der immer offeneren Kritik in Russland. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin bleibt auf Kriegskurs – trotz der immer offeneren Kritik in Russland. (Archivbild)

Das Video eines Schauspielers mit Kritik an Kremlchef Wladimir Putin ist bereits das dritte, das in den vergangenen Monaten viral gegangen ist. 

„Hallo, Wladimir Wladimirowitsch Putin. Mein Name ist Lescha“ – mit diesen Worten beginnt ein Video, das in Russland für Aufsehen sorgt und als Beleg für die immer öfter offen vorgetragene Kritik der Bevölkerung an der russischen Regierung und Machthaber Wladimir Putin gelten kann.

Das Video, das laut BBC Russia seit Veröffentlichtung innerhalb von 24 Stunden bereits mehr als eine Million Mal aufgerufen wurde, stammt vom Schauspieler Alexei Jarmuschtschik. Mit deutlichen Worten bringt Jarmuschtschik darin seinen Frust über den Kriegskurs des Kremls und die Repressionen gegen die russische Bevölkerung zum Ausdruck. 

„Ich möchte nicht, dass Sie mein Präsident sind – niemals im Leben“

„Ich möchte nicht, dass Sie mein Präsident sind – niemals im Leben“, wendet sich Jarmuschtschik an den Kremlchef. „Ich bin 25 Jahre alt – ich kenne keinen einzigen Menschen in meinem Alter, der keine Angst vor Ihnen hätte; der sich wünschen würde, dass Sie unser Präsident sind.“ Der Schauspieler fordert zudem die Auflösung der russischen Regierung. 

„Ich will Ihr Fernsehen nicht sehen – ich will meine Lieder hören“, kritisiert Jarmuschtschik schließlich auch die vom Kreml orchestrierten russischen Staatsmedien und das Verbot westlicher Dienste in Russland.  „Ich will nicht ‚VK‘ nutzen, ich will Instagram nutzen, weil es besser ist“, sagt der Schauspieler etwa mit Blick auf das russische soziale Netzwerk VK.

„Ich glaube nicht, dass die Krim zu uns gehört“

Auch Putins Griff nach ukrainischen Territorien kommt in dem Video zur Sprache: „Ich glaube nicht, dass die Krim zu uns gehört“, heißt es etwa mit Blick auf die von Russland bereits 2012 illegal besetzte ukrainische Halbinsel. „Das ist keine große Aussage, keiner meiner Gleichaltrigen sieht das so“, fügt der Schauspieler hinzu. 

Für den Frust unter jungen Menschen findet Jarmuschtschik ebenfalls klare Worte. „Alle meine Bekannten – entweder sie ziehen weg, stehen unter Schock oder reden einfach nicht darüber“, schildert der Schauspieler die trübe Stimmung im Land und wendet sich dann erneut an Putin. „Ich weiß nicht, wo diese Menschen sind, die Sie als Präsidenten lieben und respektieren. Sie sind nicht mein Präsident. Das ist alles, was ich sagen wollte – gute Nacht.“

Schauspieler fürchtet Konsequenzen: „Alle haben Angst“

Das Video des Schauspielers folgt auf eine ganze Reihe öffentlicher und ungewöhnlich kritischer Wortmeldungen in den vergangenen Wochen. Insbesondere seit die Ukraine ihre systematischen Angriffe auf die russische Ölindustrie nun auch um Attacken auf den Online-Versandhändler Wildbesseries erweitert hat, werden Wut, Frust und Verständnis über den Kurs des Kremls in Russland sichtbarer.

Ohne Konsequenzen bleiben derartige Wortmeldungen jedoch oftmals nicht – auch Jarmuschtschik erklärte, dass er „natürlich die Konsequenzen fürchtet“, die auf die Veröffentlichung des Videos folgen könnten. „Ich bin 26. Meine Altersgenossen haben alle Angst. Ich bin der Einzige, der Putins Namen ausspricht. Und die anderen haben auch Angst“, erklärte er der Zeitung „Ostorozhno Novosti“. 

Spekulationen über geplante Mobilmachung in Russland

Nach einem Bericht von BBC Russia sollen die jüngsten Spekulationen über eine vom Kreml geplante Mobilmachung im Herbst ein Grund für das Anti-Putin-Video gewesen sein. „Für mich, einen jungen Mann, ist das einer der stärksten Auslöser von Angst“, zitierte der russischsprachige Dienst der BBC den Schauspieler. 

Der Kreml äußerte sich bisher nicht zu dem viralen Video des Schauspielers. Jarmuschtschik selbst meldete sich unterdessen in einem weiteren Video zu Wort. Darin erklärt der Schauspieler, er habe nun die Kommentare von Menschen gelesen, die seine Meinung nicht teilten, und sei von deren Freundlichkeit berührt gewesen.

In Russland gibt es derzeit Spekulationen über eine geplante Mobilmachung – die Kämpfe an der Front in der Ukraine gehen derweil weiter. (Archivbild)

In Russland gibt es derzeit Spekulationen über eine geplante Mobilmachung – die Kämpfe an der Front in der Ukraine gehen derweil weiter. (Archivbild)

Dann rudert Jarmuschtschik zurück. Er „respektiere das Volk“ und „liebe die Regierung“, erklärt der Schauspieler. Auch Kremlchef Wladimir Putin respektiere er in „gewisser Weise“, heißt es weiter. „Es geht doch nur darum, miteinander zu reden“, sagt Jarmuschtschik schließlich am Ende seines zweiten Videos.

Das Video des Schauspielers ist unterdessen bereits die dritte kritische Wortmeldung, die in den russischen sozialen Netzwerken in den vergangenen Monaten viral gegangen ist. Im April hatte die in Monaco lebende Instagram-Berühmtheit Victoria Bonya zunächst scharfe Kritik am Kreml geäußert.

Kritik an Wladimir Putin in Russland: Bereits das dritte virale Video

Im Juni ging dann ein Appell von Alexander Lunin viral – der zuvor wenig bekannte Blogger forderte darin ein Treffen mit Putin und drohte dem Kremlchef mit einer Meuterei. Lunins Video wurde innerhalb von 24 Stunden mehr als zwölf Millionen Mal abgerufen.

Während die Influencerin Bonya in der Folge des Videos hauptsächlich im russischen Staatsfernsehen mit Attacken – etwa dem Vorwurf der Bestechlichkeit – überzogen wurde, landete Lunin kurz nach der Veröffentlichung seines Videos für elf Tage in Haft.  Nach seiner Freilassung löschte der Blogger dann sein Video und erklärte seinen Wunsch, zur „militärischen Spezialoperation“ – wie die russischen Behörden den Krieg gegen die Ukraine bezeichnen – zurückzukehren.

Wut-Videos nach Angriffen: „Putin, danke! Du hast Russland gerettet!“

Die Häufung der offenen Kritik an Putin und dem Kriegskurs des Kremls bleibt dennoch unübersehbar. Nahezu nach jedem ukrainischen Angriff tauchen entsprechende Videos in den sozialen Netzwerken auf.

Nach den jüngsten Schlägen auf Ziele in Wolgograd kursierte am Freitag (31. Juli) in russischen Telegram-Kanälen etwa ein Video, das aus der Millionenstadt stammen soll, und auf dem ein Mann vor dicken schwarzen Rauchwolken mit viel Zynismus in die Kamera ruft: „Das ist der richtige Weg! Putin, danke! Du hast Russland gerettet!“

Die sinkende Unterstützung für Putin wird jedoch auch in Umfragen sichtbar: Seit dem Frühjahr haben drei große russische soziologische Institute einen deutlichen Rückgang des Vertrauens und der Zustimmungswerte für Putin verzeichnet, berichtet BBC Russia.